Fotografin Fotografie
Bild: colourbox.com

Bewerbungsfoto ist erster Türöffner zum Job

Von Susanna Sailer

LINZ. Gute Bewerbungsfotos sollen binnen kürzester Zeit einen positiven Eindruck vermitteln. Zwei Fotografinnen und einer Bewerbungsberaterin geben Tipps, was es dabei zu beachten gilt.

Eines vorweg: Sie sind nicht verpflichtet, Ihrer schriftlichen Bewerbung ein Foto beizufügen. Geht es nach dem Gleichbehandlungsgesetz, das in Österreich seit 1. Juli 2004 gilt, dürfen potenzielle Arbeitgeber von Bewerbern kein Bild verlangen, weil es deren Entscheidung beeinflussen könnte. Einzig und allein die Qualifikation sollte im Vordergrund stehen. In Ländern wie den USA und Kanada wird das längst so gehandhabt. Auch in Skandinavien sind Bewerbungsfotos unüblich. Der Rest Europas - und somit auch Österreich - tickt weiterhin anders. Von der anonymisierten Bewerbung am Arbeitsmarkt sind wir in der Praxis weit entfernt. Also ist ein Foto empfehlenswert. Wird es weggelassen, könnte womöglich die Bewerbung von vornherein ins Hintertreffen geraten.

Den Profis überlassen

Die Linzer Bewerbungsberaterin Christina Wurm rät: „Vergessen Sie Automatenfotos genauso wie jene aus Freizeit und Urlaub oder geschweige gar Selfies. Gehen Sie zum professionellen Fotografen.“ Das sei eine wichtige Investition in die Zukunft, denn als Profi weiß ein Fotograf genau, worauf es bei einem Bewerbungsbild ankomme. Wichtig sei dabei ein Beratungsgespräch im Vorfeld. Das bestätigt auch Fotografin Ulli Engleder aus Linz: „Ich erkundige mich vor dem Fotoshooting, welchen Job in welcher Branche die Leute anstreben. Das ist Grundlage für weitere Empfehlungen, was Kleidung oder Frisur angeht.“ Jemand, der sich beispielsweise in einer Steuerberatungskanzlei bewirbt, hat andere Dresscodes zu beachten als Menschen in anderen Berufsbildern. Was bei der Frisur – vor allem bei Damen mit langen Haaren - angemessen ist, will Engleder nicht pauschal beurteilen: „Ich sage den Kundinnen oft, sie sollen mit offenen Haaren kommen und wir schauen uns das gemeinsam an. Aber die Frisur sollte nie im Vordergrund stehen.“

Männern empfiehlt Kathrin Stempfer vom Linzer Fotostudio Eder, zwei bis drei verschiedene Kleidungsoberteile zum Fototermin mitzunehmen. „Bei Hemd und Sakko sollten die Bewerber darauf achten, dass die Hose gut dazu passt.“ Die meisten gingen nämlich davon aus, dass lediglich ein Porträtbild von ihnen aufgenommen wird. „Aber wir machen oft auch Bilder, auf denen die Person bis zur Hüfte zu sehen ist oder im Sitzen“, sagt Stempfer.

Firmenhomepage als Orientierung

Sollte jemand nicht ganz sicher sein, welches Outfit am besten passen könnte, dem rät Fotografin Stempfer zum Blick auf die Homepage des Unternehmens, bei dem er sich bewerben möchte: „Schauen Sie sich die Teamfotos an. Studieren Sie die Firmenphilosophie und welches Erscheinungsbild nach außen hin vermittelt wird.“ Es sei nicht schlecht, diese Komponenten gleich im Bewerbungsbild mit einzubauen.

Manche Frauen, die um ihre sexy Ausstrahlung wissen, erliegen in der Hoffnung auf bessere Chancen der Versuchung, auch auf Bewerbungsfotos tiefe Einblicke zu gewähren. Abseits diverser Jobs, die das ausdrücklich verlangen würden, winkt Coach Christina Wurm ab. „Im Businessbereich ist es besser, nicht zu viel Dekolleté zu zeigen. Kann zwar sein, dass es zum Vorstellungsgespräch kommt, weil gewisse Personalchefs die Neugierde antreibt. Aber meist werden solche Bewerberinnen nicht eingestellt.“ Im Umkehrschluss bedeute es aber nicht, dass sich Frauen bis oben hin zugeknöpft zeigen sollten, sondern einfach so, wie sie im Businessleben auch auftreten würden. Eines gilt immer: Die eigene Kompetenz und Professionalität sollen im Vordergrund stehen.

Was Sie noch bedenken sollten:

Unterlagen mitnehmen: Es empfiehlt sich, die Bewerbungsmappe zum Fototermin mitzubringen, damit die Fotos perfekt auf die Bewerbung abgestimmt werden können.

An Puder denken: Vor dem Fotoshooting sollten auf jeden Fall Wangen, Nase und Stirn gepudert oder zumindest abgetupft werden, um nicht zu glänzen. Das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen.

Make-up und Schmuck: Wer sich schminkt, sollte dies typgerecht, aber dezent tun. Das gilt auch für den Ton des Lippenstifts. Schmuck am besten so wenig wie möglich. Alles, was von der Person ablenkt, lieber weglassen.

Kleidung: Das Outfit sollte arbeitsplatzbezogen sein, also der angestrebten Position angemessen. In den meisten Fällen gilt: Keine knalligen Farben und keine auffälligen Muster wählen, am besten knitterfreie klassisch-zeitlose Kleidungsstücke. Gar nicht gut kommen Rollkrägen, die am Foto den Kopf wie aufgesetzt wirken lassen. Tabu sind auch kurze Ärmel. Achtung vor komplett schwarzem Outfit. Das wirkt am Bild zu düster.

Lächeln oder ernst: Der Gesichtsausdruck muss zum angestrebten Job passen. Verkrampftes Lächeln wirkt aber ebenso abschreckend wie ein grimmiger Gesichtsausdruck. Fotografin Stempfer: „Ein leichtes, wohlwollendes Lächeln, das durchaus Selbstbewusstsein ausstrahlt, ist am besten.“ Berufskollegin Engleder: „Auch im Management sind die Zeiten vorbei, in den man sich kühl und unnahbar präsentiert. Es gilt die Persönlichkeit hervorzuheben.“ Am besten also, Sie lassen sich vom Fotografen beraten.

Farbe oder Schwarz-Weiß: Hier gibt es keine einheitliche Regelung, auch wenn das Farbbild der aktuellen Norm entspricht. Im Vergleich zur starken Farbbild-Konkurrenz fallen Sie mit einer Schwarz-Weiß-Variante mehr auf. Hier sind aber Kontraste sehr wichtig.

Vorsicht mit Experimenten: Von allzu experimentellen Bewerbungsfotos ist eher abzuraten. Das gilt ganz besonders bei einer Bewerbung bei konservativen und traditionsreichen Unternehmen. Blick von oben oder unten: Beides ist schlecht. Schauen Sie gerade in die Kamera, sonst wirken Sie schnell herablassend oder unterwürfig. Lassen Sie sich vom Fotografen leiten.

Bildgröße: Ein einheitliches Format für Bewerbungsfotos gibt es nicht. Standardformate sind zum Beispiel • 4,5 x 6 cm • 5 x 7 cm oder auch • 6 x 9 cm. Bei einer Bewerbung mit Deckblatt kann man auch größere Formate verwenden, bis hin zur Postkartengröße. Bei einer Online-Bewerbung sollte das Foto nicht zu groß (Format und Dateigröße) sein, jedoch eine gute Qualität aufweisen. Meistens gilt hier eine Größe von zwei MB. Sollte die Bewerbung über ein Onlineformular erfolgen, wird normalerweise eine erlaubte Maximalgröße (in MB) angegeben.

Foto wieder verwenden: Es ist in Ordnung, wenn Sie ein Bewerbungsfoto auch für mehrere Bewerbungen verwenden. Allerdings darf die Qualität des Fotos nicht beeinträchtigt sein (geknickte Ecken, Kratzer o.ä.). Um rasch auf passende Stellenangebote reagieren zu können, ist es ratsam, stets eine ausreichende Anzahl an Bewerbungsbildern vorrätig zu haben.

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