Bart
Bild: Colourbox

Ein Bart kratzt Personalleiter nicht

Von Susanna Sailer

Männer, die Bart tragen, können auch auf Bewerbungsfotos dazu stehen. Die Personalverantwortlichen haben damit kein Problem. Vorausgesetzt, das gesamte Erscheinungsbild des Bewerbers wirkt gepflegt.

Ob in Modezeitschriften, in Werbespots oder auf den Straßen - Männer mit Bärten im Hipster-Stil oder in der borstigen Drei-Tage-Variante begegnen einem, wohin man auch blickt. Tatsächlich ist heutzutage ein Bart für die allermeisten Berufe kein Ausschlusskriterium mehr - nicht einmal in konservativen Branchen. Und trotzdem sind viele männliche Bewerber unsicher, inwieweit sie wegen ihres Bartes auf dem Bewerbungsfoto möglicherweise vorzeitig "ausgemustert" werden könnten.

Keine Mogeleien

Der Linzer Fotograf Christian Huber legt bei Bewerbungsfotos großen Wert auf Authentizität. Er macht Männern Mut, zu ihren Bärten zu stehen. Vorausgesetzt, der Bartwuchs ist gepflegt und nicht zerzaust und struppig. "Ich würde einem Bartträger niemals raten, sich den Bart abzurasieren", sagt er. "Was jemand an sich am liebsten sieht, das sollte er heraus streichen." Natürlich werde es immer auch bestimmte Unternehmen und Tätigkeitsbereiche geben, bei denen ein Bart nicht angebracht sei. Da müssten passionierte Bartträger die Grundsatzentscheidung treffen, ob sie sich dem beugen wollen oder nicht. "Falsch würde ich es allerdings empfinden, wenn jemand sich nur für das Foto den Bart abrasiert und ihn danach erneut wachsen lässt", rät Huber davon ab, zu mogeln. Der Fotograf empfiehlt Trägern eines fülligen Barts jedoch, vor einem Foto-Shooting einen Barber-Shop zu besuchen. "Denn ein Bart muss genauso gepflegt wirken, wie die Frisur", sagt Huber.

Bartschutz ist nötig

Wie reagieren nun Personalchefs auf Fotos von männlichen Bewerbern mit Vollbart oder Drei-Tages-Bart? "Völlig neutral", antwortet Ernst Weidenholzer, Personalverantwortlicher bei Tannpapier in Traun. Für ihn zähle das persönliche Gespräch viel mehr als ein Bild. Genauso sieht das Katrin Bointner, Personalleiterin des Welser Backwaren-Konzerns Resch&Frisch. "Ganz ehrlich: Bart oder kein Bart - das ist uns egal." Es habe keinerlei Auswirkung darauf, ob jemand zum Bewerbungsgespräch eingeladen werde oder nicht. Handelt es sich um eine Position im direkten Bereich der Lebensmittelproduktion, so muss ein bärtiger Mitarbeiter allerdings nicht nur seine Haare mit einem speziellen Häubchen abdecken, sondern auch einen Bartschutz während seiner Arbeitszeit tragen.

Den Kunden verpflichtet

karriere.nachrichten.at hörte sich auch in traditionell konservativen Branchen um, etwa im Versicherungsbereich: "Ein Bart ist kein Ausscheidungskriterium", sagt auch Werner Raggl, Personalleiter der OÖ.Versicherung. Allerdings folgt auch hier wiederum der Zusatz: Gepflegt muss er sein. Ragg differenziert aber: "Ein Bart mit Holzkugerln, wie ihn etwa Kabarettist Roland Düringer trägt, wäre in der Finanzdienstleistungsbranche nicht angebracht. Wenn es sich um die Position eines IT-Programmierers handelt, spielt es jedoch keine Rolle."

Diese Auffassung teilt auch Martina Reichetseder, Personalrecruiterin bei der VKB-Bank in Linz: "Das Gesamtbild muss gepflegt und stimmig sein. Also Business-Anzug, Krawatte, sauberes Äußeres - ob mit oder ohne Bart. Hier sind wir unseren Bankkunden gegegenüber entsprechend verpflichtet."

 

 

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