Wenn Computer bei Bewerbungen mitbestimmen

Wenn Computer bei Bewerbungen mitbestimmen

Von Susanna Sailer

Personalchefinnen sagen, "keine Angst vor einem digitalen Ausleseverfahren" und verraten, worauf es ankommt.

Im Bewerbungsprozess, der zunehmend online erfolgt, bauen immer mehr Großunternehmen auf eine Vorab-Auslese mit Hilfe eines Computers. Die Großen unter den Personaldienstleistern zählen hier zu den Vorreitern. Trenkwalder und Manpower etwa müssen im Jahr 60.000 bis 80.000 Bewerbungen abwickeln. Ohne effiziente digitale Helferlein wäre diese Menge zeitlich und kostenmäßig kaum bewältigbar.

Miriam Zemann, Personalverantwortliche von Manpower, schildert die Vorgangsweise: "Wir verwenden unterstützende Computerprogramme, die jene Daten, die Bewerber in ihren Lebensläufen angeben, bei uns im System hinterlegen. Damit können wir schneller auf gesuchte Qualifikationen der Kandidaten zugreifen."

Zemann sieht darin nicht unbedingt Nachteile für die Bewerber. Denn auch wenn ein Kandidat für eine Position nicht geeignet war, könne er später für eine andere Stelle in Frage kommen. "Das System filtert diesen Bewerber anhand seiner Daten dann erneut heraus und schlägt ihn uns als passend vor." Vorausgesetzt allerdings, Job-Suchende wissen ihre Bewerbung systemtauglich zu gestalten, um am digitalen Filtersystem vorbeizukommen.

Schlüsselworte verwenden

Trenkwalder-Personalchefin Iris Brunner rät Kandidaten, sich die Stellenanzeige genau durchzulesen und darin enthaltene wichtige Schlagwörter in die eigene Bewerbung zu übernehmen.

Die Branchenkolleginnen plädieren für klare Formulierungen in den Lebensläufen. Denn schwammige Begriffe erkenne das Filtersystem nicht an. Die Bekanntgabe, dass jemand in einem gewissen Zeitraum bei einer Firma XY als Angestellter tätig war, reiche bei weitem nicht. Das Wort "Firma" filtert das System nämlich nicht. "Es braucht konkrete Angaben zur Branche und genau angeführte Tätigkeiten", sagt Zemann. Fähigkeiten wie Sprach- und Computerkenntnisse sollten exakt in Niveaustufen angegeben werden.

Brunner sieht das genauso: "Keine minimalistischen Lebensläufe – es gilt: Mehr ist mehr, je detaillierter, umso besser." Was tun, wenn sich eine Lücke im Lebenslauf auftut? Beide Recruiterinnen raten, darauf bewusst einzugehen und diese zu begründen.

Allein stehende Bewerbungsfloskeln wie "teamorientiert", "motiviert" oder "dynamisch" schinden bei einem Ausleseprogramm keinen Eindruck. Zemann rät, diese mit Beispielen zu verknüpfen. Wann war jemand teamfähig, in welcher Situation konnte er dynamisch reagieren und wann hatte jemand eine Herausforderung zu bewältigen, die besonders gut gemeistert wurde. Ratsam ist, den Lebenslauf mit einem Textverarbeitungsprogramm ohne extravagante Formatierungen zu erstellen, damit das System das PDF-Format auslesen kann.

Letztlich entscheiden Menschen

Derartige Filtersysteme erkennen Daten, die für die jeweilige Bewerbung relevant sind – mehr aber auch nicht. "Daher legen wir Wert darauf, dass letztendlich ein Personaler drüber schaut", sagt Brunner. "Ohne Menschen geht’s nicht." Ausschließliche Software-Checks würden bei einer Stelle, für die hohe Qualifikationen erforderlich sind, nicht alleine ausreichen. Denn sehr oft komme es auf soziale Kompetenzen und die Persönlichkeitsstruktur an, die sich immer noch im persönlichen Kontakt am besten feststellen lasse.

Bloß nicht ...

Rechtschreibfehler: Während Menschen über einen kleinen Vertipper hinwegsehen, tut das ein Computer nicht. Die Software kann falsch geschriebene Worte oft nicht zuordnen.

Abkürzungen und Symbole: Mit Kürzel kann eine Software meist nicht viel anfangen. Achtung auch bei Symbolen etwa für Telefon oder Euro. Sonderzeichen lieber ausschreiben.

Designverliebtheit: Kreative Spielereien lassen ein Computersystem völlig kalt. Auch aufwendige Grafiken oder in die Bewerbung eingefügte Fotos machen auf eine Maschine keinerlei Eindruck.

 

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