Das Notariat wird weiblicher
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Das Notariat wird weiblicher

Von Dietmar Mascher

Mit Birgit Wittmann bekommt auch die Stadt Linz endlich eine Notarin. Bei den Berufseinsteigern sind die Frauen in diesem Beruf dafür schon in der Überzahl.

Der Beruf des Notars war über viele Jahr geprägt von männlichen Juristen. Doch die Branche durchlebt einen Wandel. Die Zahl der weiblichen Berufsanwärter ist höher als jene der männlichen Kollegen. In ganz Oberösterreich gibt es mittlerweile acht Notarinnen. Mit 1. Februar bekommt auch die Landeshauptstadt eine. Birgit Wittmann übernimmt das Notariat Baumgartner und bildet dann mit ihrem Mann Ernst Wittmann und Substitut Peter Gintenreiter unter dem Namen "Die Notare" eine Kanzlei.

Für die gebürtige Linzerin Birgit Wittmann war schon unmittelbar nach ihrem Jus-Studium an der Johannes Kepler Universität und dem Gerichtsjahr klar, dass sie den Notar-Beruf ergreifen will. "Ich habe mich nicht als Anwältin gesehen, das Streitverfahren war nicht meins", sagt die Mutter von zwei Töchtern. Dafür hätten sie die Kernaufgaben der Notare, vom Testament über Gesellschafts- und Liegenschaftsverträge, fasziniert.

Sie schloss die beiden Notariatsprüfungen noch vor Ende der dreijährigen Berufspraxis ab und arbeitet seither als Notariatssubstitutin. Das bedeutet, man ist bei einem Notar angestellt und kann sich auf eine Notariatsstelle bewerben.

Lange Wartezeit

Dafür braucht man einen langen Atem. Rund 20 Jahre warten Bewerber darauf, selbstständige Notare werden zu können. In Oberösterreich gibt es mit Stand Februar 2017 84 Amtsstellen. Nur zehn Prozent sind mit Notarinnen besetzt. In Linz wird Birgit Wittmann die erste Frau sein, die in diesem Beruf sowohl öffentliche Tätigkeiten als auch privatrechtliche Aufgaben erledigen wird.

Dass der Notariatsberuf zunehmend weiblicher wird, lässt sich leicht prognostizieren. Denn von den 86 in Oberösterreich registrierten Berufsanwärtern sind 57 weiblich. Aber wie gesagt. Es braucht einen langen Atem.

Ernst Wittmann war bis voriges Jahr mit Kollegen Wolfgang Lenz in einer Kanzleipartnerschaft. Dieser hat sich mit seiner Kanzlei Richtung Hauptplatz verabschiedet. Die Notare bleiben in ihrem Gebäude beim Linzer Taubenmarkt.

 

Was ist ein Notar?

Notare sind Juristen, die selbstständig arbeiten, aber auch öffentliche Aufgaben wahrnehmen, etwa die Beglaubigung von Verträgen (Hauskauf) oder Unterschriften und die Verkündung des letzten Willens. Die Zahl der Amtsstellen wird vom Justizministerium festgelegt und nur auf Antrag der Notariatskammer erhöht.Die Notare bieten aber auch eine Reihe anderer juristischer Dienstleistungen, die auch von den Rechtsanwälten wahrgenommen werden. Dort kommt es zu einem Konkurrenzverhältnis, das vor allem in den Ballungsräumen brisant ist.Derzeit sind Notare wie auch Anwälte damit beschäftigt, den Bürgern die Neuerungen im Erbrecht näherzubringen. Dieses hat einige Änderungen bei der Verfassung des Testaments oder beim Pflichtteilsrecht zur Folge.