In Pension noch einmal durchstarten

Von Susanna Sailer

Jobperspektiven für ältere Frauen: Keine muss auf ihre Pension verzichten, wenn sie sich im ,Unruhestand‘ selbstständig macht, meint die Obfrau des Vereins VFQ.

Frauen der heutigen Generation 50+ haben aufgrund ihrer Bildung, Emanzipation und ihrer Teilnahme am politischen und gesellschaftlichen Leben andere Ansprüche an ihren künftigen Ruhestand, als die früheren Seniorinnen. Davon gehen jedenfalls viele Wissenschafter aus, die von dieser Personengruppe ein anderes Verhalten im so genannten dritten Lebensabschnitt erwarten.

Auch Ulrike Bernauer-Birner, Obfrau des Linzer Vereines VFQ – Gesellschaft für Frauen und Qualifikation, bemerkt eine Veränderung. "Zu uns kommen viele ältere Frauen, die mitten im Leben stehen und etwas Neues beginnen wollen. Sie suchen neue Perspektiven und wollen länger als bis zum 60. Lebensjahr arbeiten."

Vereinsmitglieder des VFQ haben sich in Deutschland umgesehen, wie sich dort ältere Frauen mit ihren weiteren Jobmöglichkeiten auseinandersetzen. Bernauer-Birner: "In Deutschland ist es statistisch signifikant, dass Unternehmensgründungen von älteren Frauen zunehmen. Sie gehen in Rente und machen sich nebenher selbstständig."

Das sei auch in Österreich möglich. Nur herrsche vielfach Verunsicherung, was tatsächlich machbar sei. Es gäbe Ängste, bei einer selbstständigen Tätigkeit eventuell auf die volle Pensionsauszahlung verzichten zu müssen.

Die VFQ-Obfrau betont: "Wenn jemand in die reguläre Alterspension geht, darf er unbegrenzt hinzu verdienen." Das gelte allerdings nicht für eine Invaliditätspension.

Patchworking

Bernauer-Birner ist überzeugt: "Es geht künftig nicht mehr darum, zu 100 Prozent einen Job, eine Art von Selbstständigkeit zu haben oder eine Pension zu beziehen, sondern eine Mischung daraus wird es ausmachen."

Frauen würden zudem die Notwendigkeit haben, länger als bis 60 zu arbeiten, weil viele ihrer Pensionen zu niedrig seien. Frauen können auch länger in einem unselbstständigen Arbeitsverhältnis bleiben. Doch eigentlich darauf seien weder die betroffenen Frauen, noch die Unternehmen vorbereitet, weil es noch an der Sensibilisierung für dieses Thema mangle.

Pensions-Schere

Tatsächlich würden Frauen durchschnittlich 40 Prozent weniger Pension als Männer bekommen. Sie seien oft von Altersarmut betroffen. Das Brutto-Jahreseinkommen der Pensionistinnen in Österreich (Median 2015) liege bei 15.377 Euro, bei Männern bei 25.828 Euro.

Auch aus diesem Grund heraus habe sich der VFQ vorgenommen, Frauen zu einem längeren Verbleib im Beruf zu motivieren. Dazu werde es verstärkt individuelle Beratungen für die beruflichen Übergänge geben.

Künftig soll auch das Weiterbildungsangebot an diese Zielgruppe angepasst werden. Bernauer-Birner: "Hohe Unsicherheit herrscht vor allem beim Thema Digitalisierung." Viele Frauen quäle hier die Frage, wie lange sie mit den Jungen noch mithalten könnten.