Arbeiterkammer kritisiert zu viele unbezahlte Überstunden
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Arbeiterkammer kritisiert zu viele unbezahlte Überstunden

Von Susanna Sailer

Laut Statistik Austria waren es im Vorjahr 45 Millionen Arbeitsstunden.

Nach Berechnungen der Statistik Austria blieben im Vorjahr 45 Millionen Überstunden – das ist die fünfte geleistete Überstunde in Österreich – unbezahlt. "Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg an Beratungsfällen, in denen Arbeitnehmer um die Bezahlung ihrer Überstunden geprellt wurden", sagt Oberösterreichs Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer. Er schätzt, dass somit rund eine Milliarde Euro vorenthalten wurden, im Schnitt fast 10.000 Euro pro betroffener Person. AK-Direktor Josef Moser nennt die Branchen, deren Beschäftigte am stärksten betroffen seien: "Es sind die Produktion und Herstellung von Waren, der Handel sowie Hotellerie- und Gastronomie."

Abhängig vom Kollektivvertrag gäbe es oft sehr kurze Verfallsfristen bei Überstunden. Diese Fristen seien in den Gewerben der Güterbeförderer, Kleintransporteure, Bauhilfsarbeiter und Handelsarbeiter besonders kurz bemessen.

Schärfere Sanktionen

Betroffene würden sich aus Angst um den Arbeitsplatz nicht getrauen, ihre Ansprüche einzufordern, heißt es seitens der Arbeiterkammer. Teilweise würden auch gewisse Arbeitszeiten nicht anerkannt oder Aufzeichnungen gefälscht werden. Kalliauer fordert verschärfte Sanktionen, u. a. 100-prozentige Strafzuschläge.

Martin Gleitsmann von der Wirtschaftskammer Österreich weist die Vorwürfe mit Berufung auf eine Market-Umfrage zurück. Dort gaben 83 Prozent der Befragten an, dass Überstunden korrekt abgerechnet würden. 77 Prozent der Befragten seien mit ihrem Ausmaß an Überstunden zufrieden. Gleitsmann: "Es ist faktisch falsch, wenn wegen einzelner schwarzer Schafe die ganze Wirtschaft verunglimpft wird."