Bild: Kellner&Kunz // Bis zu 16.000 Teile werden in bis zu 2800 Aufträgen pro Tag lieferfertig gemacht.

Kellner & Kunz investiert 40 Millionen in Erweiterung

Von Sigrid Bandstätter

Weitreichende Entscheidung: Welser Großhändler sichert sich längerfristig Expansionsoption mit Zukauf des Nachbargrundes.

"Der Amazon-Kunde akzeptiert, wenn seine Bestellung in drei Teillieferungen aus drei Lagern in Einzelpaketen daherkommt. Der Firmenkunde will das definitiv nicht." Für den Schrauben- und Kleinteilezulieferer Kellner & Kunz sei dieser Unterschied aber von höchster strategischer Bedeutung, sagt Walter Bostelmann, Vorstand der Kellner & Kunz AG in Wels.

Daher werden die 61.000 Gewerbe- und Industriebetriebe in ganz Österreich sowie in elf Ländern Süd- und Südosteuropas von Wels aus beliefert. Mehr als 100.000 unterschiedliche Positionen sind eingelagert, täglich verlassen 2800 Lieferungen die Logistikzentrale.

Erweitertes Dienstleistungsangebot 

Aus diesem Grund wurde – bevor der jüngste Expansionsschritt entschieden wurde – bereits die nächste Erweiterungsmöglichkeit gesichert. Kellner & Kunz hat sich das Areal des Landesverlags in Wels gesichert, der dort seine Druckerei bis 2025 weiter betreiben wird.

"Wir hätten nicht jetzt investiert, wenn das die letzte Erweiterungsmöglichkeit gewesen wäre", sagt Bostelmann im OÖN-Gespräch. Kellner & Kunz erweitert sein Dienstleistungsangebot und liefert für immer mehr Kunden direkt an Produktionsbänder bzw. organisiert die vollautomatische Nachbestellung von Kleinteilen in Industrie und Gewerbe.

Gelebte Industrie 4.0

"Wir leben Industrie 4.0 und digitalisierte Logistik, während Online-Händler ihre Packerl am Wareneingang abliefern", sagt Bostelmann. Die Steigerungsraten des Großhändlers liegen dauerhaft über dem Wirtschaftswachstum – im ersten Halbjahr betrug das Plus elf Prozent.

Derzeit platzt der Stammsitz nach dem letzten großen Ausbau 2012/ 2013 aus allen Nähten. Ein Außenlager am Terminal Wels ist angemietet. "Wir hätten schon vor drei Jahren bauen müssen", sagt Bostelmann zur Platznot.

Weil die Logistikprozesse auf die Lieferung aus einem Lager optimiert sind, will Bostelmann so schnell wie möglich die Expansion in der Welser Boschstraße vorantreiben: Das Kellergeschoß steht, heuer soll der Rohbau fertig werden, im nächsten Jahr erfolgt die Innenausstattung mit Hochregallager und die Fördertechnik-Ausrüstung. Weil das Industriegebiet Boschstraße eng verbaut ist, baut Kellner & Kunz wieder hoch, um die 200.000 Kleinteile-Behälter und die 16.000 Palettenplätze unterzubringen. 40 Millionen Euro fließen in den Ausbau.

Im Vorjahr hat Kellner & Kunz – das zur Reca-Gruppe gehört – 244,5 Millionen Euro Umsatz erzielt. Von den 1240 Mitarbeitern sind 700 in Österreich tätig.