Bild: SIHGA // Lotte ist als Büromaskottchen

Da waren es plötzlich drei: Immer mehr Hunde am Arbeitsplatz

Von Sigrid Brandstätter

Für Angestellte ist eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber nötig

Im Frühling habe ein Mitarbeiter gefragt, ob er seinen Australian Shepherd an den Arbeitsplatz mitbringen dürfe. Firmenchefin Jane-Beryl Simmer von Sihga mit Sitz in Ohlsdorf bei Gmunden erlaubte es – wenn die Arbeitskollegen im Büro nicht allergisch seien oder Ängste vor Hunden hätten.

Damit war allerdings ein Damm gebrochen: Innerhalb weniger Wochen fragten zwei weitere Kollegen der insgesamt 70 Beschäftigten. Inzwischen sind zu Betriebszeiten auch ein Border Collie und ein Husky regelmäßig in der Firma, die sich mit Befestigungslösungen für Holzbauten beschäftigt. „Die Hündinnen sind gut erzogen und verhalten sich leise“, sagt die Firmenchefin in einer ersten Bilanz.

Das war auch die Voraussetzung: „Neben der Zustimmung der Kollegen war klar, dass die Hunde nicht stören durften, sich angemessen verhalten müssen und keine Kunden und Besucher belästigen dürfen“, berichtet die Chefin.

Simmer ist mit der Entscheidung nicht allein. In immer mehr Firmen dürfen die Vierbeiner an den Arbeitsplatz mitgebracht werden. Bei rund einem Viertel der befragten Erwerbstätigen (27 Prozent) ist das Mitbringen von Hunden an die Arbeitsstelle erlaubt, zeigt eine repräsentative Umfrage von Mars Austria, das auch Tiernahrung vermarktet.

Rund die Hälfte (47 Prozent) der Firmen, die Hunde erlauben, hat Regeln festgelegt. Wie bei Sihga überwiegen informelle Regelungen, auf die sich Vorgesetzte und Arbeitskollegen untereinander geeinigt haben.

Bei Mars Austria selbst können nur Hunde ins Büro mitgebracht werden, die gesund sind, sich mit den anderen – auch tierischen – Kollegen vertragen und sich beispielsweise bei Telefonaten und Besprechungen ruhig verhalten. „Dank unserer Petiquette funktioniert der Arbeitsalltag reibungslos, auch wenn mehrere Hunde zugleich im Büro anwesend sind“, sagt Birgit Weber-Wesely, Personaldirektorin von Mars Austria.

Kleine Firmen sind offener

Generell gilt, je kleiner das Unternehmen ist, desto eher werden Hunde akzeptiert: So ist bei 45 Prozent der Betriebe bis neun Mitarbeiter tierische Begleitung erlaubt, aber nur bei 16 Prozent der Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern. Wo Hunde nicht erlaubt sind, liegt dies nur zu fünf Prozent an etwaigen Hundeallergien, aber zu 42 Prozent an Verboten durch Vorgesetzte.

Tierfreundin Simmer hat die Mitglieder der tierischen Sihga-Familie mit einem Tuch gleich zu Markenbotschaftern gemacht. „Bisher hatten wir keine Probleme.“

Die Wirtschaftskammer verzeichnet keine Anfragen von Betrieben dazu, wie sie mit diesem Wunsch umgehen sollten. „Das ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer individuell zu vereinbaren“, so die Auskunft.