Bild: Ocen Cleanup // Künstliche, 600 Meter lange Meeresbucht filtert Plastikmüll aus dem Wasser. Die Rohre liefert "Agru"

Rohre aus Bad Hall filtern Plastik aus den Weltmeeren

Von Hannes Fehringer

Start von "Ocean Cleanup": Barrieren aus Pipelinerohren der Firma "Agru" fangen Kunststoff auf, der sonst in Mägen der Fische landet.

Mit einer globalen Reinigungsaktion versucht die Initiative "Ocean Cleanup" die Unmengen Plastikmüll, die in den Ozeanen treiben und bereits Kunststoffteppiche in der Größe Alaskas bilden, wieder aus dem Wasser herauszuholen. An vorderster Front dabei: das Industrieunternehmen "Agru" von Alois und Ilse Gruber.

In der amerikanischen Tochterfabrik des Bad Haller Rohreherstellers in Charleston tüftelten die Techniker über ein Jahr, nachdem der niederländische Erfinder Boyan Slat ein Filtersystem mit 600 Metern langen Armen erfunden hat, an denen wie in einer Meeresbucht Plastikmüll angeschwemmt wird. Der geniale Plan des erst 23-jährigen Studenten der Luft- und Raumfahrt hat Wissenschafter überzeugt, die in einem weltweiten Netzwerk an der Umsetzung arbeiteten. Mit Crowdfunding und dank millionenschwerer Gönner wurde jetzt das erste Müllriff aus Kunststoffrohren mit 3,5 Metern Durchmesser zu Wasser gelassen.

Neue Technik erfunden

"Unsere Leute in den USA haben für das Projekt eine neue Schweißtechnik für Kunststoff erfunden", erklärt Agru-Marketingleiter Harald Bachinger.

Damit die Plastikfetzen nicht unter der Rohrbarriere durchtauchen, ist an deren Unterseite eine Schürze gespannt, die drei Meter tief ins Wasser reicht. Der riesige Mistfilter ist so konstruiert, dass ihm die Meeresströmung den Unrat regelrecht in die Fänge treibt. Alle sechs Wochen kommen dann Spezialschiffe und fischen den Plastikmüll ab, der zu Rohstoff recycelt wird.

Der Riesenauftrag von Weltgeltung ist für "Agru" noch nicht das große Geschäft. "Würden wir alle Arbeitsstunden einrechnen, wären wir nicht wettbewerbsfähig", sagt Bachinger. Nachdem die Entwicklungstätigkeit nun in den Standardablauf übergeht, wird sich so manche Vorleistung aber rechnen. Um bis 2040 90 Prozent des Plastikmülls aus dem großen pazifischen Strudel herauszuholen, wie es Boyan Slat vorhat, wird man eine Flotte von 60 dieser schwimmenden Buchten benötigen, die mit hochtechnischen Navigations- und Ortungssystemen ausgestattet sind, um nicht mit Schiffen zu kollidieren. Die Aktion, die am Samstag begann, wird die "größte Aufräumaktion der Geschichte" genannt.