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Jeder fünfte Mitarbeiter wechselt Job in einem Jahr

Von Susanna Sailer

HR-Benchmark-Studie: Unternehmen brauchen im Schnitt fast elf Wochen, um neue Angestellte zu finden.

Ober- und niederösterreichische Unternehmen benötigen immer mehr Zeit, um vakant gewordene Stellen nachzubesetzen. Das zeigt die HR-Benchmark-Studie des Netzwerkes Humanressourcen. Diese erhebt seit 2008 die personalwirtschaftlichen Entwicklungen.

"Es dauert bei Angestellten fast elf Wochen, bis ein freier Job wieder vergeben werden kann", sagt Projektmanager Ronald Mitterndorfer. Das sei der höchste Wert seit der erstmaligen Erhebung unter Angestellten im Jahr 2009. Die Studie weise auch für heuer eine deutliche Tendenz nach oben auf – ein weiteres Indiz, wie stark die Konjunktur angezogen habe. Entgegensteuern könnten die Unternehmen nur, indem sie ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern und ihr Personalmarketing forcieren, rät die Studie.

Für einen freien Facharbeiterposten benötigte es im Vorjahr 7,8 Wochen, bis ein neuer Mitarbeiter gefunden wurde. Hilfsarbeiter-Stellen sind mit 4,3 Wochen am raschesten zu besetzen.

Die Fluktuationsquote – sie zeigt den Prozentanteil der Belegschaft, die im Schnitt in einem Jahr ihre Unternehmen verlassen – ist stetig im Steigen: 2013 betrug sie 7,6 Prozent, im Vorjahr waren es bereits 9,2 Prozent der Mitarbeiter. Erstmals erhob die Studie die Frühfluktuation: "Wir haben ermittelt, dass sich jeder fünfte Mitarbeiter nach weniger als einem Jahr wieder von seinem Arbeitgeber trennt", sagt Mitterndorfer.

Teure Personalsuche

Für die betroffenen Unternehmen sei das mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. Beispielsweise würden im oberösterreichischen Zentralraum im Durchschnitt rund 6600 Euro für eine Rekrutierung anfallen. Mitterndorfer: "Außerdem gibt es vor allem in Zeiten der Hochkonjunktur einen Produktions- und Erfolgsentgang, weil etwa Aufträge nicht abgearbeitet werden können. Bei einer fehlenden Fachkraft im Bereich IT oder Entwicklung entgehen den Unternehmen zwischen 400 und 600 Euro pro Tag. Werden im Schnitt fast elf Wochen für eine Neubesetzung benötigt, summiert sich das ordentlich", sagt Mitterndorfer, der diese, wie er einschränkt, nicht repräsentativen Zahlen während eines Workshops mit Arbeitgebern erhoben hat.

Laut Studie haben die Unternehmen im Vorjahr wieder mehr in die Standardausbildung ihrer Lehrlinge investiert. Für die Ausbildung eines Jugendlichen wendeten die Unternehmen im Schnitt 15.650 Euro auf (Vergleich 2015: 15.086 Euro). Ein hoher Investitionssprung zeigt sich bei den Zusatzausbildungskosten pro Lehrling. Diese stiegen auf 1140 Euro im Vorjahr, im Jahr 2015 waren es 641 Euro gewesen.

Die Studie spiegelt auch bei der Altersstruktur der Arbeitnehmer den demografischen Wandel wider. Auffallend ist, dass sich die Gruppe der über 51-Jährigen in den letzten neun Jahren beinahe verdoppelt hat. Zu Beginn der Erhebungen 2008 waren es noch um die 13 Prozent, der aktuelle Wert liegt bei ca. 23 Prozent.