Bild: meta // Architekten mit virtuellem Gebäudemodell

Die Vision: Büro ohne Bildschirme

Von Ulrike Rubasch

Datenbrillen schaffen mit 3D-Projektionen im Raum ein ungeahntes Erlebnis.Ein Blick in die Zukunft aus dem Silicon Valley.

Ein schlagendes Herz schwebt vor der Redakteurin in der Luft, nur sie kann es sehen, mit den Händen drehen, um es herumgehen, größer und kleiner machen, sich die Details der Blutgefäße näher anschauen, in die Herzkammern hineinschauen. Von außen betrachtet, gestikuliert sie bloß unmotiviert in der leeren Luft herum. Diese Technologie der Augmented Reality (AR)-Brillen treibt das 120 Mitarbeiter starke Technologieunternehmen Meta im Silicon Valley führend weiter, unter anderem mit Finanzmitteln des Hutchison-Konzerns, zu dem auch der Telekomanbieter Drei in Österreich gehört.

„AR gibt uns unsere Hände wieder zurück. Wir werden keine Tastaturen mehr brauchen, es wird bis zum bildschirmlosen Büro gehen“, sagt Joseph Mikhail, einer der Geschäftsführer von Meta. Er schildert die Möglichkeiten, die diese in die echte Umgebung projizierten Bilder ergeben und die von Konzernen bereits in Pilotversuchen getestet werden. So sollen Tesla und Audi bereits AR-Showrooms für ihre Fahrzeuge haben. Auch ein bekannter Hersteller von innovativen Staubsaugern experimentiert mit der AR-Brille. „So geht es viel schneller, ein Produkt zu entwickeln, wenn der CEO in Echtzeit sogar während seiner Dienstreisen auf die Entwicklungsschritte schauen kann“, sagt Mikhail. Dadurch sinke die Zeit von der Entwicklung bis zur Marktreife nach seinen Erfahrungen um 20 bis 30 Prozent. Auch Sportartikelhersteller Nike experimentiert mit der Technologie. Die Designer kommen dort ohne Bildschirm und Tastatur aus, um einen neuen Laufschuh zu entwickeln. Sie holen sich mit den Fingern „aus der Luft“ die Farben, Formen, Sohlen, Seitenteile und bauen im Raum ihren Schuh zusammen.

Ein weiterer großer Vorteil von AR: Die Kosten, Kunden zu gewinnen, seien wegen der attraktiven Vorführmöglichkeit um fünf bis zehn Prozent geringer als mit klassischen Kundengewinnungsmethoden, so Mikhail. Die Kaufrate erhöhe sich um elf Prozent, wenn die Brille zum Herzeigen des Produkts verwendet wird. Das setzen etwa US-Außendienstmitarbeiter von Black&Decker ein. Statt schwerer Koffer mit Heimwerkermaschinen bringt der Verkäufer bloß die Datenbrille mit, um seine Produkte vorzuführen.