"Frollegen": Wenn aus Kollegen Freunde werden

"Frollegen": Wenn aus Kollegen Freunde werden

Von Daniela Ullrich

Ein gutes Team fördert die Freude an der Aufgabe und trägt auch zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei.

Wir verbringen den Großteil der Woche mit ihnen, teilen oft Frust über Kunden und Freude über einen positiven Projektabschluss miteinander. Wir trinken morgens den ersten Kaffee mit ihnen, um so richtig in den Arbeitstag zu starten und manchmal auch ein Bier nach der Arbeit als Abschluss eines langen Tages. Die Rede ist natürlich von Kollegen.

Wenn man sich bei der Arbeit gut versteht und sogar einen Teil seiner Freizeit mit ihnen verbringt, dann werden aus Kollegen oft schnell Frollegen. Im Englischen gibt es den Begriff "work husband/wife" (Arbeits-Ehemann/-Ehefrau). Das deutsche Kunstwort beschreibt Kollegen, die gleichzeitig auch Freunde sind.

So geht es auch drei Damen aus dem Verkaufsinnendienst des Ansfeldener Kunststoffrecycling-Unternehmens Erema. "Bei uns in der Abteilung herrscht – obwohl wir elf Frauen sind – generell ein sehr gutes Betriebsklima", sagt Christina Stummer, "aber wir drei Bürokolleginnen verstehen uns schon besonders gut".

Seit 2016 teilen sich Christina Stummer, Maria Wieshofer und Stefanie Wiesinger ein Büro, wobei Stefanie, das jüngste Mitglied im Bunde, bereits zum eingefleischten "Team Stummer-Wieshofer" dazu stieß. Problemlos, wie sie sagt: "Ich wurde von den beiden sehr herzlich aufgenommen und hab mich gleich wohl gefühlt", sagt die 26-Jährige. "Wir haben uns dich auch ausgesucht", sagt Maria, die mit Christina schon seit 2009 in einem Büro zusammenarbeitet.

Neben den gemeinsamen Mittagessen, stehen auch Kinobesuche oder Fortgehen auf dem Programm der Kolleginnen, die sich zwei bis drei Mal im Monat außerhalb der Arbeitszeit treffen.

Wann erreicht man eigentlich den Punkt, wenn sich die Kollegin zur Freundin entwickelt? "Ganz klar, wenn man heikle private Themen anspricht und man weiß, dass diese nicht weiter getratscht werden", sagt Stummer, die bei ihren kinderlosen Frolleginnen oft hilfreiche Tipps und Tricks zum privaten Familienwahnsinn aus einem anderen Blickwinkel bekommt.

Eine für alle – alle für eine

Neben dem Spaß bei der Arbeit ist es auch das gegenseitige Vertrauen und der Zusammenhalt, die sich positiv auf den Job auswirken. "Bei uns bleibt nichts liegen, wir helfen immer zusammen, wenn es mal stressig wird", sagt Maria Wieshofer: "Auch wenn eine von uns auf Urlaub ist, ist sie jederzeit erreichbar, falls es Fragen oder Probleme im Büro gibt".

Das gute Miteinander bringt auch Vorteile für Fritz Wimmer, den Vorgesetzten des "Drei-Mäderl-Hauses": "Wenn Menschen gut miteinander umgehen können und sich verstehen, lässt sich die Arbeit im Team einfach viel besser und auch effizienter erledigen – ohne dass es viel Lenkung durch die Führungskraft erfordert. Das dadurch mögliche eigenständige Handeln fördert die Freude an der Aufgabe und trägt auch zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei. Gerade in einer Verkaufsabteilung ist das wichtig, denn der Kunde spürt sofort, wie man ihm begegnet."

Darauf bedacht, dass die Stimmung auch weiterhin so gut bleibt, hat Wimmer letztes Jahr initiiert, dass das komplette Verkaufsteam beim internationalen Meeting in Bali dabei sein konnte. Die Frolleginnen nutzten die Geschäftsreise, um anschließend noch vier private Urlaubstage dranzuhängen.