Millenials
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Wie junge Führungskräfte denken und arbeiten

Von Susanna Sailer

Der Hernstein Management Report zeigt, dass Millennials gar nicht so anders ticken wie andere Erwerbsgenerationen. Also viel Lärm um nichts beim Mythos Millennials?

Millennials sind - je nach Definition - zwischen 1980 und 1995 geborgen. Der Hernstein Management Report hat österreichische und deutsche Führungskräfte befragt, ob der Mythos Millinials gerchtfertigt ist. Die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) vermutet, dass die Jungen ganz andere Einstellungen, Werte und Prioritäten haben als die Erwerbsgenerationen davor. 47 Prozent meinen, Millennials hätten einen höheren Anspruch an Sinn und Selbstbestätigung in der Arbeit. 40 Prozent beschreiben das Führen von Millennials als herausfordernder. Insgesamt sind 50 Prozent der Führungskräfte der Meinung, die Diskussion rund um Millennials sei übertrieben und es gäbe bei weitem nicht so viele Unterschiede, wie allgemein behauptet wird.

Millenials in der Arbeit

Insgesamt scheinen Millennials recht zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein. 77 Prozent der befragten Führungs-kräfte unter 40 Jahren bezeichnen ihren aktuellen Arbeitsplatz als sehr gut. 82 Prozent sind stolz auf das, was im Unternehmen geleistet wird. 73 Prozent können sich vorstellen, auch in fünf Jahren noch für ihr aktuelles Unternehmen zu arbeiten. Millennials sind also offen für neue Jobangebote, aber nicht grundsätzlich suchend. Es überrascht deshalb nicht, dass 70 Prozent ihren Arbeitgeber auch weiterempfehlen würden.

Was ihnen im Job wichtig ist

Die Top-3-Faktoren, die Millennials im Berufsleben besonders wichtig sind, unterscheiden sich kaum von jenen der Nicht-Millennials. 53 Prozent nennen gute finanzielle Vergütung, 44 Prozent Freiräume und 37 Prozent einen sicheren Arbeitsplatz. Nicht-Millennials sehen das ähnlich, nur in anderer Reihenfolge. Wenn junge Führungskräfte nicht über sich selbst, sondern über Millennials eine Aussage zu den Top-3-Faktoren treffen sollen, kommt man dem Mythos Millennials auf die Spur: Was ihnen selbst wichtig ist, schätzen sie für andere Millennials zwar in manchen Aspekten ähnlich, in anderen aber gänzlich anders ein. So sind für die unter 40-Jährigen Freiräume und Eigenverantwortung sehr wichtig (44 Prozent), für andere Millennials schätzen sie diesen Faktor deutlich weniger wichtig ein (28 Prozent). Ähnlich verhält es sich bei den Aspekten sicherer Arbeitsplatzes und ausgeglichene Life-Balance. Millennials schreiben anderen Millennials Werte zu, die für sie selbst nicht unter den Top-3 aufscheinen.

Work-Life-Balance

Rund zwei Drittel der befragten Führungskräfte unter 40 Jahren können Arbeits- und Privatleben gut miteinander verbinden. 64 Prozent fühlen sich von ihrem Unternehmen dabei auch unterstützt. Für die meisten Millennials scheint Work-Life-Blending Realität zu sein: 43 Prozent geben an, dass sie regelmäßig private Telefonate oder Besorgungen während der Arbeitszeit erledigen. 45Prozent sagen, dass sie sich ebenso regelmäßig außerhalb dieser mit berufliche Themen befassen. Millennials nutzen Angebote zu Karenz und Kinderbetreuung deutlich häufiger (30 Prozent) als ältere Führungskräfte (drei bzw. vier Prozent, was soziodemografisch erklärbar ist. Aber auch altersunabhängige Angebote wie Teilzeitmöglichkeiten, Jobsharing, Sabbatical etc. scheinen für Millennials deutlich attraktiver. 56 Prozent der Millennials unter den Führungskräften glauben, dass eine Teilzeit-Stelle als Führungskraft auch automatisch einen Verzicht auf Karrieremöglichkeiten bedeutet.

Wie passen Millenials ins Unternehmen?

Erfreuliche 82 Prozent der befragten jüngeren Führungskräfte arbeiten gerne in ihrem derzeitigen Unter-nehmen. Die Mehrheit empfindet auch eine hohe Übereinstimmung – sowohl mit den Unternehmenswerten (71 Prozent) als auch den Führungswerten ihres Unternehmens (70 Prozent). 37 Prozent erleben eine 80 bis 100prozentinge Übereinstimmung mit ihren Idealvorstellungen von einem Unternehmen. Diese Ergebnisse unterscheiden sich nicht signifikant zwischen Millennials und Nicht-Millennials.

Welche Werte wichtig sind

Millennials und Nicht-Millennials scheinen ein sehr ähnliches Werteprofil zu haben. Beide Altersgruppen identifizieren sich vor allem mit den Werten rund um Humanismus, Selbstbestimmung und Universalismus, am wenigsten mit Konformität, Stimulanz und Macht. Bei einzelnen Aspekten zeigen sich allerdings signifikante Unterschiede: So können 26 Prozent der Führungskräfte unter 40 Jahren dem Gedanken, viel Geld zu haben und teure Sachen zu besitzen, viel abgewinnen. Bei den über 40-Jährigen sind es lediglich zwölf Prozent. Die eigenen Fähigkeiten zu zeigen und von Anderen bewundert zu werden spricht 43 Prozent der Millennials, jedoch nur ein Drittel der Nicht-Millennials an. Auch zu den Aspekten Spaß und Abwechslung gibt es mit 43 Prozent eine höhere Zustimmung von jüngeren als von älteren Führungskräften mit nur einem Drittel.

Über die Studie

Der Hernstein Management Report erhebt seit 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und Unternehmern in Österreich und Deutschland.
Befragungszeitraum für die aktuelle Ausgabe: April 2018, befragte Personen: 1516 Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 510 in Österreich und 1006 in Deutschland. Befragungsart: Online-Befragung, durchgeführt von vieconsult GmbH.
Den vollständigen Report mit Infografiken finden Sie hier.