"Frauen spüren nicht, wie angenehm es ist, richtig Geld am Konto zu haben"
Bild: privat//Buchautorin Martina Lackner

„Frauen spüren nicht, wie angenehm es ist, richtig Geld am Konto zu haben“

Von Sigrid Brandstätter

LINZ. Wieso Karrierefrauen oft an die falschen Männer geraten, und welchen Anteil Frauen daran haben, dass es wenige weibliche Spitzenführungskräfte gibt, erklärt die gebürtige Oberösterreicherin Martina Lackner im karriere.nachrichte.at-Interview. In Deutschland hat sie das Buch „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen“ mitherausgegeben.

karriere.nachrichten.at: In Ihrem Buch stellen Sie die Frage: Steht hinter jeder erfolgreichen Frau eine vernachlässigte Familie, ein eifersüchtiger Mann oder eine gescheiterte Ehe? 

Martina Lackner: Nein. Ich glaube nur nach den vielen Interviews, die wir gemacht haben, dass wir Mythen unterliegen, die sich über Generationen fortsetzen. Diese Frage deckt diese Vorurteile ab. Aber wenn man als Frau Karriere machen will, braucht man den passenden Partner dazu.

Wie muss dieser Partner sein?

Nicht jeder Mann ist als Beziehungspartner für so ein Lebenskonzept geeignet. Ich habe einige Freundinnen, die sind Managerinnen. Die haben sich den passenden Mann gesucht – für die war es dann die zweite Ehe.

Aber was charakterisiert diese Männer?

Das sind Männer, die in der Lage sind, ihr eigenes Ego ein bisschen nach hinten zu stellen. Die ihrer Frau nicht nur den Rücken stärken, sondern ihr auch emotionalen Halt geben. Das eine ist das Organisieren des Alltags: Wer räumt die Geschirrspüler aus, wer holt das Kind vom Kindergarten? Was passiert, wenn es krank ist? Das andere ist, die Frau mental zu unterstützen und zu das Gefühl zu geben, es ist ok, wenn sie Karriere macht. Dieser Mann muss ein hohes Verständnis von Augenhöhe und Respekt haben. Er sieht den Erfolg als Gemeinschaftspaket. Die meisten Männer tun sich aufgrund unserer Tradierung schwer, ein gleichberechtigtes Miteinander zu schaffen.

Viele erfolgreiche Frauen haben aber den Mann nicht. Warum?

Weil diese Frauen im falschen Teich fischen. Die meisten Männer stellen sich gern auf die Bühne. Wenn das eigene Ego so im Vordergrund steht, dann hat kein Zweiter Platz an der Sonne. Ich rate Frauen: Sucht euch stille Männer. Die gibt es zwar wenig. Und unter den wenigen sind sie diejenigen, an denen man zuerst vorbei blickt – weil sie sich nicht inszenieren, weil sie unscheinbar sind. Das sind auf den ersten Blick womöglich langweiligere Männer, aber die haben Substanz. Viele Frauen lassen sich aber von den Lauten und Alphamännchen blenden.

Männer an der Seite erfolgreicher Frauen – wieso braucht es so eine Hilfestellung für Paare?

Weil es ein Thema ist, das man nicht haben möchte. Ein Zukunftsforscher hat mir abgesagt,weil er die Fragestellung peinlich fand.

Viele Paare agieren beruflich auf Augenhöhe – bis zum ersten Kind.

Genau. Ich habe mich damit beschäftigt, woher dieser Knick kommt. Da gibt es die Fakten wie Kinderbetreuung, Öffnungszeiten in Kindergärten, fehlende Flexibilität in den Betrieben. Aber es kommt etwas dazu: Wir haben vielfach unbewusste Rollenvorstellungen. Über vieles denkt man nicht nach. Dann schließlich ein Punkt, den man nicht hören will: Frauen wollen oft nicht. In der deutschen Mittelschicht haben Frauen nicht den finanziellen Druck, Vollzeit arbeiten zu gehen – und wollen das auch nicht. Die Folgen in Form von niedrigerer Renten – das interessiert die Frauen alles nicht.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Die Rollenfixierungen sind bei den Frauen genau so stark wie bei Männern und die Frauen kommen, wollen und können da nicht raus. Dazu kommen das Rabenmutter-Gefühl und ihre Angst. Frauen haben Angst, wenn sie sich auf die Hinterbeine stellen, würden sie womöglich den Mann verlieren, der das nicht mitmacht. Die Familie würde vor den Kopf gestoßen. Und Frauen spüren nicht, wie angenehm es ist, richtig Geld am Konto zu haben – weil Geld bedeutet Macht und das macht unabhängig. Dieses Selbstverständnis haben Frauen über tausende Jahre nicht entwickelt. Jetzt wären sie gefordert, diese Unabhängigkeit zu leben. Dieser Sprung ist für sie zu weit. Sie spüren nicht, wie sich das anfühlt.

Sie haben Paare betrachtet, die so gut verdienen, um mit Nannys und Putzfrauen den Alltag zu bestreiten. Das ist nicht die Realität breiter Bevölkerungsschichten.

Das ist es. Das ist das Problem. Weil die Politik an den Lebensrealitäten der Frauen vorbei agiert, tun sich die Frauen so schwer. Da müsste man an mehreren Stellschrauben drehen, etwa an der Steuerpolitik. Und es liegt an den Unternehmen, Bedingungen zu schaffen, damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie klappt. Frauen brauchen auch das Feedback von ihren Arbeitgebern, der Medien und der Gesellschaft, es ist gut, wenn ihr das macht. Wir brauchen euch.

Wie gut können Männer mit den Karriereschritten ihrer Frauen umgehen?

Es gibt Männer, die damit überhaupt nicht umgehen können. Die meisten jüngeren sind offener. 2019 sind die meisten Männer aber noch nicht bereit dafür, vielleicht ist es 2030 soweit.

Sie leben in Deutschland und haben dort recherchiert. Da fallen einem einige „First Husbands“, wie Joachim Sauer an der Seite von Angela Merkel oder Hubert Karrenbauer als Ehemann ihrer Nachfolgerin an der Parteispitze Annegret Kramp-Karrenbauer ein. Wie einfach oder kompliziert haben sich die Recherchen zu diesem Buch gestaltet?

Sehr schwierig. Ich hab beide angefragt, ich wollte Politikerinnen oder Dax-Vorständinnen haben. Sie alle wollten nicht. Das Thema ist ein Tabuthema, weil das gängige Rollenbild umgedreht wird. Es gibt ein kaum Literatur zu dem Thema.

Was würden Sie in Österreich anders schreiben?

Aus der Ferne betrachtet: In Deutschland spricht man mehr darüber, wie Frauen in Führungsrollen kommen, es gibt wahnsinnig viele Frauenförderprogramme und Netzwerke. Man macht sehr viel, aber man tritt auf der Stelle. In Österreich tritt man auch auf der Stelle, aber man macht nicht so viel.

 

Über Umwege zur eigenen Berufung

1986 hat die in Walding aufgewachsene Martina Lackner an der Linzer Körnerschule maturiert. Nach der Sozialakademie hat sie Psychologie in Salzburg studiert und im Linzer Zentrum Spattstraße Kinder und Jugendliche betreut. Nach abgeschlossener Psychotherapeuten-Ausbildung folgte sie ihrem Mann, einem gebürtigen Linzer, nach Deutschland.

2004, nach der Geburt ihres Sohnes schrieb sie ihr erstes Buch – über psychologische Unternehmensführung. Seither ist Lackner als Coach, Autorin und PR-Beraterin unterwegs. Jetzt plant sie eine Studie über Rollenbilder in Unternehmen.

Zur Person:

1986 hat die in Walding aufgewachsene Martina Lackner an der Linzer Körnerschule maturiert. Nach der Sozialakademie hat sie Psychologie in Salzburg studiert und im Linzer Zentrum Spattstraße Kinder und Jugendliche betreut. Nach abgeschlossener Psychotherapeuten-Ausbildung folgte sie ihrem Mann, einem gebürtigen Linzer, nach Deutschland.2004, nach der Geburt ihres Sohnes schrieb sie ihr erstes Buch – über psychologische Unternehmensführung. Seither ist Lackner als Coach, Autorin und PR-Beraterin unterwegs. Jetzt plant sie eine Studie über Rollenbilder in Unternehmen.