Roman Braun, Führungskräfte- und Lebenscoach Roman Braun, Wien
Bild: privat/Weinwurm// Coach Roman Braun

Beförderung wider Willen: Wie zum Chef "Nein" sagen?

Von Susanna Sailer

Der Wiener Führungskräfte-Coach Roman Braun rät zur Fünf-Schritte-Strategie

Eine Beförderung angeboten zu bekommen, ehrt immer. Doch was tun, wenn der Mitarbeiter diesen Aufstieg gar nicht möchte? Wie kann jemand unbeschadet ablehnen, ohne sich seine Karriere im Unternehmen zu ruinieren?

"Je besser die Beziehung zum Chef, je größer das Vertrauen und das Verständnis, desto leichter kommen Menschen mit dem Problem, eine Beförderung ausschlagen zu müssen, zurecht", sagt der Wiener Führungskräfte- und Lebenscoach Roman Braun vorweg. Es brauche in dieser Situation die Fähigkeit, freundlich "Nein" sagen zu können. Dafür schlägt Braun eine Strategie in fünf Schritten vor:

Wiederholen Sie in eigenen Worten, was der Chef angeboten hat: Damit nimmt er wahr, dass Sie zugehört und die guten Absichten dahinter verstanden haben. Es entsteht aber die Erwartung, dass der Mitarbeiter dem zustimmt. Jetzt muss Schritt zwei folgen.

Klar und freundlich "Nein" sagen: Durch Schritt eins wurde Gemeinsames aufgebaut, ein indirektes Nein würde der Chef nicht verstehen. Das Prinzip lautet: weich zum Menschen, hart zur Sache.

Nachvollziehbare Begründung nachliefern: Braun rät etwa zu folgendem Argument: "Ich glaube, ich habe in meiner jetzigen Position noch Potenzial zu entwickeln. Ich möchte schauen, was hier noch geht."

Externe Alternative vorschlagen: Im vierten Schritt machen Sie begründete Vorschläge, warum eine Kollegin oder ein Kollege für die vorgeschlagene Position besser geeignet wäre. Vorsicht, hier kann der Eindruck entstehen, Sie möchten anstehende Arbeit an andere abgeben. Deswegen muss darauf Schritt Nummer fünf folgen:

Internative Alternative bieten: Erklären Sie, was Sie dazu beitragen, damit die personelle Veränderung gut klappt. Was sind Sie bereit, dafür zu tun? Es muss ein Mehrwert sein zu dem, was Sie bisher in Ihrer Position getan haben, und muss zeigen, dass Sie sich konstruktiv einbringen. Das ist als Ausgleich wichtig, um weiterhin gute Stimmung zu gewährleisten und sich andere Karriereoptionen, die sich später im Unternehmen ergeben, offenzuhalten.

Um Nachdenkzeit bitten

Kommt das Angebot zur Beförderung aus heiterem Himmel, sodass die Zeit fehlt, sich auf die Situation vorzubereiten, gilt es, Nerven zu bewahren, anfängliche Zustimmung nach dem Motto "was für eine tolle Chance" zu signalisieren und sich Zeit auszubedingen, um sich das Angebot überlegen zu können.

Wenn der Chef trotzdem etwas in die falsche Kehle bekommen sollte, rät der Coach, die fünf Schritte zu wiederholen. Meist kenne ein Mitarbeiter die "üblichen Drama-Gewohnheiten" seines Chefs und wisse, worauf er sich einstellen müsse.