junge Erwachsene
Bild: lev dolgachov

Bei künftigen Jobeinsteigern "menschelt" es wieder

Von Susanna Sailer

Guter Teamspirit und angenehmes Arbeitsklima zählen bei Jungen laut FH-Studie mehr als gute Bezahlung.

Wie tickt die Generation Z – also junge Menschen, die ab 1995 geboren wurden? Das wollten sechs Studentinnen des 3. Semesters des Lehrgangs „Global Sales & Marketing“ am FH OÖ Campus Steyr näher ergründen. Die Frauen – alle um die 25 Jahre alt – hörten sich im Rahmen einer Projektkooperation mit der voestalpine Stahl vorwiegend in Handelsakademien um. „Denn das sind die Leute, die in ein paar Jahren ein Studium abgeschlossen haben und in den Arbeitsmarkt kommen werden“, sagt FH-Professor Andreas Zehetner.

Die Ergebnisse der Studie, der 555 Befragungen zugrunde liegen, überraschten Zehetner und Auftraggeber Wolfgang Mitterdorfer, Vertriebsvorstand der voestalpine Stahl, dann doch: Den Jungen ist weniger wichtig, was sie tun, sondern wie. Für sie zählt, in welchem atmosphärischen Umfeld sie Aufgaben erfüllen sollen. Sie suchen guten Teamspirit und angenehmes Betriebsklima. „Es ,menschelt’ also wieder. In erster Linie zählen soziale Komponenten, erst dann kommt das Geld“, sagt Zehetner.

Punkt zwei, der verblüffte: Derzeitige Benefits wie Entspannungsmöglichkeiten im Büro oder unternehmenseigene Fitnessstudios haben bei 17- bis 18-Jährigen nicht mehr die Relevanz, die ihnen Arbeitgeber heute zuschreiben. Job und Privates wird nicht ineinander verwoben, wie es die zwischen 1980 und 1995 Geborenen tun. „Die Generation Z trennt das wieder klar“, sagt Zehetner.

Macht es wie Influencer!

Der Uni-Professor rät Arbeitgebern, es Influencern gleichzutun, die sich auch „ins Tagebuch schauen“ lassen und so Interesse auf sich ziehen: „Junge Leute suchen persönliche Einblicke. Lassen Sie junge Mitarbeiter über ihr Berufsumfeld erzählen. Wie fühlt sich das Arbeiten im Team an?“

Der Vertriebsbereich der voest-alpine Stahl zieht Lehren aus der Studie. Mitterdorfer: „Wir reagieren bei Ausschreibungen, die noch sehr technokratisch formuliert sind. Sie sollen also weniger darauf abzielen, welche Produkte wir machen, sondern wie wir es machen.“

Die Prioritäten der Generation Z – Teamspirit, Arbeitsatmosphäre und Work-Life-Balance – sollen stärker im Recruiting kommuniziert werden. Bei den drei nächstgenannten Werten – Gehalt, Jobsicherheit und finanzielle Stabilität des Unternehmens – konnte die voestalpine schon bisher gut punkten. In einem internen Projekt werde geklärt, wie die Bedürfnislage der Generation Z einfließen kann. Neben Social Media zählt auch das „analoge“ Gespräch. Mitterdorfer nennt die Aktion „Sales at the Beach“: Vertriebsmitarbeiter gehen nach ihrer Arbeit zur „Sandburg“ beim Linzer Brucknerhaus, um mit Leuten ins Gespräch zu kommen. „So wollen wir sichtbar werden.“