Auch das Geschäft im Internet will gelernt sein

Dem immer stärker werdenden Online-Handel wurde mit der Einführung des neuen Lehrberufs Rechnung getragen. Bild: Colourbox Sonderthemen-Redaktion

Im vergangenen Sommer wurde mit der Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann ein neuer Lehrberuf geschaffen

Im vergangenen Sommer hat Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck mit dem Erlass der Ausbildungsordnung die rechtliche Grundlage für die Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann geschaffen. Der neue, dreijährige Lehrberuf, den die Sozialpartner im Handel auf den Weg gebracht haben, ist ein fundiertes neues Ausbildungsangebot und eine Ergänzung zu den bisherigen klassischen dualen Ausbildungswegen im Einzel- und Großhandel.

Die vermittelten Qualifikationen umfassen etwa den Umgang mit Shopmanagement-Systemen, die Präsentation von Waren im Online-Shop, die Verwendung unterschiedlicher Werbeformen im Display-Marketing oder die Erstellung bzw. den Versand von Newslettern unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen. "Ein Meilenstein für den heimischen Handel. Wir haben lange dafür gekämpft, die Handelslehre fit für die Digitalisierung zu machen, denn die österreichischen Handelsbetriebe suchen händeringend nach gut ausgebildeten Lehrlingen", zeigt sich Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will hocherfreut.

Karriere im Omnichannel-Handel

Das Ziel der dreijährigen Lehre ist die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte im Omnichannel-Handel. Zielgruppen für das neue Angebot sind vor allem Ausbilderbetriebe im Einzelhandel und Großhandel. Aber auch andere Unternehmen, welche Webshops betreiben, zum Beispiel im Tourismus, können Ausbilder sein. In einem Feststellungsverfahren prüfen die Lehrlingsstellen, ob der Betrieb in der Lage ist, eine der betrieblichen Ausbildungsordnung entsprechende Ausbildung gewährleisten zu können. Ein PC mit Internetzugang, eine Grafiksoftware und ein Shopsystem sind technische Mindestvoraussetzungen.

"Mit dem neuen Lehrberuf hat Frau Bundesministerin Margarete Schramböck einen entscheidenden Schritt Richtung Spezialisierung in einer hochtechnologisierten Handelswelt gesetzt. Eine ideale Ergänzung zu den bisherigen dualen Ausbildungswegen im Einzel- und Großhandel", sagt Will. Zahlreiche österreichische Handelsunternehmen haben bereits ab Herbst 2018 entsprechende E-Commerce-Lehrstellen ausgeschrieben. Für die Periode 2018/2019 ging das Wirtschaftsministerium von etwa 100 Lehrplätzen aus.

Der Lehrlingsgipfel vom 2. Juli 2018 stellt laut dem Handelsverband den Startschuss für den Weg hin zur trialen Lehrausbildung dar. Diese setze vor allem auf Eigeninitiative von Lehrbetrieben und Instituten sowie den Einbezug externer Bildungspartner. Es sollten kompetente Ausbildner aus der Praxis an Bord geholt werden, damit fachlich anspruchsvolle Inhalte von Experten über digitale Kanäle bundesweit jedem Lehrling bereitgestellt werden können. So haben auch kleinere Betriebe in ländlichen Regionen, die selbst nicht jeden geforderten Lehrinhalt abdecken können, die Möglichkeit, E-Commerce-Lehrlinge auszubilden.

Kostenlose Schulungssoftware

Berufsbilder für Absolventen des Lehrberufs sind etwa Webshopbetreuer, Webshopverkäufer, Webshopmanager, Webshopadministrator, E-Commerce-Manager, E-Business-Manager, Webshop Content Manager oder Webshop Sales Consultant. Zur Unterstützung der neuen Ausbildung wird seitens der Firma plenty markets deren E-Commerce-ERP kostenlos als Schulungssoftware zur Verfügung gestellt. Mithilfe dessen kann die künftige Arbeit eines E-Commerce-Experten simuliert werden und der Lehrling erlernt in Übungen die Arbeit mit digitalen Webshops. Die Software kann sowohl in den Berufsschulen als auch bei der Lehrabschlussprüfung eingesetzt werden. Jeder Schüler erhält über Berechtigung des Lehrers einen eigenen Zugang zur Software.