"IT-Leute werden in fast jedem Betrieb gesucht"

Die Digitalisierung bietet am Arbeitsmarkt hervorragende Chancen, betont AMS-Leiter Gerhard Straßer. Bild: Weihbold Sonderthemen-Redaktion

Gerhard Straßer, Leiter des Arbeitsmarktservice Oberösterreich, spricht über verschiedene Berufschancen in der Arbeitswelt

Der Wirtschaftsmotor ist auch 2018 mehr als nur solide gelaufen. Viele Unternehmen sind auf der Suche nach Mitarbeitern. Doch in welchen Bereichen bieten sich die besten Chancen, vor allem auch, wenn die Konjunktur abflauen sollte? Gerhard Straßer, Leiter des Arbeitsmarktservice Oberösterreich, gibt Antworten.

OÖNachrichten: Wie hat sich der Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr entwickelt? Straßer:

Wir hatten Ende des vergangenen Jahres eine Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent. Prognosen für das heurige Jahr gehen von der Quote von 4,8 Prozent aus. Das heißt, wir erwarten einen weiteren Rückgang an Arbeitslosigkeit, jedoch ist der Rückgang nicht mehr so stark wie im Jahr zuvor. Wir haben noch viele offene Stellen, die es zu besetzen gilt. Einerseits tun sich die Unternehmen sehr schwer, jemanden zu bekommen. Andererseits bieten sich natürlich riesige Chancen für Menschen, die in diesen Bereichen eine Ausbildung absolvieren.

Kommen wir zu den Branchen. In welchem Bereich bietet der Arbeitsmarkt die besten Chancen?

Zuerst einmal im technischen Bereich. Hier gibt es in allen Feldern gute Zukunftschancen. Die Digitalisierung stellt jeden Betrieb vor riesige Herausforderungen. Dementsprechend ist der Bedarf nach IT-Leuten sehr groß. Früher waren solche Fachkräfte großteils in IT-Firmen gefragt, heute benötigt sie nahezu jeder größere Betrieb, denn beim Thema "Digitalisierung" muss jeder mit dabei sein. Dieser Bereich ist auch höchst zukunftsträchtig, denn die Digitalisierung ist kein kurzfristiger Trend, der nach ein paar Jahren vorbei ist. Die Geschichte wird sich weiterentwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Menschen weiterbilden, um am Ball zu bleiben.

Wie sieht es in anderen technischen Bereichen aus?

Alle technischen Bereiche bieten gute Chancen. Das reicht vom Lehrberuf bis zum Uni-Abschluss. Generell gilt: Mit einer erfolgreich abgelegten Lehre ist die Chance auf einen Job viermal so hoch als ohne Ausbildung. Vor allem der Lehrabschluss in handwerklichen Berufen bietet allergrößte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Leitsatz, dass Handwerk goldenen Boden hat, hat nach wie vor seine Gültigkeit. Aber nicht nur Handwerksbetriebe suchen nach solchen Leuten. Das gilt genauso für Industriebetriebe.

Welche Chancen bieten sich jungen Menschen, die mit Technik nichts anzufangen wissen?

Der Dienstleistungs-Sektor ist personell in letzter Zeit am stärksten gewachsen. Im Vergleich dazu gab es in der Industrie nur ein moderates Wachstum an Arbeitnehmern. Bei den Dienstleistungsbetrieben hat vor allem das Gastgewerbe einen sehr hohen Personalbedarf. Für Arbeitnehmer bieten sich hier auf Dauer sehr gute Chancen. Die Branche hat das Problem, dass sich zwar junge Menschen darin wohl fühlen, mit zunehmendem Alter die Mitarbeiter häufig in andere Branchen wechseln. Das hängt häufig mit der Familiengründung zusammen. Größere Betriebe haben die Chance, attraktivere Dienstpläne zu gestalten, damit die Mitarbeiter zum Beispiel nicht jedes Wochenende arbeiten müssen.

Auch der Pflegebereich ist in den Medien sehr präsent. Wie sieht es hier mit den Jobmöglichkeiten aus?

Die Bevölkerung wird immer älter. Das bedingt einen steigenden Bedarf an Mitarbeitern in Alten- und Pflegeheimen. Derzeit kann dieser Bedarf nicht gedeckt werden, weshalb man versucht, auch jüngere Leute dafür zu gewinnen. Mit dem neuen Lehrgang "junge Pflege" können sich Jugendliche bereits nach der Pflichtschule zum "Fachsozialbetreuer Altenarbeit" ausbilden lassen. Bisher lag die Altersgrenze bei 17 Jahren. Generell kann man sagen, dass der Pflege- und Gesundheitsbereich ein wachsender Beschäftigungsbereich ist. Das gilt also auch für den medizinischen Bereich.