Mehr Lehrlinge sollen Fachkräftemangel lindern

Künftig sollen alle 200 Lehrberufe im Fünfjahresrhythmus überprüft und den Gegebenheiten der Zukunft angepasst werden. Bild: Colourbox Sonderthemen-Redaktion

Geht es nach einer Initiative mehrerer Unternehmen, soll österreichweit bald jeder zweite Jugendliche eine Lehrausbildung starten

Jeder zweite 15-Jährige in Österreich soll eine Lehre beginnen, das ist das erklärte Ziel einer neuen Initiative mehrerer Unternehmen. Die Wirtschaft kämpft seit Jahren mit sinkenden Lehrlingszahlen, weil sich immer mehr Jugendliche nach der Schulpflicht für eine weiterbildende Schule entscheiden.

In den 1980er-Jahren lag der Anteil der 15-Jährigen, die eine Lehre begannen, noch bei über 45 Prozent. Derzeit hadere man mit 40 Prozent, sagte der Generaldirektor der oberösterreichischen Energie AG, Werner Steinecker. Er ist Präsident des heuer gegründeten Vereins "z.l.ö. - zukunft.lehre.österreich".

Laut Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer entschieden sich 2018 österreichweit 40,0 Prozent für eine Lehre, 2015 waren es nur 37,8 Prozent. 2018 konnte der Abwärtstrend auch in absoluten Zahlen gestoppt worden. Die Zahl der Lehrlinge stieg von 106.000 auf 108.000.

Oberösterreich gilt als Österreichs Lehrlingshochburg. 23.160 Lehrlinge wurden 2018 ausgebildet, 1,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor und mehr als in jedem anderen Bundesland. In unserem Bundesland fängt auch beinahe jeder zweite Jugendliche eine Lehre an. Der Marktanteil liegt über 47 Prozent und damit sieben Prozentpunkte höher als im Bundesschnitt.

Aus Sicht der Wirtschaft sind die Lehrlinge von heute die Fachkräfte von morgen. Laut Steinecker drohen 2030 bis zu 500.000 Fachkräfte zu fehlen, für die Wirtschaft Österreichs wäre das ein Schaden in Milliardenhöhe. Nach Bundesländern zeigt sich, dass die Lehre in Vorarlberg und Tirol deutlich beliebter ist als im Osten Österreichs.

15 modernisierte Lehrberufe

Die Initiative, der Firmen wie KTM, Kapsch, Hofer, UNIQA, SBO, Salzburg AG oder die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich angehören, will Mitte 2019 einen Lehrabsolventenverband sowie eine Lehrlingsplattform mit Events, einem Bonusprogramm, Weiterbildungsangeboten und zur Vernetzung starten.

"Vergangenes Jahr gab es in Österreich rund 108.400 Lehrlinge, das sind um 1,4 Prozent mehr als 2017. Deutlich mehr junge Menschen haben sich 2018 für eine Lehre entschieden, bei den Lehrlingen im ersten Lehrjahr in unseren Unternehmen gab es ein Plus um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr", zeigt sich Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck erfreut. In den 15 teils modernisierten, teils neu geschaffenen Lehrberufen befinden sich mit Dezember 2018 653 Lehranfänger, davon sind rund ein Drittel weiblich. "Die gute Resonanz auf unsere neuen Berufsbilder zeigt, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Wir schaffen damit eine attraktive und zeitgemäße Ausbildung. Das kommt nicht nur bei den Jugendlichen sehr gut an, sondern ist auch in der Wirtschaft sehr gefragt", sagt die Wirtschaftsministerin. Ziel sei es, die 200 bestehenden Lehrberufe permanent weiterzuentwickeln und einen stärkeren Fokus auf digitale Komponenten zu legen. Um dafür auch die gesetzliche Grundlage zum betrieblichen Teil der Lehrausbildung zu schaffen, wird dazu im ersten Halbjahr 2019 das Berufsausbildungsgesetz novelliert. Zentrale Inhalte sind die verpflichtende systematische Analyse und Überarbeitung der Lehrberufslandschaft sowie eine verstärkte Vermittlung der Lehrlinge aus der überbetrieblichen Ausbildung in die betriebliche Lehre. In Zukunft sollen alle 200 Lehrberufe im Fünf-Jahres-Rhythmus überprüft und damit den Gegebenheiten der Zukunft angepasst werden.