Danke für die Blumen, aber bitte keine Pflichtrituale
Bild: Smetana// Manuela Wenger, "die Wertschätzerin"

Danke für die Blumen, aber bitte keine Pflichtrituale

Von Susanna Sailer

Für Manuela Wenger ist Wertschätzung eine Schlüsselkompetenz.

Wenn die Chemie mit den Vorgesetzten nicht stimmt, gehen im Berufsalltag viel Freude, Motivation und Produktivität verloren. Die Ursache dafür ortet Unternehmensberaterin Manuela Wenger in der oftmals fehlenden Wertschätzungskultur. In Vorträgen und Seminaren widmet sich die gebürtige Schwanenstädterin, die sich selbst als "die Wertschätzerin" bezeichnet, diesem Thema.

Dass hier Nachholbedarf besteht, zeigt eine Gallup-Studie. Demnach würde mehr Wertschätzung die Produktivität um 21 Prozent und die Rentabilität um 22 Prozent erhöhen. Es gäbe 37 Prozent weniger Fehltage und um 65 Prozent weniger Fluktuation.

"Chefs müssen keinen Kuschelkurs anfangen. Es geht auch nicht um ständig ausgesprochenes Lob", sagt Wenger. Aber es gebe Unternehmer und Manager, die der Ansicht seien, ihre Leute sollten sich nicht so anstellen, schließlich würden sie für ihre Arbeit bezahlt. Doch was sich jeder Mensch außer Geld für den täglichen Arbeitseinsatz wünsche, sei Respekt, Anerkennung und Beachtung seiner Person. Jeder brauche das Gefühl der Zugehörigkeit. Wenger: "Wertschätzung ist nichts Aufgesetztes, sondern eine innere Haltung." Sie beginne mit Selbstverständlichkeiten der Beziehungspflege: einem Lächeln, dem direkten Blickkontakt, dem Beim- Namen-Nennen des Gegenübers. "Eine Unsitte ist, beim Händeschütteln nicht den Betreffenden anzusehen, sondern bereits den Danebenstehenden", sagt Wenger.

Unternehmen werden heute angehalten, betriebliche Zusatzzuckerl zu bieten. Doch wegen des Obstkorbes oder eines Fußballtisches im Pausenraum hätte noch kein Mitarbeiter entschieden, ausgerechnet bei diesem Arbeitgeber anzuheuern. Auch Gesten, die pflichtmäßig abgespult werden – etwa der Blumenstrauß zum Geburtstag, den die Führungskraft mit der Bemerkung, dass "den sowieso jeder" bekäme, überreicht – seien nutzlos. "So lange das nicht von Herzen kommt, kann sich ein Arbeitgeber das Geld dafür sparen", meint Wenger.

Wertschätzen ist erlernbar

Auch wenn es jenen, die in ihrer Kindheit weniger liebevollen Zugang zu den Eltern fanden, schwerer falle, Wertschätzung zu zeigen, sei es möglich, an sich zu arbeiten und zu lernen. Zuerst müsste jedoch das eigene Manko als solches erkannt werden. "Die Gefahr ist, dass Führungskräfte sich ihr Bild von sich selbst verschönern", weiß Wenger. Empfehlenswert sei eine anonyme Umfrage unter den Mitarbeitern, etwa in Form eines Stimmungsbarometers. Es gebe zudem andere Parameter, die auf fehlende Wertschätzung schließen lassen. So blieben unmotivierte Mitarbeiter im Schnitt um fünf Tage länger im Krankenstand als andere. Auch eine Analyse der Fluktuation im Unternehmen sei aufschlussreich.