Das Weltbild der " jungen wilden" Banker
Bild: Colourbox// Die junge Banker-Generation steht in den Startlöchern.

Das Weltbild der " jungen wilden" Banker

Von Susanna Sailer

Das Bankgeschäft der Zukunft wird eine Symbiose aus digitaler und realer Welt sein – Im Zentrum steht der Mensch

Sie sind zwischen 31 und 33 Jahre jung und sind dabei, steile Karrieren in Oberösterreichs Bankenbranche hinzulegen. Die Generation der "jungen Wilden" gestaltet die Arbeitswelt der Zukunft und führt Teams in einer Phase des Umbruchs. Doch gar so "wild" sind die Jungen nicht. Sie eint eine Einsicht: Auch wenn viele Bankgeschäfte digital abgewickelt werden, steht der Mensch im Vordergrund.

Seit Anfang Mai leitet Philipp Buchner (31) die Abteilung Vertriebsmanagement bei der VKB-Bank. Selbstverständlich ist für ihn das Verwenden der bankeigenen mobilen Bezahl-App wie auch der sonstige Umgang mit digitalen Systemen. "Hier müssen wir am Puls der Zeit bleiben", sagt er. Die Bankenbranche bezeichnet Buchner als "uralt und gerade deswegen cool". Tag für Tag müssten Menschen mit Geld umgehen, somit sehe er in einer Bank eine lebensnotwendige Institution. "Diese in Umbruchzeiten mitzugestalten, ist faszinierend", sagt Buchner.

Bei künstlicher Intelligenz – eine selbstlernende Software beantwortet etwa Fragen – werde eine genossenschaftliche Bank wie die VKB-Bank nie Vorreiter sein wollen. "Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt. Jeder hat einen Betreuer."

Durch Lebensphasen begleiten

Genauso sieht das Raimund Oberaigner (33), der bei der Sparkasse Oberösterreich seit Anfang des Jahres als Regionalleiter für Enns-St. Valentin sechs Filialen mit 15.000 Kunden betreut. Beide Schienen – digital und analog – seien gleich bedeutend. "Wie wir mit unseren Kunden in Kontakt treten, verändert sich in Richtung E-Mail, Smartphone oder Virtual Reality. Aber die Filiale geht keineswegs verloren." Wenn es um die Begleitung der Kunden durch verschiedene Lebensphasen gehe, brauche es spezialisierte Mitarbeiter, etwa für Wohnbau, Vorsorge oder Wertpapiere. Oberaigner: "Geldangelegenheiten sind Vertrauenssache."

Kundenorientierung ist auch Isabella Lehners Zauberwort. Die 32-Jährige leitet in der Oberbank-Zentrale die Gruppe Online-Marketing und Digitale Medien. Das Entwickeln von IT-Systemen für das tägliche Bankgeschäft gehört genauso dazu wie die Online-Kommunikation. Lehner: "Ohne Social Media wäre es in der Kommunikation sehr schwer, die Kunden wirklich zu erreichen."

Nützt es dem Kunden?

Sie selbst sieht sich als Vermittlerin zwischen dem klassischen Bankgeschäft und der digitalen Welt. Früher waren Entwicklungen stark intern orientiert, anstatt den Fokus auf die Kunden zu richten. Lehner: "Wir hinterfragen jetzt, ob ein Optimierungsprozess den Kunden nützt." Die Fintech-Unternehmen, die Finanzprodukte digitalisieren, hätten frischen Wind auch in die Bankenbranche gebracht. Lehner: "Ich sehe darin keine starke Konkurrenz für Banken. Wir können mehr Sicherheit bieten."

Auch Markus Paukner, Leiter der Raiffeisen-Bankstelle in der Linzer Gruberstraße, sucht langfristige Beziehungen, indem er 800 Kundengespräche im Jahr führt. Paukner: "Einfache Geschäftsfelder sollten digitalisiert werden. Aber für Veranlagungen und Finanzierungen braucht es Ansprechpartner." Und was findet der 33-Jährige toll am Bankengeschäft? "Ich liebe den Kundenkontakt. Mit der Filiale führe ich mein eigenes Geschäft."

Die Sicht der Jungen:

Markus Paukner (33), RLB OÖ, Bankstellenleiter, Gruberstraße, Linz:

Markus Paukner, RLB OÖ

"Es braucht den persönlichen Kontakt zu den Kunden, aber auch die digitale Schiene."

 

Isabella Lehner (32), Oberbank, Leiterin der Gruppe Online-Marketing und digitale Medien:

Isabella Lehner

"Ohne Social Media wäre es in der Kommunikation sehr schwer, die Kunden wirklich zu erreichen."

 

Philipp Buchner (31), VKB-Bank, Leiter der Abteilung Vertriebsmanagement:

Phlipp Buchner

"Bankgeschäfte werden mobiler. Wir müssen am Puls der Zeit bleiben."

 

Raimund Oberaigner (33), Sparkasse OÖ, Regionaldirektor für Enns-St. Valentin:

Raimund Oberaigner

"Bankberater müssen künftig flexibler sein und sich spezialisieren."