Die Stärken zählen, nicht die Defizite
Bild: Foto Weinwurm GmbH.

Die Stärken zählen, nicht die Defizite

Von Susanna Sailer

Beraterin Susanna Achleitner über Positive Leadership und die Förderung von Talenten.

Wer kennt das nicht, wenn der Chef unzufrieden ist: "Das hat wieder einmal nicht funktioniert", nörgelt er, während Mitarbeiter murren, "das fängt ja heute gut an." Eine typische Szene, die sich täglich an irgendwelchen Arbeitsplätzen des Landes ereignet. Denn zuerst sehen wir all das, was schief läuft.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt das Führungsmodell Positive Leadership, das Susanna Achleitner, Wiener Beraterin und Partnerin von trainconsulting, diese Woche in der Wirtschaftskammer in Linz ins Zentrum stellte. "Führung sollte sich an Stärken und nicht an Defiziten orientieren", erläutert Achleitner den Kern von Positive Leadership. Bei der Veranstaltung in Kooperation mit der Landesstelle OÖ des Sozialministeriumservice ging es um das Fachkräftepotenzial von Menschen mit Behinderung. Positive Leadership ist jedoch allgemeingültig.

Führungskräfte sollten auf die individuellen Stärken ihrer Mitarbeiter eingehen. Was nicht bedeutet, dass Schwächen ignoriert werden. "Wird aber ausschließlich an diesen gearbeitet, erreicht man lediglich Mittelmäßigkeit statt Exzellenz. Kein Unternehmen kann es sich leisten, nur durchschnittlich zu sein", sagt Achleitner.

Doch wie lässt sich dieses positive Menschenbild ohne rosarote Brille in der Praxis verwirklichen? Positives Führen beginne bei den Führungskräften selbst. Es gebe genügend unter ihnen, die nur oberflächlich beantworten könnten, welche Stärken sie hätten. Achleitners Tipp: "Fragen Sie sich, welche Situationen es in letzter Zeit in Ihrem Arbeitsleben gab, in denen Sie sich so richtig lebendig und in Ihrem Element fühlten. Fragen Sie sich weiter, was oder wer zu diesen positiven Erlebnissen beigetragen hat." Genauso gelte es auch mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, um deren Stärken festzustellen und herauszufinden, was diese mit Leidenschaft machen.

Achleitner: "Wenn wir an innere Stärken anknüpfen und Dinge entwickeln, die wir gut können, ist das gut für die Entwicklung von Fähigkeiten. Dann bin ich im Job wirklich gut. Denn eine Stärke entsteht aus Fähigkeiten in Kombination mit Wissen und Talent."

Natürlich gebe es Dinge, die einem schwerfallen. Schwächen im Job dürften nicht so relevant sein, dass jemand eigentlich den Job nicht erledigen könne. Achleitners Appell: "In so einem Fall müsste sich jemand überlegen, ob er tatsächlich dort gut aufgehoben ist."