Arbeiter in der Industrie
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Zwölf-Stunden-Tag in 30 Prozent der Betriebe

Laut einer Studie von Deloitte verlieren fixe Kernarbeitszeiten an Bedeutung. Aber fast jeder dritte Betriebe nutzt die Möglichkeit des Zwölf-Stunden-Tages.

Der Unternehmensberater Deloitte hat für die Studie gemeinsam mit den Universitäten Wien und Graz den Einsatz flexibler Arbeitsmodelle in heimischen Unternehmen erhoben. 214 Führungskräfte und Personalisten nahmen an der bundesweiten Befragung, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, teil. Das Ergebnis: Flexibles Arbeiten befindet sich auf dem Vormarsch, auch wenn die physische Anwesenheit in den meisten Betrieben nach wie vor groß geschrieben wird. 

Die Kernarbeitszeiten verlieren immer mehr an Bedeutung. Vor zwei Jahren haben noch fast zwei Drittel der Unternehmen auf Gleitzeit mit Kernzeit gesetzt. Jetzt tut dies nur mehr die Hälfte. Gleitzeit ohne Kernzeit wird hingegen beliebter. "Bei einem Viertel der Unternehmen arbeitet die Mehrheit der Mitarbeiter ohne Kernzeiten. Dadurch wird die Flexibilität vor allem für Mitarbeiter weiter erhöht", sagt Barbara Kellner, Managerin von Deloitte Österreich.

Die kürzlich geschaffene Möglichkeit des Zwölf-Stunden-Tages in der Gleitzeit nutzen laut dieser Studie bereits 30 Prozent der befragten Unternehmen.Weniger verbreitet ist hingegen das Modell der 30-Stunden-Woche. In Österreich hat das bisher nur knapp ein Prozent der Unternehmen tatsächlich implementiert. 

Home Office ist etabliert

Bei 97 Prozent der befragten Unternehmen haben Mitarbeiter mittlerweile schon die Möglichkeit, ihrer Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, wobei bei einem Drittel nur wenigen Einzelpersonen Home Office gewährt wird. Aber die tatsächliche Nutzung von Heimarbeit nimmt stark zu. Sie hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt. Laut 86 Prozent der Befragten wird das Angebot von einem beträchtlichen Anteil der Mitarbeiter tatsächlich in Anspruch genommen. 2017 gaben das nur 42 Prozent an.

„Home Office hat sich in Österreich etabliert. Vor allem die jüngeren Generationen erwarten sich diese Möglichkeit vom Arbeitgeber“, sagt Barbara Kellner. Die Expertin fügt aber hinzu: „Obwohl die Option häufiger angeboten und in Anspruch genommen wird, hat bei 85 Prozent der Unternehmen die physische Anwesenheit im Büro noch immer einen dominanten Stellenwert. Das wird zum Problem, wenn Anwesenheit mit Leistung gleichgestellt wird. Mitarbeiter trauen sich dann nicht, Home-Office-Angebote wahrzunehmen.“

Führungskräfte sind dauernd auf Abruf

Neben der physischen Anwesenheit spielt auch die ständige Erreichbarkeit für viele Unternehmen nach wie vor eine große Rolle. Gerade von Führungskräften erwarten 65 % der Befragten, dass sie auch in ihrer Freizeit erreichbar sind. Von Mitarbeitern wird das von einem Viertel der Unternehmen eingefordert.

„Flexibles Arbeiten kann mehr Freiheit und Autonomie für die Mitarbeiter bringen. Durch hohe Erwartungen an die Erreichbarkeit gepaart mit fehlenden Grenzen zwischen Job und Privatleben geht diese Freiheit aber oft wieder verloren“, sagt Bettina Kubicek, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Graz. „Es braucht deshalb klare Spielregeln, damit die Mitarbeiter auch in der Freizeit abschalten können.“

„Vertrauen bedeutet, Kontrolle aufzugeben. Im Hinblick auf flexibles Arbeiten versuchen aber manche Unternehmen, durch verschiedenste Maßnahmen wieder mehr Kontrolle zu erlangen“, analysiert Christian Korunka, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Wien. „Die Unternehmen müssen das Loslassen lernen und innerhalb eines klar kommunizierten Regelwerks eine gesunde Vertrauenskultur entwickeln. Nur so können sie als zeitgemäße Arbeitgeber attraktiv bleiben.“

Vertrauen scheint noch nicht gefestigt

„Vertrauen bedeutet, Kontrolle aufzugeben. Im Hinblick auf flexibles Arbeiten versuchen aber manche Unternehmen, durch verschiedenste Maßnahmen wieder mehr Kontrolle zu erlangen“, analysiert Christian Korunka, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Wien. „Die Unternehmen müssen das Loslassen lernen und innerhalb eines klar kommunizierten Regelwerks eine gesunde Vertrauenskultur entwickeln. Nur so können sie als zeitgemäße Arbeitgeber attraktiv bleiben.“