Fluglotse Florian Kalina, Austro Control
Bild: Austro Control

Fluglotsen, die Hüter zwischen Himmel und Erde

Von Susanna Sailer

Florian Kalina, Fluglotse und Ausbildner bei Austro Control, erzählt über sein Berufsbild.

WIEN. Fluglotsen kontrollieren alle Flugbewegungen mithilfe von Radarsystemen und per Funk, sie sind die Manager des Luftraumes. Auch wenn Piloten die Flugzeuge steuern, so läuft dennoch nichts ohne Anweisungen der Fluglotsen.

"Es ist ein sehr spannender Beruf", sagt Florian Kalina (37). Seit 2003 arbeitet er als Fluglotse bei Austro Control in Wien und ist zudem Chef der Ausbildung. Es gibt drei verschiedene Einsatzgebiete für die bundesweit 350 Fluglotsen (Frauenanteil: 20 Prozent), die für die Sicherheit im österreichischen Luftraum verantwortlich sind: In den Towern der Flughäfen, in der An- und Abflugkontrolle und in der Überflugszentrale. In letzterer ist Kalina einer von 150 Beschäftigten.

Kalina: "Wir tragen Verantwortung, aber die lastet nicht komplett auf den Schultern einer einzigen Person. Wir arbeiten im Team." Am Pult sitzen stets zwei Fluglotsen. Damit herrscht das Vieraugenprinzip. Die Aufgaben werden geteilt. Eine Person gibt via Funk den in großen Höhen über Österreich fliegenden Piloten Kurs- und Höhenanweisungen und achtet darauf, dass die Mindestabstände zwischen den Flugzeugen eingehalten werden. Kommuniziert wird auf Englisch. Kollege Nummer zwei koordiniert zwischen den einzelnen Flugraumsektoren über Österreich und den Nachbarländern. Kalina: "Er telefoniert und erfährt so Dinge, sie sich kurzfristig in Flugplänen ändern." Es könne sein, dass ein Pilot wegen günstigerer Wetterverhältnisse in eine andere Flughöhe möchte. Das müsse dem nächsten Sektor mitgeteilt werden.

Unterschiedliche Dienstzeiten

Kalina: "Wir arbeiten in der Überflugskontrolle zwischen acht und zwölf Stunden. Dabei haben 40 bis 45 Fluglotsen über den Tag verteilt unterschiedliche Dienstbeginnzeiten, die sich nach dem Verkehrsbedarf richten." Denn der Flugverkehr unterliege Wellenbewegungen. Viel los sei in der Früh ab 6 Uhr, zu Mittag und am Abend. Durchgehend an den Radarbildschirmen sitzen Fluglotsen maximal 100 Minuten. Dann muss eine halbe Stunde Pause folgen. "Zu Verkehrsspitzen ist es ein stressiger Job. Aber es gibt genügend Zeiten, in denen weniger los ist, und viele Pausen", sagt Kalina. Bereitschaft, Nacht- und Wochenenddienste zu machen, müsse jedoch da sein.

Grundvoraussetzung, um sich dem Auswahlverfahren für die Fluglotsen-Ausbildung zu stellen, ist zumindest ein Maturaabschluss. Es braucht räumliches Vorstellungsvermögen und Stresstoleranz. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Je nachdem, in welchem der drei Verantwortungsbereiche ein Fluglotse eingesetzt wird, sind die Lehrstoffe unterschiedlich. Die Leute werden bereits im ersten Jahr an der Akademie den jeweiligen Bereichen zugeteilt. Das Anfangsgehalt ab dem ersten Ausbildungsjahr beträgt 1500 Euro brutto. Ein fertig ausgebildeter Lotse startet mit 5000 Euro brutto.

Infos: www.startfrei.at