Samuel Koch, Jungunternehmer, Buchautor
Bild: edition a

"Ihr versteht die Welt, in der wir leben, nicht mehr"

Von Susanna Sailer

Jungunternehmer Samuel Koch (25) fordert die ältere Generation auf, das Ruder den Jungen zu überlassen.

"Das Problem mit den Alten ist größer, als alle denken. Der Generationenkonflikt wird härter, als alle erwarten“, meint der 25-jährige Jungunternehmer Samuel Koch. Es sei die Mischung aus Digitalisierung und Beschleunigung, die diesen Konflikt verstärke.

Koch packt in seinem Buch „Die Welt, die ihr nicht mehr versteht: Inside digitale Revolution“ gleich zu Beginn den Vorschlaghammer aus. Die ältere Generation fordert er auf, „sich zurückzuziehen oder euren Rückzug jetzt vorzubereiten. Überlasst eure Positionen jemandem von uns, also der jungen Generation, und nehmt selbst beratende Funktionen im Hintergrund ein.“ So wäre es angesichts dessen, was die digitale Revolution schon gebracht habe und was sie in Zukunft noch bringen werde, für die Gesellschaft und den ganzen Planeten am besten. „Denn ihr habt den Anschluss an den technologischen Wandel, der alle Lebensbereiche durchdringt, verloren“, schreibt er.

Koch versucht in seinem Buch „die Welt, in der wir leben“ näherzubringen, auch um Personalverantwortlichen und Firmenchefs zu erklären, wie die Jungen ticken. Im Gespräch präzisiert er, warum das seiner Meinung nach wichtig ist: „In jedem Unternehmen geht es letztlich um Menschen. Es gibt einen Kampf um Talente und die besten Fachkräfte. Wer unsere Generation besser versteht, weiß die Leute auch zu binden.“

Zuerst will Koch mit dem Zukunftspessimismus der Älteren aufräumen, etwa mit der Angst, künstliche Intelligenz könnte die Menschheit abschaffen und diese durch Roboter ersetzen. „Das ist so, als würden wir uns über die Überbevölkerung des Mars unterhalten“, meint er. Im krassen Gegensatz dazu stünde die junge Generation: „Wir leben von Utopien, die Ältere als Träumereien belächeln. Wir sollten einen positiven Begriff von der Zukunft haben, uns erlauben, zu träumen und diese Utopien umzusetzen.“

Keine Lust auf alte Regeln

Ältere würden Junge als demotiviert, leistungsfeindlich, politisch uninteressiert und auf ihre Handys fixiert betrachten. „Die Wahrheit ist, dass wir nur demotiviert sind, uns in eurer Welt mit euren Maßstäben messen zu lassen, dass wir keine Lust auf eure Vorstellung von Leistung haben, die immer etwas mit Unterordnen und sinnlosen Regeln zu tun hat, dass wir uns zwar für Politik, nicht aber für eure Version davon interessieren, und dass wir an unseren Handys hängen, weil dort die Welt entsteht, in der wir künftig leben werden“, schreibt er.

Im Gespräch erklärt er seine Sicht: In Wahrheit würden Junge extrem früh nach Sinnhaftigkeit und Erfüllung in ihrer Arbeit suchen. Sie seien bereit, Wohlstand aufzugeben, um Dinge aktiv mitaufzubauen. „Wir wollen uns nicht in starre Strukturen hineinpressen lassen. Wenn mechanische Arbeit automatisiert wird, gewinnt Kreativität an Bedeutung. Dafür ist ein Job von 8 bis 16 Uhr kein nachhaltiges Modell“, meint Koch.

Worauf legen die Jungen nun Wert, wenn sie sich für einen Job entscheiden? „Auf Erfüllung, die Möglichkeit mitzugestalten, auf Vereinbarkeit mit dem Privatleben und auf das Team. Wir überlegen uns, ob die Vision eines Unternehmens nachhaltig ist – im ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sinne“, antwortet Koch.

An den Schwächen arbeiten

Allerdings müssten sich Junge auch mit ihren Schwächen auseinandersetzen. Denn was die Älteren vielleicht nicht so wahrgenommen haben: Jungen mangle es laut Koch an Selbstbewusstsein und objektiver Selbsteinschätzung. Es gebe eine Abhängigkeit von Urteilen der anderen. Koch: „Junge sind wahnsinnig ungeduldig. Aus unternehmerischer Sicht ist Geduld zu erlernen notwendig.“ Um Ideen umzusetzen, brauche es harte Arbeit. Vom Träumen allein komme keiner dorthin, mahnt Koch. „Es gibt keinen Erfolg ohne einen Weg dazwischen.“

 

Buch: Samuel Koch: "Die Welt, die ihr nicht mehr versteht: Inside digitale Revolution", Verlag edition a

Buchcover Samuel Koch "Die Welt, die ihr nicht mehr versteht"

 

Zur Person Samuel Koch:

Der 25-jährige gebürtige Steirer, der in Wien lebt, gründete kurz vor Abschluss des Informatikstudiums das Software-Unternehmen Galacta, das Unternehmen und deren Mitarbeitern digitale Kompetenzen vermittelt. Beim Produkt handelt es sich um ein auf Emotion und Spiel basierendes digitales Mitarbeiterfortbildungsprogramm. Vor einigen Jahren rief er mit einem Partner die Startup Challenge Austria ins Leben, die jungen Menschen das Unternehmertum näherbringt. Derzeit arbeitet er an der Entwicklung eines eigenen Bildungscampus für Menschen zwischen 17 und 35 Jahren.