Sigrid Brandstätter

Keine Ruhmesblätter

Während der akuten Corona-Krise war der Arbeitsmarkt de facto tot. Wer will in einer so großen Phase der Unsicherheit auf unbekanntes Terrain wechseln? Allerdings haben einige Betriebe beziehungsweise deren Verantwortungsträger in der Krise viel auf die Zahlen geachtet – was auch nötig war und ist. Gleichzeitig haben einige (zu) wenig Gespür für die eigene Mannschaft gezeigt. Das zeigen erste Einschätzungen: Berater berichten, mehr Angestellte als vor dem Corona-Shutdown seien wechselwillig. Das mag zum Teil damit zu tun haben, dass in Homeoffice und/oder Kurzarbeit viel Zeit zum Nachdenken blieb.

Wenn jeder Zweite überlegt, den Job zu wechseln, wenn die gröbsten Verwerfungen geradegebogen sind, dann ist das kein Ruhmesblatt für die betroffenen Arbeitgeber. Das Problem daran: Sie nehmen es nicht wahr. Eine aktuelle Umfrage unter Führungskräften und Personalverantwortlichen besagt nämlich, Mitarbeiterentwicklung und -betreuung hätten in der Corona-Krise nicht gelitten. Da passen die Wahrnehmungen nicht zusammen.

Ob die aktuell Wechselwilligen einen Jobwechsel auch wirklich angehen und umsetzen, ist offen. Ein Alarmsignal sind derartige Anzeichen aber allemal.