Baustelle Bauarbeiter
Bild: Weihbold // Am unzufriedensten sind Arbeitnehmer im Bauwesen.

Oberösterreichs Arbeitnehmer sind besonders fleißig

Von Susanna Sailer

Laut Arbeitsklima Index arbeiten Vollzeitkräfte durchschnittlich 44 Wochenstunden - das sind um zwei Stunden mehr als der österreichische Durchschnitt.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat erstmals seit dem 22-jährigen Bestehen des Arbeitsklima Index die Zahlen für Oberösterreich extra ausgewertet. Im Vergleich zum Bundesschnitt zeigt sich dabei das besonders hohe Engagement der oberösterreichischen Arbeitnehmer. Demnach arbeiten Vollzeitkräfte durchschnittlich 44 Wochenstunden - zwei Stunden mehr als der Durchschnittsösterreicher. Teilzeitkräfte kommen auf 25 Wochenstunden. Für AK-Präsident Johann Kalliauer sei damit der Beweis erbracht: "Die Beschäftigten sind die wahren Leistungsträger in unserem Bundesland."

Auch wenn rund drei Viertel der Arbeitnehmer mit der Arbeitszeitregelung im Großen und Ganzen zufrieden sind, gibt es doch eine Reihe von Beschäftigten, die unter ihrem hohen Arbeitspensum leiden. 56 Prozent der oberösterreichischen Beschäftigten gaben an, zumindest gelegentlich Überstunden machen zu müssen, 17 Prozent sogar häufig. Im Querschnitt aller Branchen sagt ein Drittel der Befragten, dass sie weniger Arbeitsstunden leisten möchten, als sie es derzeit tun. Die Wunscharbeitszeit liegt zwischen 35 und 38 Wochenstunden.

Unzufriedenheit im Baugewerbe

Die Oberösterreicher würden laut Auswertung der Meinungsforungsinstitute Ifes und Sora etwas weniger zufrieden sein als Arbeitnehmer in ganz Österreich. Denn während der Arbeitsklima Index in den anderen acht Bundesländern derzeit bei 110 Indexpunkten liege, errreiche er in Oberösterreich 109 Punkte. Dennoch blicke eine klare Mehrheit optimistisch in die Zukunft. Besonders hoch ist die Zufriedenheit in Oberösterreich in der öffentlichen Verwaltung und im Unterrichtswesen. Am unzufriedensten sind Arbeitnehmer im Bauwesen. 41 Prozent der Bauarbeiter fühlen sich durch schlechte Gesundheitsbedingungen belastet, ein Drittel durch Zeitdruck. In keiner anderen Branche sind das Ausmaß und die Anzahl der Belastungen so hoch wie am Bau. Das führt dazu, dass nicht einmal die Hälfte der Bauarbeiter glaubt, bis zu ihrer Pension in ihrem Job durchhalten zu können. In der für Oberösterreich besonders wichtigen Industrie liegt die Zufriedenheit im Durchschnitt, aber dennoch höher als in anderen Bundesländern.

Laut Kalliauer gäbe es somit eine bestehende Grundzufriedenheit, wobei dennoch da und dort nachzujustieren sei. So war die Arbeitszufriedenheit bei Teilzeitbeschäftigten zu Beginn der Arbeitsklima Index-Erhebungen höher als sie heute sei. "Für mich bedeutet das, dass immer mehr Teilzeit-Arbeitsverhältnisse nicht freiwillig ausgeübt werden. Wäre sie von allen gewünscht, wäre die Zufriedenheit höher."

Atypische Beschäftigungsverhältnisse - darunter fallen teilzeit-, befristet und geringfügig Beschäftigte sowie Leiharbeiter - haben ähnlich wie in ganz Österreich auch in Oberösterreich zugenommen. Arbeiteten beispielsweise 2010 noch 58.000 Beschäftigte in Teilzeit, so waren es 2018 bereits 192.000 Menschen.