"Warum braucht ihr so lange?"
Bild: Trescon// Trescon führte einst Assessment-Center ein, heute gibt es ein Testcenter.

"Warum braucht ihr so lange?"

Von Sigrid Brandstätter

Heimische Firmen entscheiden viel zu langsam, ob sie einen Experten an Bord holen wollen.

LINZ. Seit 40 Jahren ist der Personalberater Trescon bzw. die Vorgängermarken auf dem Personalmarkt in Österreich aktiv. Nächste Woche kommen anlässlich des Jubiläums 55 internationale Partner aus der Personalberater-Branche nach Linz, um gemeinsam zu arbeiten – und zu feiern.

Ein Thema, dem sich der Linzer Personalberater immer wieder stellen muss, ist das Entscheidungstempo der heimischen Auftraggeber. Werden für internationale Niederlassungen oder im europäischen oder weltweiten Vertrieb Experten gesucht, arbeitet Trescon mit dem Netzwerk CFR zusammen. Wurden die Kandidaten in den Firmen, die einstellen wollen, präsentiert, müsse oft die Frage von internationalen Beraterkollegen beantwortet werden: "Warum braucht ihr in Österreich so lange?", berichtet Reinhold Klinger, Partner bei Trescon.

Zugreifen statt lange überlegen

Tatsächlich habe die heimische Wirtschaft nicht verstanden, wie schnell internationale Talente wissen wollen, woran sie sind, resümiert der Berater. Der Ratschlag, einem passenden Kandidaten zuzusagen, bevor alle anderen interviewt wurden, verhalle oft ungehört, ergänzt Bertram Klinger. Binnen einer Woche wird eine Antwort erwartet.

Generell laufe das Geschäft gut. Trescon ist zuletzt kontinuierlich auf 21 Mitarbeiter gewachsen. "Viele Firmen sind mit ihrem Latein am Ende, wie sie Personal finden können", sagt Reinhold Klinger. Zwar würden mehr als die Hälfte der Arbeitgeber selbst versuchen, potenzielle Mitarbeiter in Online-Quellen zu identifizieren und anzusprechen. Viele Firmen hätten erkannt, dass die zielgerichtete Suche auf den zahlreichen Personalplattformen die Mitarbeitersuche nicht vereinfacht habe – sie sei viel aufwendiger geworden. Zudem würden jene, die unprofessionell suchen, sich und der Beraterbranche zu guten Kandidaten den Zugang verbauen. "Die werden x-fach angeschrieben und reagieren einfach nicht mehr", sagt Bernhard Winkler, der dritte im Bunde. Er berichtet, dass Trescon bei der aktiven Suche nach Kandidaten das Know-how über die Jahre extrem vertieft habe. "Dass wir das besser können als andere, beweist, dass wir im September den Active-Sourcing-Award auf der größten Personalmesse Europas gewonnen haben." 150 Einreichungen gab es. Die Aufgabe war, die Leitung für einen Kindergarten in Leipzig zu finden.

Algorithmen können nicht alles

Entspannt ist das Trio auch, was die Zukunft der Personalberatung anlangt. Denn zwar würden verschiedenste Tools die Vorauswahl vornehmen. "Ohne die persönliche Ebene geht es aber nicht, wenn man über die Übereinstimmung von Schlagworten hinaus Passgenauigkeit erreichen will", sagt Winkler. "Die zwischenmenschliche Komponente können Algorithmen nicht abbilden".

Begriffe

Active Sourcing: Die Personalberater verstehen darunter die Online-Suche und Ansprache der Kandidaten.

Direct Search: Das ist klassisches Head-Hunting, also die telefonische Ansprache von Kandidaten aus einer bestimmten Firma oder Branche.