Wie Corona die Zukunft unserer Arbeit beeinflusst
Bild: Bernhard Winkler (Foto: motiV, Trescon)

Wie Corona die Zukunft unserer Arbeit beeinflusst

Von Susanna Sailer

Experten diskutierten über erste Lerneffekte, über veränderte Arbeits- und Sichtweisen und wofür die Zeit reif ist.

Wir werden künftig öfter rasch und flexibel auf Online- statt Präsenzveranstaltungen umstellen müssen. Das können wir aus der Corona-Krise sofort für uns mitnehmen", sagte diese Woche Bernhard Wink

ler, Geschäftsführer von Motiv Personal Consulting. Winkler war einer von drei Referenten der Diskussion "Arbeitswelten im Wandel – So beeinflusst Corona die Zukunft der Arbeit". Diese wollte Manfred Luger, Leiter der neuen Abteilung Human Capital Management der Standortagentur Business Upper Austria, zuerst als Präsenzveranstaltung ausrichten. Da Covid-19-Infektionen in Oberösterreich zunehmen, wurde kurzfristig auf online umdisponiert.

Winklers Fazit: "Wir erfahren gerade, wie zukünftig unsere Veranstaltungsformate aussehen könnten. Es gibt gute Möglichkeiten, auch hybride Formate zu generieren. Video-Meetings sind jedenfalls besser als ihr Ruf." Auch unter Personalberatern werde diskutiert, ob ein Video-Interview die Qualität eines physischen Interviews haben kann. "Ich behaupte, es hat eine andere Qualität. Wir müssen nur lernen, damit umzugehen. Hier erlebe ich einen Kulturkampf in unserem Metier", sagte Winkler.

"Jetzt alte Zöpfe abschneiden"

Führungskräfte sollten sich jetzt nicht allein auf Krisenbewältigung fokussieren, sondern auch gleich die Möglichkeiten für Veränderung angehen, meinte der Personalberater. "Corona hat den Wasserspiegel gesenkt. Nun sehen wir, was sich darunter tut und welche alten Zöpfe wir jetzt abschneiden sollten."

Marcel Aberle, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Österreich, sieht die Arbeits- und Wirtschaftswelt an einem Scheideweg angekommen. "Wir müssen eine Entscheidung treffen. Die meisten wollen nach der Krise zurück ins alte Spiel und einfach weitermachen wie zuvor. Ich bin überzeugt, dass das nicht viele schaffen werden. Ganz wenige machen einen Schritt nach vorne und stellen sich neu auf", sagte der Zukunftsforscher. In der Corona-Krise habe es viele Enttäuschungen gegeben. Aberle sieht darin auch das Ende einer Täuschung. Die Zeit sei reif, diese Änderungen vorwegzunehmen und die Zukunft aktiv zu gestalten.

Aberle: "Endlich hat die Digitalisierung den Mythos der Zukunft verlassen und ist in der Gegenwart angekommen." Flexibles, mobiles Arbeiten werde fixer Bestandteil der Arbeitswelt bleiben. Büros hingegen dürften sich in jenen Bereichen etablieren, für die sie einen großen Vorteil hätten: als Orte der Begegnung und des Austauschs.

Kreative Gespräche sind analog

Denn bezüglich Homeoffice mache sich auch eine gewisse Ernüchterung breit. "Wenn es um Kreativität geht und darum, neue Dinge zu erarbeiten, funktioniert das auf rein digitaler Basis nicht", sagte Aberle. Bei Menschen, die von Angesicht zu Angesicht kommunizieren, sprudelten um ein Drittel mehr Ideen, als bei jenen, die virtuell miteinander sprechen.

Aberle riet auch, die vor der Corona-Krise stark technologisch orientierte Sichtweise auf die Zukunft zu überdenken. Die Zukunft gehöre der Allianz von Mensch und Maschine. "Wir müssen uns wieder mehr darauf fokussieren, Mensch zu sein. Denn wir haben Fähigkeiten wie Empathie und Kreativität, die uns stark machen und uns von der Maschine unterscheiden."

"Segeln lernt man nicht im Sturm. Das sollte in ruhigeren Zeiten gut geübt werden", sagte wiederum Wolfgang Güttel, Vorstand des Instituts für Human Ressource und Change Management der Linzer Kepler Uni.

"Jetzt ist es ein bisschen ruhiger. Es ist die beste Zeit, massiv in die Teamentwicklung zu investieren." Es gelte, gemeinsame Prioritäten zu erarbeiten. Es brauche ein Grundverständnis, wohin die Reise gehe und wer welche Rolle auf dem Schiff einnehme, um im Sturm krisenfest zu sein. Güttel riet zu Ausbildungsprogrammen.

Während andere erst wieder beginnen würden, Führungskräfte einzustellen, sollten jene Betriebe, die liquid sind, in Führungskräfteentwicklung investieren.

Bernhard Winkler, Geschäftsführer MotiV Personal Consulting, Linz:

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"Wir erfahren gerade, wie zukünftig unsere Veranstaltungsformate aussehen könnten. Es gibt gute Möglichkeiten, auch hybride Formate zu generieren. Video-Meetings sind jedenfalls besser als ihr Ruf." (Foto: motiV,Trescon)

Marcel Aberle, Geschäftsführer Zukunftsinstitut Österreich:

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"Endlich hat die Digitalisierung den Mythos der Zukunft verlassen und ist in der Gegenwart angekommen. Flexibles, mobiles Arbeiten wird fixer Bestandteil der Arbeitswelt bleiben." (Foto: Zukunftsinstitut)

Wolfgang Güttel, Vorstand des Instituts für Human Ressource und Change Management der JKU, LInz:

Wie Corona die Zukunft unserer Arbeit beeinflusst

"Segeln lernt man nicht im Sturm. Das sollte in ruhigeren Zeiten gut geübt werden. Jetzt ist die beste Zeit, massiv in Team-Entwicklung zu investieren." (Foto: Martin Eder)