Bild: Spitz // Digital ist nur die Produktion, die Wafferl von Spitz werden nach der hauseigenen Rezeptur gebacken.

Wie digitalisiert man Rum, Senf und Wafferl?

Von Hermann Neumüller

Der Lebensmittelerzeuger Spitz hat seine Produktion gemeinsam mit Siemens auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Rund 1,3 Millionen Produkte auf 2000 Paletten verlassen täglich das Werk der S. Spitz GmbH in Attnang-Puchheim, hergestellt auf 30 Fertigungslinien und 35 Abfüll- und Verpackungsanlagen, vom Inländerrum bis hin zu Saft, Wafferl und Senf. Wie macht man diese Produktvielfalt digital?

Das ist die Herausforderung, der sich der Familienbetrieb gemeinsam mit der Siemens AG Österreich vor zweieinhalb Jahren gestellt hat. Gestern präsentierten Walter Scherb junior, Geschäftsführer der Spitz-Gruppe, der Leiter der Automatisierungstechnik bei Spitz, Andreas Schaumberger, und die Siemens-Manager Werner Schöfberger und Wolfgang Siegel die Ergebnisse.

Erdbeersaft statt Holundersirup

"Praktisch per Knopfdruck können wir von einem aufs andere Produkt wechseln, von Erdbeersaft auf Holundersirup", sagte Scherb. Es sei jetzt auch möglich, die einzelnen Rezepturen abhängig von den Eigenschaften der Rohstoffe anzupassen.

Bei der Zuführung zum Verarbeitungsprozess werde beispielsweise der Zuckergehalt eines bestimmten Rohstoffs gemessen. Abhängig von dem Ergebnis der Messung werde dann automatisch die Rezeptur neu berechnet und wenn erforderlich abgeändert. Nur so sei es möglich, Endprodukte zu erhalten, die in Geschmack, Textur und Aussehen immer gleich bleiben, sagte Siemens-Manager Siegel.

Der willkommene Nebeneffekt: Eine Rohstoffverwechslung ist ausgeschlossen. "Das System verifiziert, ob der zugeführte Rohstoff auch wirklich zum Auftrag gehört", sagte Siemens-Manager Schöfberger. Trete ein Fehler auf, schlage das System sofort Alarm.

"Damit machen wir den Standort Attnang-Puchheim zukunftsfit und sichern unsere Wettbewerbsfähigkeit", sagte Scherb. Seit mehr als 160 Jahren erzeugt das Unternehmen Lebensmittel, großteils nach selbst entwickelten Rezepturen. Durch dieses Digitalisierungsprojekt werde es möglich, neue Produkte noch schneller herzustellen und auf den Markt zu bringen. "Das ist ein wichtiger strategischer Wettbewerbsvorteil", sagte Scherb.

Ressourcen und Energie sparen

Mit der neuen Technik will Spitz Ressourcen, Energie und damit auch Kosten sparen. Dafür hat man bei diesem Projekt erst einmal einen "einstelligen Millionenbetrag" investiert, sagte Scherb.

Das Senken der Kosten betreffe aber nicht das Personal. Man werde Mitarbeiter mit höherer Qualifikation brauchen.

Sollte es in einzelnen Bereichen zu einem Abbau von Beschäftigten kommen, dann nur über natürliche Fluktuation, sagte Scherb. Insgesamt rechnet er mit einem weiter leicht steigenden Personalstand. Derzeit arbeiten 750 Leute für Spitz.

Genaue Zahlen für das Ende März zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2018/19 gibt es noch nicht. "Wir konsolidieren noch", sagte Scherb im OÖN-Gespräch. Er geht von einem Umsatzwachstum "im mittleren einstelligen Bereich" im Vergleich zum Geschäftsjahr 2017/18 aus, in dem das Unternehmen 256 Millionen Euro erlöste. Scherb junior hat die Führung des Unternehmens mit Jahresbeginn übernommen. Er strebe in den kommenden Jahren ein nachhaltiges Wachstum an, sagte er kürzlich im OÖN-Interview.

Auch Übernahmen sind bei Spitz ein Thema. Zuletzt war das Anfang April der Fall. Spitz übernahm das Salzburger Unternehmen Honigmayr. Damit hat das ohnehin nicht kleine Spitz-Sortiment mit Honig eine fast logische Ergänzung bekommen.