Wie Frauen am besten Klartext sprechen

Wie Frauen am besten Klartext sprechen

Von Susanna Sailer

Kommunikationstrainerin Beatrix Kastrun gibt praxisnahe Tipps für den Umgang mit Alltagssexismus.

Schmutzige Witze, ein Reduziertwerden auf das Äußere – viele Frauen erleben Alltagssexismus und wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Die Leondinger Kommunikationstrainerin Beatrix Kastrun rät Frauen zu einem selbstbewussteren Auftreten.

karriere.nachrichten.at: Wieso kommt es überhaupt zu Alltagssexismus?

Beatrix Kastrun: Das ist für Männer wie ein Spiel, das nicht verletzen soll. Sie sehen darin einen sportlichen Wettkampf, der Grenzen austestet und Orientierung schafft. Frauen dürfen das jedoch nicht einfach hinnehmen, sondern müssen genau diese eingeforderten Grenzen setzen und "Stopp!" sagen.

Wie soll sie auf Sätze wie "Obwohl du eine Frau bist, machst du deine Arbeit eh gut" reagieren?

Sie soll auf der Sachebene bleiben. Am wichtigsten: kein Lächeln, kein sanfter Tonfall, kein Piepsen. Verbal reagiert sie mit fester Stimme und mit einer Botschaft, etwa: "Ich nehme das zur Kenntnis" oder "Wenn Sie damit sagen wollen, dass weibliche Qualitäten wie Kommunikationsbereitschaft und Empathie hier gefragt sind, dann danke ich für das Kompliment".

Es gibt Dinge, die Männer ungern machen und auf Frauen abwälzen, nach dem Motto "Du schreibst eh gern das Protokoll".

Sprechen Sie das in so einem Fall klar an: "Ich bin bereit, heute das Protokoll zu schreiben. Gleichzeitig möchte ich eine Regelung, wie wir mit dieser Aufgabe in Zukunft umgehen. Ich schlage vor, dass wir am Ende jeder Sitzung klären, wer das bei der nächsten Besprechung übernimmt. Ist das für alle in Ordnung?" Wichtig: Der Vorschlag, wie das zukünftig gehandhabt wird, sollte von Ihnen kommen. Das verleiht Macht.

Wie sollte eine Frau mit Provokationen oder ungerechten Vorwürfen umgehen? Sich ducken und schweigen, sich rechtfertigen oder in Gegenangriff gehen?

Keines davon. Viel besser ist immer, Klartext zu reden. Die Frau sollte sagen, wie es ihr geht, aber nicht zögerlich, leise und vorsichtig, sondern mit klarer Stimme: "Es stört mich, wenn Sie …". Passend sind zudem Äußerungen wie: "Das ist hier nicht das Thema" oder "Auf diesem Niveau möchte ich nicht mit Ihnen sprechen".

Der Kopierer funktioniert nicht. Ein Kollege sagt: "Typisch! Frauen und Technik."

Manchmal kommt man mit Humor am weitesten. Sie können lächeln und antworten: "Du hast recht, meine Stärken liegen ganz woanders. Drum bin ich froh, dass du mir jetzt hilfst."

Was können Frauen bei beginnender sexueller Belästigung am Arbeitsplatz tun?

Viele Männer handeln nach dem Motto "Versuchen kann man’s ja". Die Abwehr ist einfacher, als Frauen oft denken. Wichtig: Sie müssen weder geistreich sein noch viele Worte machen. Bei Kunden hilft es, höflich auf der Sachebene zu bleiben. "Für Fragen zu … stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung." Männer kennen sich dann meist aus. Es ist eine Rückkehr in den beruflichen Rahmen.

Was tun, wenn ein Kollege immer wieder unerwünschte Annäherungsversuche macht?

Bei körperlichen Übergriffen sofort Distanz herstellen. Keine verbale Klärung in diesem Moment. Erst zu einem späteren Zeitpunkt ein ruhiges Gespräch suchen und signalisieren: "Wir sind Kollegen und dabei wollen wir es belassen."