Wie Mitarbeiter im Team ihre Löhne verhandeln
Bild: Melanie Fredel/Top Hair International

Wie Mitarbeiter im Team ihre Löhne verhandeln

Von Susanna Sailer

Friseursalon La Biosthetique Linz Bachmayr funktioniert mit sich selbst führender Unternehmenskultur.

Gert Bachmayr kann sich getrost zurücklehnen. Das 27-köpfige Team seines Friseur- und Beautysalons La Biosthetique Linz organisiert sich quasi selbst. "Meine Leute regeln alle wichtigen Prozesse im Betrieb demokratisch. Auch das Einstellen von Mitarbeitern obliegt dem Team", sagt der Unternehmer. Sogar die Lohnverhandlungen werden im Team abgewickelt. Das sei "ausgewogen, gerecht und sozial".

So funktioniert dieser gemeinschaftliche Prozess: Die Löhne und Gehälter werden für alle Beschäftigten einmal im Jahr verhandelt. Alle Teammitglieder geben zuerst eine schriftliche Selbstbeurteilung ab, in der sie begründen, warum ihnen eine Gehaltserhöhung zusteht. Vier Personen aus dem Team, die jährlich wechseln, bilden mit dem Chef die Lohnverhandlungsgruppe. Wenn die Selbstbeurteilung eines Teammitgliedes nicht konform mit der Verhandlungsgruppe ist, gibt es eine Nachbesprechung.

Mitarbeiter beurteilen vieles anders als ein Chef, etwa wenn es um die Hilfsbereitschaft gegenüber den Kollegen geht. Sie beziehen die sozialen Kompetenzen stärker mit ein. Bachmayr: "Es ist erstaunlich, wie viel Eigenverantwortung Menschen haben, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. In jedem steckt ein kleiner Unternehmer."

Daraus entwickle sich eine Eigendynamik, wenn etwa eine Lohnverhandlerin erkenne, dass eine andere mehr verdiene als sie, weil diese eine Zusatzausbildung absolvierte. Das sporne an, die eigene Qualifikation zu erhöhen.

Überdurchschnittliche Löhne

Auf einzelne Beschäftigte umgelegt ergab das im Vorjahr eine Lohnerhöhung zwischen 1,9 und 4,1 Prozent. Obendrauf bekommt das Team eine Gewinnbeteiligung, 2018 waren das 20.000 Euro. Der durchschnittliche Stundenlohn unter den Stylistinnen liegt ohne Ausschüttung bei 15,76 Euro. Zum Vergleich: Der Kollektivvertrag und auch der Durchschnittslohn pro Stunde liegt in Österreich bei 9,21 Euro.

Neben den selbst organisierten Lohnverhandlungen setzen sich die Teammitglieder alle drei Wochen zusammen. Die Einkaufsverantwortliche erzählt über neu bestellte Produkte. Die Kollegin für die Ausbildung erklärt Probleme von Auszubildenden. Die Rezeptionistin bringt beispielsweise organisatorische Probleme zur Sprache. Unter den neun Lehrlingen wurde einer zur Vertrauensperson auserkoren und ist bei diesen Besprechungen ebenfalls dabei.

Ein Zusatzlehrtag für Lehrlinge

Außerdem hat Bachmayr eine Ausbildungsakademie aufgebaut. "Eine unsere Mitarbeiterinnen trainiert dort einen Tag in der Woche unsere Lehrlinge. Dadurch haben wir immer guten Nachwuchs aus unseren eigenen Reihen."

Shopmanagerin Regina, seit 13 Jahren an Bord, gefällt diese Form des Arbeitens: "Ich durfte mich von Anfang an in betriebliche Angelegenheiten einbringen. Es ist schön, wenn man mitbestimmen darf und nach seiner Meinung gefragt wird, weil man näher am Kunden ist und manches anders als der Chef sieht. Jeder bekommt die Chance, sich im Betrieb weiterzuentwickeln."

Und welche Rolle nimmt nun Bachmayr selbst ein? "Ich bin der Visionär und suche nach Möglichkeiten, wie wir uns weiterentwickeln können. Wenn sich das Team unsicher ist, bleibt mir das letzte Quäntchen an Entscheidung."

Bachmayrs selbst organisiertes Unternehmen hat jedenfalls auch in Deutschland Interesse geweckt. Sein Salon wurde für den "Top Hair Award" unter die Top Drei der besten Salons im deutschsprachigen Raum nominiert. Am 7. März, auf der größten Friseurfachmesse in Düsseldorf wird feststehen, ob die Linzer gewinnen werden.