Bild: V. Weihbold // Lucia Schramm ist guter Geist und Leiterin des AXIS Coworking Lofts

Wo Arbeit zum Vergnügen wird

Von Daniela Ullrich

Wie arbeitet es sich heutzutage? Daniela Ullrich hat sich verschiedene Arbeitsmodelle und -welten angesehen und außerdem erfahren, was es bringt, wenn sich das Arbeitsumfeld an die Mitarbeiter anpasst.

Die Tabakfabrik in Linz ist momentaner Hot Spot für Start-ups, für Jungunternehmer und für innovatives Treiben. Im Bau2, der 1934 ursprünglich vom Stararchitekt Peter Behrens konzipiert wurde, befindet sich ein Büro für momentan 152 Unternehmer, Studenten und Mitarbeiter etablierter Unternehmen, die aber nie alle gemeinsam anzutreffen sind. Dahinter steckt das „AXIS Coworking Loft“, ein modernes Arbeitswelt-Konzept, das seinen Mitgliedern Raum zum Arbeiten, WLAN und Drucker, Scanner oder Kopierer offeriert.

„Auf 500 Quadratmetern wird hier nicht nur eine moderne Büroinfrastruktur geboten, sondern vor allem eine großartige Gemeinschaft, eine vielschichtige Inspirationsquelle und ein wunderbares Business Netzwerk“, sagt die gute Seele des AXIS, Lucia Schramm. „Das Angebot ist überschaubar, basiert auf ,fairuse´ und ist größtenteils Vertrauenssache – wir kontrollieren niemanden“, sagt die ehemalige Strategieberaterin, die sich seit März 2017 um das Wachstum und die Weiterentwicklung des AXIS als Leiterin annimmt.

Der Coworking Gedanke

Mitglieder wählen zwischen einem zeitbasierten Modell oder einem „Fulldesk Service“, wo auch Inventar dagelassen werden kann. Das Coworking Loft ist nicht nur eine coole Location, „ein Glaskubus als ein Raum-im-Raum-Konzept, der auf Passivhausstandard gebaut wurde“, sondern auch eine ideale Spielwiese für kreativen Austausch.

„Wir haben Blogger, Fotografen oder IT-Spezialisten als Mitglieder. Super, wenn sie sich gegenseitig unterstützen können“, sagt Schramm, die den „Coworking Gedanken“ künftig noch stärker im AXIS vorantreiben möchte. „Ich will die Leute noch mehr dazu bringen, den Gemeinschaftsgedanken zu leben. Was kann ich beitragen, was brauche ich?“ sagt die 42-Jährige, die ihre Mitglieder regelmäßig zu gemeinsamen Events
animiert und einlädt.

Willkommen auf dem Arbeitsplatz 4.0

Den speziellen Geist der Tabakfabrik hat sich auch die Marketing-Agentur Lunik2 im Bau1 zunutze gemacht und Ende Oktober 2016 ein neues Kreativzentrum geschaffen. 70 Mitarbeiter breiten sich hier auf 1340 Quadratmetern aus. Das Interieur ist extravagant, die pinke Firmenfarbe dominiert mit Schwarz den außergewöhnlichen Eingangsbereich, der scheinbar die Türe in eine andere Arbeitswelt öffnet: So trifft man auf alte Sessel, bunte Couchen, farbenfrohe Spinde, herumstehende Plastik-Schweinderl und Zwerge. Diese raffiniert drapierten Accessoires lassen den großzügigen Bereich gemütlich wirken, die angrenzende Cafeteria mit erdigen Mühlviertler Holzelementen lädt zum Verweilen ein.

Die spannende Mischung aus einem denkmalgeschützten Gebäude und der „neuen Zeit“ ist hier hervorragend gelungen. Neben dem Großraumbüro, wo die einzelnen Abteilungen durch Europaletten, Pflanzen oder ausgefallene Requisiten geteilt werden, gibt es den gemütlichen Lounge-Bereich, den praktischen Indoor Raucher-Container. Was den Arbeitsplatz 4.0 ausmacht, sind einerseits die geschaffenen Rückzugsorte
und Wohlfühl-Oasen und andererseits ist es die Tatsache, dass die Arbeit nicht gezwungenermaßen auf dem Schreibtisch stattfinden muss. „Die Mitarbeiter können mit ihren Laptops genauso gut im Lounge- Bereich bequem vom Sofa aus arbeiten“, sagt Lunik2-Geschäftsführer Gerhard Kürner, der diese neue Arbeitsphilosophie bereits voll lebt: „Ich sitze kaum noch am Schreibtisch, sondern nutze das Angebot voll aus. Ich empfinde den Zonenwechsel bei uns wie einen ,Mini-Tapetenwechsel‘, der mich schnell auf andere Gedanken oder neue Ideen bringt. Mir taugt das Gesamt-Ambiente des Gebäudes, weil es nach so langer Zeit immer noch eine immense Ausstrahlung hat.“

Schöne neue Arbeitswelt

Dass das richtige Arbeitsumfeld eine wichtige Rolle spielt, weiß Symbios Geschäftsführer Christian Vieira dos Santos schon länger. So gründete der Organisationsentwickler gemeinsam mit dem Architekten Jürgen Holler Anfang 2016 „Symbios. Great place happy work“ mit der Idee, den Raum als Mittel zur Organisationsentwicklung zu nutzen. Dabei geht es darum, einzigartige Arbeitsumfelder, die die individuelle Persönlichkeit des Unternehmens zum Ausdruck bringen oder eine bestimmte strategische Wirkung erzeugen, die für den Erfolg des Unternehmens wichtig sind, zu erschaffen.

Mehr als nur ein Wohlfühlprogramm: Employee Experience

„Ein Arbeitsplatz ist mehr als nur der Ort, an dem man Geld verdient. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die wir Menschen in unserer Arbeit machen, haben tiefgreifenden Einfluss auf unsere Lebensqualität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit“, sagt dos Santos, der Unternehmen bei der Realisierung von ganzheitlich attraktiven Arbeitsumfeldern nach dem Konzept der Employee Experience unterstützt. „Employee Experience ist mehr als nur Wohlfühlprogramme, Mitarbeiterbenefits und ein cooles Büro. Mit Employee Experience Design realisieren wir Arbeitsumfelder, die auf authentischen menschlichen Erfahrungen beruhen. Arbeitsumfelder, die glücklich machen. Und zwar Mitarbeiter und Unternehmensführung gleichermaßen. Denn auch der gesteigerte Unternehmenserfolg ist eines der Geheimnisse vom neuen Glück bei der Arbeit“, sagt der gebürtige Grieskirchner.

Dos Santos‘ Herangehensweise bindet die Mitarbeiter in den Entstehungsprozess von Anfang an mit ein. „Dies führt zu besseren Ergebnissen, hilft Fehlinvestitionen zu vermeiden und steigert auch die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Auch die Produktivität wird gesteigert, wie Studien bestätigen“, sagt der Experte. Dabei werden bei dem gemeinsamen Erschaffen des Arbeitsumfeldes die Bedürfnisse der Mitarbeiter in den Vordergrund gerückt, um positive Arbeitserlebnisse und positive Berufserfahrungen zu ermöglichen
(=Employee Experience). So entsteht eine Win-win-Situation, von der beide Seiten profitieren.

Der maßgeschneiderte Arbeitsplatz

So haben sich beim Personaldienstleister epunkt die Mitarbeiter mit Unterstützung von Symbios ihre neuen Büros selbst designt. „Der Umzug von 880 Quadratmeter auf die doppelte Fläche und drei Etagen wurde zum vollen Erfolg“, sagt epunkt-Geschäftsführer Sam Zibuschka. „Ein siebenköpfiges Team startete mit der Agentur Symbios ein Büroplanungsprojekt, um ein außergewöhnliches Arbeitsumfeld zu schaffen, das konzentriertes Arbeiten ermöglicht, teaminterne Kommunikation in den Vordergrund stellt und teamübergreifende
Kommunikation fördert. So wird der Arbeitsplatz zur Spielwiese und Wohlfühloase“, sagt der epunkt-Chef, dessen Lieblingsbereich das äußerst ansprechend gestaltete Working Café mit angrenzender Dachterrasse in der obersten Etage ist.

Die rund 70 Mitarbeiter finden hier neben einer lauschigen Lounge, ansprechenden Essensbereichen und gemütlichen Rückzugsnischen auch eine große abgeteilte Fläche, wo mit Tischtennistisch und Spielautomaten zum „Miteinandersein“ eingeladen wird.

„Hier beginnt das Abenteuer.“ Mit diesem Hinweis auf der Eingangstüre im zweiten Stock begrüßt epunkt seine Kunden. Ausgangspunkt der „neuen Wege“ ist der große, sehr hell und freundlich gestaltete Empfangsbereich. Von hier aus erstreckt sich ein scheinbar endlos langer Gang, links und rechts öffnen sich die Türen zu den Interviewräumen.

Entdecker und Pioniere

Jeder Raum trägt Namen von Entdeckern und Pionieren und ist seinem Namensgeber vom Interieur her angepasst. So sind zum Beispiel im „Indiana-Jones-Zimmer“ der unverkennbare Hut, die Lederjacke und die Peitsche als typische Accessoires drapiert. Ein großer Holztisch mit angehobener Glasplatte und die eher dunkle Raumstimmung verbreiten tatsächlich Abenteuerlust.

Und was hat das alles mit einem Personaldienstleister zu tun? „Eine neue Arbeit oder ein Jobwechsel sind große Einschnitte, die einem Abenteuer gleichen. Mit den außergewöhnlichen Namen und Raumgestaltungen wollen wir unseren Kunden Mut machen, ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen“, sagt Zibuschka, der
seinen Mitarbeitern und bei der Neugestaltung der Büroräumlichkeiten komplett freie Hand ließ.