2020 mache ich alles anders!

2020 mache ich alles anders!

"Ich treibe regelmäßig Sport." "Ich suche mir einen neuen Job." Solche Vorsätze werden oft in der Zeit zwischen den Jahren gefasst. Doch kaum sind die Silvesterraketen verglüht, sind die guten Vorsätze fürs neue Jahr meist vergessen.

Die Zeit zwischen den Jahren – sie ist für viele Berufstätige neben dem Urlaub die einzige Zeit, in der sie sich entspannt zurücklehnen können. Denn nun geht alles etwas langsamer. Kaum ist die Weihnachtsgans verdaut, lassen denn auch viele Menschen das zurückliegende Jahr Revue passieren: Was wurde erreicht, was nicht? Was bereitete Freude, was Stress? Ehe man sich es verseht, steigen ganz seltsame Fragen empor.

Das registriert die Wiener Beraterin Sabine Prohaska immer wieder. Zum Beispiel Fragen wie: "Wofür schufte ich eigentlich tagaus, tagein?" "Bin ich mit meiner Beziehung zufrieden?" "Wer sind meine Freunde?" "Führe ich ein erfülltes Leben?" Gefährliche Fragen! Denn wer auf sie keine befriedigenden Antworten findet, bei dem gerät das innere Gleichgewicht schnell ins Wanken.

Eine Auszeit nehmen

"Viele Frauen und Männer versuchen deshalb, diese Fragen erst gar nicht in sich aufkommen zu lassen", weiß Joachim Simon. Der Managementtrainer und -berater aus Braunschweig beobachtet bei Bekannten und Geschäfts-partnern immer wieder, dass diese ihre freie Zeit wie ihre Arbeitszeit verplanen. Ein Termin jagt den anderen: Nach dem Kaffeetrinken bei den Eltern geht’s noch schnell mit Freunden ins Theater. Außerdem muss der Keller aufgeräumt und das neue Computerprogramm installiert werden. So bleibt auch in der Freizeit keine "freie Zeit".

"Dabei werden Auszeiten vom Alltagstress immer wichtiger", betont Simon. Denn ständig wird mehr Eigeninitiative gefordert. Lebenslang soll man sich weiterbilden und stärker auf die Gesundheit achten. Und die Alterssicherung? Auch um sie soll man sich kümmern. Ständig wird man mit neuen An- und Herausforderungen konfrontiert. "Herausforderungen", so Simon, "von denen wir oft noch nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Schließlich sind sie neu. Also brauchen wir Zeit, um neue Lösungswege zu entwerfen."

"Immer häufiger geraten wir zudem in Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen", betont Tanja Ninnemann, Mitinhaberin der Managementberatung Machwürth Team International in Visselhövede. Zieht man nach Berlin um, weil man Karriere machen möchte, oder sind die Freunde wichtiger? Spart man 250 Euro monatlich fürs Alter oder kauft man sich ein neues Auto? All diesen Fragen müssen entschieden werden. "Denn wir reden uns zwar oft ein, alles wäre zugleich möglich, doch faktisch geht dies nicht", betont Ninnemann. "Wer zu etwas Ja sagt, sagt zugleich zu anderen Möglichkeiten Nein."

Eine Lebensvision entwerfen

"Uns bewusst entscheiden, können wir nur, wenn wir wissen, was uns wichtig ist", betont Sabine Prohaska, die unter anderem ein Buch zum Thema Selbstcoaching schrieb. Sonst werden zwar viele Vorsätze gefasst, doch kaum setzt die Alltagshektik wieder ein, sind sie vergessen. Denn Vorsätze sind nicht in einer Lebensvision verankert. "Also werfen wir sie über Bord, sobald sich Widerstände zeigen." Eine Lebensvision aber braucht man laut Joachim Simon auch, "weil die wichtigen Dinge in unserem Leben selten dringend sind. Also schieben wir sie auf die lange Bank‘‘.

Einige Beispiele: Es ist nie dringend, joggen zu gehen. Es wäre aber gut für die Gesundheit. Es ist nie dringend, mit den Kindern zu spielen. Es wäre aber positiv für deren Entwicklung. Es ist nie dringend, mit dem Partner auszugehen. Es wäre aber wichtig für die Beziehung. Und es ist auch nie dringend, sich zu fragen: Welche Ziele hat man im Leben? Es wäre aber von Vorteil, um nicht in eine Sinnkrise zu geraten. "Viele Menschen hegen die Illusion: Wenn ich alles schneller mache, habe ich für alles Zeit", beobachtet Simon. Die Konsequenz: Sie gehen nicht durchs Leben, sie rasen. Irgendwann stellt man resigniert fest: Nun führe ich zwar ein noch gefüllteres, aber kein erfülltes Leben.

Ziel: Ein erfülltes Leben

Dieses Lebensgefühl plagt immer mehr Menschen. Deshalb füllen Lebensratgeber immer mehr Regale in den Buchhandlungen. Wer ein erfülltes Leben führen möchte, muss für die rechte Balance zwischen "Körper und Gesundheit", "Familie und Kontakt", "Beruf und Leistung" sowie "Sinn und Kultur" sorgen. "Ohne eine Lebensvision gelingt uns dies nicht", ist Tanja Ninnemann überzeugt. Diese Vision kann nicht zwischen Tür und Angel entwickelt werden. Dazu muss man sich eine Auszeit von der Alltagshektik nehmen. Welche Zeit eignet sich hierfür nicht besser als die Zeit "zwischen den Jahren"? Darum: Ziele und Wünsche schriftlich fixieren und gegebenenfalls mit der Familie bzw. dem Partner auch abstimmen.