Bild: privat // Die Eigenverantwortung und die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler werden durch das neue Zeitmodell gefördert.

Dachsberg-Schüler teilen sich Unterricht teilweise frei ein

Von Michaela Krenn-Aichinger

Gute Erfahrungen mit neuem Zeitmodell mit 75-Minuten-Einheiten und Flex-Zeiten.

Gewaltig verändert hat sich der Schulalltag am Gymnasium Dachsberg, seit im Herbst ein neues Zeitmodell eingeführt wurde. Der Vormittag ist nicht mehr in 50-Minuten-Unterrichtsstunden getaktet, sondern in drei 75-minütige Einheiten. Dazwischen haben die 800 Schüler Flex-Zeiten von 45 Minuten, in denen sie selbst entscheiden können, woran sie arbeiten und zu welchem Lehrer sie gehen.

Die Rückmeldungen der Kinder und Jugendlichen sind sehr positiv: "Die Umstellung war für mich nur in den ersten zwei Wochen schwierig. Die Flex-Zeiten sind super, um Hausübungen zu erledigen, für eine Schularbeit zu lernen oder um gemeinsam ein Referat vorzubereiten. Manche tragen sich beispielsweise bei einem anderen Mathematiklehrer ein, weil dieser vielleicht besser erklären kann", sagt die 16-jährige Schülervertreterin Alina Brandlmayr.

Verschiedene Varianten

Bei der Flex-Zeit gibt es zwei Varianten, entweder das selbstständige Arbeiten, individuell oder in der Gruppe, wo immer auch ein Lehrer gefragt werden kann, oder verschiedene Kursangebote.

Die Schüler melden sich über die Homepage für die Flex-Zeiten an und müssen dokumentieren, was sie in dieser Zeit getan haben. Direktor Pater Ferdinand Karer möchte mit diesem Modell die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen stärken. "Wir brauchen Leute, die querdenken und nicht alle Konformisten sind, dieses Modell soll da mithelfen", sagt Karer. Er betont, dass die Rückmeldungen der Eltern überwiegend positiv seien. Einige kritische Stimmen gibt es allerdings auch. Schüler, die bereits sehr selbstständig seien, täten sich leichter mit dieser gewonnenen Freiheit als andere, die Eigenverantwortung erst lernen müssten. Dass die Kinder zuhause jetzt weniger für die Schule tun müssen, weil sie vieles bereits in den Flex-Zeiten erledigt haben, war für manche Eltern ungewohnt. Andere sind froh, dass sie sich weniger um Hausübungen kümmern müssen.

Schuluhren ticken jetzt anders

Dass die Schuluhren jetzt anders ticken, ist auch eine Herausforderung für die Lehrer. Eine Unterrichtsstunde von eineinviertel Stunden gehört anders geplant als eine mit 50 Minuten. Wie der Unterricht aufgelockert wird, schildert Schülerin Sarah Doppelbauer: "In Spanisch beispielsweise reden wir am Beginn miteinander, dann spielen wir ein Spiel, wo wir meist Wörter erklären, dann kommen ein Grammatikteil und Übungen dazu." Für die Lehrer gibt es entsprechende Fortbildungen zur Methodenvielfalt.

Flexibler unterrichten

Durch die Flex-Zeiten ist der Unterricht vor allem auch flexibler geworden. Wenn beispielsweise in einem Fach mehrmals Stunden ausgefallen sind, kann das Versäumte in den Flex-Stunden nachgeholt werden, oder es wird vor Schularbeiten der Stoff noch einmal wiederholt. Am Freitag ist eine Flex-Zeit auch an den Klassenvorstand gebunden.

Was Direktor Karer besonders freut, ist, dass die Schüler nun mehr miteinander lernen. "Und wenn man durch die Gänge geht, merkt man, dass es im Schulhaus ruhiger geworden ist."
 

  • Neues Zeitmodell am Gymnasium Dachsberg

Der Vormittag am Gymnasium Dachsberg ist in drei 75-Minuten-Einheiten eingeteilt, dazwischen gibt es 45-minütige Flex-Zeiten. Bis zu acht sind es pro Woche. In diesen Flex-Zeiten können die Schüler selbst wählen, was sie lernen. Sie müssen sich zu den jeweiligen Kursen und bei den Lehrern anmelden und auch dokumentieren, was sie in dieser Zeit getan haben.
Die Selbstverantwortung und Selbstständigkeit der Schüler sollen gestärkt werden. Pro Schultag müssen sich die Schüler nur mehr auf drei Fächer vorbereiten. In den drei 75-Minuten-Einheiten kann mit geringerem Zeitdruck in die Tiefe gegangen werden.
Das neue Unterrichtsmodell wird von der Pädagogischen Hochschule begleitet und evaluiert.