Bild: Engel // Der Spritzguss-Maschinenhersteller Engel ist unter den ersten Betrieben, die die duale Akademie nutzen wollen.

Start der dualen Akademie

Von OÖN

Eigenes Lehre-Format für AHS-Maturanten: Erste Klassen ab Herbst in Linz und Ried – Modell könnte österreichweit ausgerollt werden.

Ab Herbst gibt es für AHS-Maturanten eine neue Form der Lehre, die duale Akademie. Entwickelt von der Wirtschaftskammer Oberösterreich, „schließt dies eine Lücke im Bildungssystem“, sagt Wirtschaftskammer (WK)-Präsidentin Doris Hummer. Die OÖN beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Wie funktioniert das?

Konkret starten im Herbst eine Technik-Ausbildung mit Schwerpunkt Mechatronik und eine im Großhandel als „Trade and Logistics“ verkürzte Lehre für Maturanten. Die ersten beiden Klassen mit 20 Schülern sind voll. „Wenn es weiteren Bedarf gibt, starten wir mit mehr Klassen“, sagt Hummer.

2. Wer ist die Zielgruppe?

Vorerst will die Wirtschaft AHS-Maturanten ansprechen, die eine Alternative zum Studium suchen. Auch Studienabbrecher könnten dazukommen.

3. Was ist der Unterschied zu bisherigen Lehren nach der Matura?

Die Bezahlung und die spezielle Ausrichtung nur für Maturanten mit eigenen Berufsschulklassen. Die Ausbildung erfolgt zu 70 Prozent im Betrieb, zu 20 Prozent geblockt in der Berufsschule mit adaptiertem Lehrplan. Zehn Prozent der Ausbildung organisiert und finanziert die WK im Wifi oder an Uni und Fachhochschule. Auch ein verpflichtender Auslandsaufenthalt sei Teil dieser Lehre. Diese ist verkürzt und dauert je Berufsbild zwischen 1,5 und 2,5 Jahren.

4. Wer zahlt was?

Die Betriebe zahlen den jungen Erwachsenen die Lehrlingsentschädigung. Das Arbeitsmarktservice hat derzeit einen Förderschwerpunkt für Junge und stockt das Entgelt auf das niedrigste Gehalt des jeweils beim Ausbildungsbetrieb gültigen Kollektivvertrags auf. Das bedeutet in etwa eine Verdoppelung der Lehrlingsentschädigung, sagt Hummer.

5. Kann das den Fachkräftemangel beheben?

Zumindest lindern. Fast die Hälfte aller 15-Jährigen startet eine Lehre. Das ist ein sehr hoher Wert, der kaum mehr zu toppen ist. Im Gegensatz zu Deutschland, wo fast 25 Prozent der Abiturienten ebenfalls eine Lehre machen, starten Maturanten hierzulande kaum mit einer Lehre. Im Vollausbau soll es 1000 Maturanten pro Jahr geben, die diese verkürzte Lehre beginnen – und auch abschließen. 2500 AHS-Maturanten gibt es durchschnittlich in Oberösterreich pro Schuljahr.

6. Welche Firmen sind dabei?

In der Konzeption der Großhandelsausbildung waren Kellner&Kunz und die Bäckerei Honeder dabei. Die technische Lehre bieten Fill, Fronius, KTM, FACC, Siemens, Miba und Engel. Die Betriebe suchen ihre Lehrlinge aus.

7. Welche Dimensionen kann das bekommen?

In längstens fünf Jahren soll es in jedem der 15 Branchenverbünde der WK zumindest eine Lehre auf Maturaniveau geben. „Es gibt Interesse aus anderen Bundesländern, das Konzept zu übernehmen“, sagt Hummer. Unterstützung gibt es auch aus dem Wirtschaftsministerium.

Image verbessert

Seine letzte Imageumfrage unter den Mitgliedsbetrieben präsentierte der WK-Direktor Walter Bremberger gestern: Mit den besten je gemessenen Werten attestierten 90 Prozent der Kammermitglieder, dass die WK „eine gute Sache“ sei. Nach der Pflichtmitgliedschaft wurde nicht gefragt, 86 Prozent hätten aber erklärt, die WK sei „unverzichtbar“, sagt Bremberger, der am 16. Juli in Pension geht. Wie berichtet, übernimmt Hermann Pühringer, Gerald Silberhumer wird Vize-Direktor.