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Steyrer HTL als Elite-Schmiede

Von Dietmar Mascher

Seit 1874 bildet die HTL Steyr Techniker aus. Aber wie kommt es, dass darunter auch viele prominente Spitzenmanager sind?

Robert Musil hat bereits gewusst, dass es sich um eine Schule mit besonderen Eigenschaften handelt. Sie sei, formulierte es der Schriftsteller, von der Wirtschaft aus der Not heraus gegründet worden. Zu lange habe man sich in der Region auf kaiserliche Privilegien verlassen, ehe nach der Gründung der Waffenfabriksgesell-schaft durch Josef Werndl (1869) im Jahr 1874 die Fachschule für Eisenindustrie ins Leben gerufen wurde. Diese hatte zum Ziel, die Fachkräfte nebenberuflich besser auszubilden. Musil wusste, worüber er schrieb. Sein Vater Alfred Musil leitete von 1882 bis 1891 die Schule.

Seit 1963 ist die Schule eine HTL und trägt dazu bei, dass Steyr zu jenen Regionen mit der höchsten Dichte an qualifizierten Fachkräften zählt, zumal für die Industrie. Die HTL hat mittlerweile fünf verschiedene Fachrichtungen: Mechatronik, Fahrzeugbau, Elektronik-IT, Art & Design sowie seit kurzem Netzwerktechnik. Hinter Art & Design verbirgt sich die einzige HTL-Ausbildung für Graveure. Dort werden nicht nur die Spezialisten für die Münze Österreich, sondern auch für zahlreiche andere Münzspezialisten aus dem Ausland ausgebildet.

Exzellente Ausbildungsstätte für Techniker und Spitzenmanager

Die HTL gilt aber nicht nur als exzellente Ausbildungsstätte für Techniker, sie bringt auch eine große Zahl an Spitzenmanagern hervor. Das zeigt allein die Liste des Beirats für den Alumniclub, der 2007 von Direktor Franz Reithuber ins Leben gerufen und vom EU-Parlamentarier Paul Rübig als Präsident geführt wird. Die 70 Mitglieder sind Spitzenmanager und hervorragende Wissenschafter, und die Liste liest sich wie das "Who is who" der Wirtschaft mit etlichen illustren Gästen.

Dazu zählen etwa der langjährige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, der langjährige Heereschef Othmar Commenda, Primar Bruno Schneeweiß, Sappi-Manager Max Oberhumer, TU-Professor Helmut Eichlseder, der jetzt in Graz lehrt, und ÖBB-Finanzchef Josef Halbmayr.

Die Firmenchefs Günter Rübig, Helmut Wieser (Amag), Gerhard Luftensteiner (Keba), Christoph Guger (g-tec), Josef und Mario Haidlmair, Alfred Hutterer (früher Trumpf) sind ebenso Absolventen wie die Wissenschafter René Mayrhofer (JKU), der von Google umworben war, und Heimo Losbichler (FH Steyr). Übernächste Woche wird Absolvent Helmuth Gsöllpointner von der Schule ausgezeichnet.

Absolventen fördern Schüler

Reithuber, der seit 2001 Direktor ist, hat es mit seinem Alumni-Beirat geschafft, die Manager einmal im Jahr zusammenzubringen. Dort wird nicht nur ein Netzwerk gepflegt, die Absolventen investieren in die Schule und ermöglichen Schülern, in ihren Betrieben Karriereluft zu schnuppern. Damit werde der Erfolg von morgen gesät, ist sich Reithuber sicher.

Aber warum wurden so viele Spitzenmanager und Unternehmer? "Die Schule ist schwer, wir schenken niemandem etwas. Wir belasten die jungen Leute, lassen sie aber auch allein gehen. So lernen sie, sich zu organisieren und konsequent zu werden", sagt der Direktor. Sein nächster Besucher ist der neue Palfinger-Chef Andreas Klauser, ebenfalls ein Absolvent.