home care of the old lady
Bild: Wodicka // Mit dem Lehrgang „Junge Pflege“ können auch Pflichtschulabgänger direkt in die Ausbildung einsteigen.

"Das Engagement der Jugend darf man nicht unterschätzen"

Von Eike Clemens Kullmann

Die Ausbildung "Junge Pflege" ist ein österreichweites Pilotprojekt in Linz.

"Mich hat nie etwas anderes interessiert als Behindertenbetreuung", erzählt Lena Holzinger von ihrem Berufswunsch, seit sie in der Volksschule an einer Führung in Altenhof teilgenommen hat. Mit 16 ist die Ottnangerin auf dem besten Weg dorthin. Sie ist eine von 16 Schülern, die vor einem Monat mit der Ausbildung "Junge Pflege" (FSB "A") begonnen haben. Das österreichweite Pilotprojekt ist das neueste Angebot der Altenbetreuungsschule des Landes in Linz.

"Die Absolventen schließen den Lehrgang nach drei Jahren als Fach-Sozialbetreuer mit Schwerpunkt Altenarbeit ab", sagt Wilhelmine Steinbacher den OÖNachrichten. Die Direktorin hatte im Juli vom Land den Auftrag bekommen, dieses Angebot auf den Weg zu bringen – der Startschuss fiel Anfang November.

Persönlichkeit erforderlich

Die Altenbetreuung braucht Persönlichkeit, ist Steinbacher überzeugt. Und so legte sie schon beim Aufnahmeverfahren viel Wert darauf, die Einstellung zur Altenbetreuung bei den künftigen Absolventen zu erkunden.

"Ich habe im Aufnahmegespräch auch bei den Eltern die Motivation der Jugendlichen hinterfragt." Und ist in den vergangenen Wochen in ihrer Überzeugung gestärkt worden, dass "das Engagement der Jugend nicht unterschätzt werden darf".

Aufgenommen wurden 13 Mädchen und drei Burschen im Alter von 16 bzw. 17 Jahren. Einer von ihnen ist Markus Baumgartinger aus Schwanenstadt. Dem 17-Jährigen macht "Altenbetreuung schon länger Spaß." Für das Angebot der Altenbetreuungsschule ist er Feuer und Flamme. Auch wenn im ersten Jahr viel Theorie auf dem Lehrplan steht. "Wir gehen ganz bewusst nicht gleich in die Betreuung hinaus. Die Jugend ist dafür noch nicht vorbereitet und in den Alten- und Pflegeheimen ist diese zusätzliche Struktur nicht da – es würde sozusagen zur Überforderung auf beiden Seiten kommen", so die Direktorin.

Persönlichkeitsentwicklung

Insgesamt stehen 1460 Unterrichtseinheiten auf dem Plan (Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr). Auf dem Stundenplan dieser Woche finden sich etwa Einheiten zu Berufsmotivation und berufliches Selbstverständnis entwickeln, Erste Hilfe oder Interkulturelle Bildung. "Priorität haben in diesem Jahr die Entwicklung von Persönlichkeit und sozialer Kompetenz. Allerdings gibt es auch Praxiselemente wie kreatives Gestalten von Nachmittagen mit Senioren – selbstverständlich mit Begleitung von Lehrpersonen."

Für die Zukunft des Lehrgangs "Junge Pflege" ist die Direktorin optimistisch. "Wir sind ein Baustein, um Menschen für die Altenarbeit zu gewinnen. Und das Interesse ist durchaus vorhanden", berichtet die Direktorin von Anrufen und "Schnupperern". Und so gibt es bereits Überlegungen für das Schuljahr 2019/2020, diese Lehrgänge zu regionalisieren und auch in anderen Ausbildungseinrichtungen (Caritas, Diakonie) anzubieten.

Nähere Informationen unter www.altenbetreuungsschule.at