Sein Arbeitsplatz befindet sich rund zehn Kilometer über dem Boden

Luftaufnahme beim Anflug auf Dublin Bild: privat Sonderthemen-Redaktion

Hier spricht Ihr Pilot: Andreas Herzog über seinen Weg ins Cockpit und den Berufsalltag in luftiger Höhe.

Er arbeitet über den Wolken: Andreas Herzog aus St. Valentin ist als Pilot für eine große deutsche Airline im Einsatz. Für viele junge Menschen ein Traumberuf – doch wie sieht die Arbeit im Cockpit tatsächlich aus und welche Voraussetzungen muss man erfüllen? Mit uns sprach Herzog über seinen Berufsalltag zwischen Himmel und Flughafen.

Vor dem Fliegen stand natürlich erst einmal die Theorie. Diese erlernte Andreas Herzog im Jahr 2009 in einer 12-monatigen Ausbildung in Bremen. 2010 absolvierte er ein Flugtraining in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona, ein Jahr später ging es für weitere Trainings zurück nach Bremen und nach Frankfurt. "Die Ausbildung war herausfordernd", erinnert sich Herzog. "Spannend fand ich, dass wir die Theorie oft direkt in die Praxis umsetzen mussten, zum Beispiel im Flugzeug oder im Simulator."

Sein Arbeitsplatz befindet sich rund zehn Kilometer über dem Boden
Herzog beim "Outside-Check"



Zusammenspiel von Technik und Mensch

Fasziniert habe ihn die Fliegerei schon immer. "Das Besondere an dem Beruf macht für mich diese Mischung aus einer technischen und einer sozialen Komponente aus", so der 39-Jährige. Letztere sei wichtig, denn das Team, mit dem ein Pilot zusammenarbeitet, wechselt regelmäßig. "Ich denke, die drei wichtigsten Eigenschaften, die von einem Piloten gefordert werden, sind Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft und Durchsetzungsvermögen", findet Andreas Herzog. "Auch eine gewisse Affinität zur Technik ist bestimmt von Vorteil."

Wie sieht nun der Arbeitstag eines Piloten aus? "Pro Tag können ein bis fünf Flüge auf dem Dienstplan stehen", erklärt Herzog. "Vor jedem Start wird das Flugzeug bei einem ,Outside-Check‘ und mittels einer technischen Dokumentation auf die Flugtauglichkeit hin geprüft. Der Flugplan wird eingesehen, das Wetter eingeholt, der Treibstoff bestellt und die Abflug-, Strecken- und Anflugkarten werden studiert. Während des Fluges werden die Navigation und die Treibstoffüberwachung ausgeführt", erklärt der zweifache Vater. " Die Flugdienste können zwischen einem und fünf Tagen variieren, dafür gibt es nach längeren Diensten auch wieder ein paar Tage frei. Bei mehrtägigen Umläufen wird in Hotels in den verschiedenen Destinationen übernachtet. Zeit für Sightseeing hat man aber meistens nur wenig, doch manchmal bleibt ein halber Nachmittag, um sich etwas anzusehen."

Sein Arbeitsplatz befindet sich rund zehn Kilometer über dem Boden
Airbus A320 mit Fluggastbrücke

 

Das Gefühl vor dem Start

"Natürlich war eine gewisse Aufregung vorhanden. Aber ich war jedes Mal überrascht, wie gut die Vorbereitung in den Simulatoren und Kursen war", beschreibt Andreas Herzog das Gefühl vor seinen ersten Flügen. "Bei den Arbeitsabläufen im Cockpit stellte sich sehr rasch ein vertrautes Gefühl ein." Sein bisher längster Flug ging nach Erbil im Irak und dauerte ca. viereinhalb Stunden. "Dieser Flug wird normalerweise als Tagestour geplant", erklärt der Pilot. "Das bedeutet, wir fliegen morgens los, kommen mittags an und nach rund eineinhalb Stunden Bodenzeit geht es wieder zurück." Herzogs "Einsatzgebiet" umfasst ganz Europa, Nordafrika, den Nahen Osten und Zentralasien. "Das westlichste Ziel, das ich bisher angeflogen bin, ist Island." Wirklich brenzlige Situationen hat er auf seinen Flügen zum Glück noch nicht erlebt. "Aber turbulente Wetterlagen oder heftige Gewitter waren schon dabei. Das Flugzeug in diesen Situationen sicher zu führen, haben wir gelernt und das gehört auch zu unseren alltäglichen Aufgaben", so der 39-Jährige.

Job mit Aussicht(en)

Der Karriereweg in der Luftfahrt ist strukturiert: Der "Einstieg" beginnt als Erster Offizier (umgangssprachlich Copilot) auf der Kurzstrecke. "Danach geht’s auf die Langstrecke und nach ca. 15 bis 20 Jahren kommt man auf den linken vorderen Sitz als Kapitänsanwärter wieder zurück auf die Kurzstrecke", erklärt Herzog. "Je nach eigenem Bestreben und Bedarf kann ein Wechsel als Kapitän auf die Langstrecke als letzter Schritt einer Pilotenkarriere stehen."

Ob er eine Lieblingsdestination hat? "Das ist nicht leicht zu beantworten", so Herzog. "Europa ist ein so facettenreicher Kontinent. Durch das viele Reisen habe ich Österreich aber sogar noch mehr zu schätzen gelernt und bin sehr froh, hier meinen Lebensmittelpunkt haben zu dürfen."