"Wir müssen den Jungen zeigen, dass die Lehre super ist"
Bild: CLV//v.l. Dietmar Mascher (OÖN), Stefan Karobath, Doris Rannegger, Christine Haberlander, Erika Merta (CLV), Friedrich Dallamaßl, Karl Kammerer (CLV)

"Müssen den Jungen zeigen, dass die Lehre super ist"

Von Elisabeth Prechtl

Experten diskutierten beim CLV-Sektionstag über die Zukunft der dualen Ausbildung

Stellte man Unternehmern vor einigen Jahren die Frage nach ihren größten Problemen, lautete die Antwort häufig: zu viel Bürokratie. Heute sind es die fehlenden Fachkräfte, die Arbeitgebern schlaflose Nächte bereiten. Wie berichtet, könnten laut einer Arbeitsmarktanalyse der KMU Forschung Austria 2030 bis zu 127.000 Fachkräfte in Oberösterreich fehlen. Das Thema stand auch im Mittelpunkt beim Sektionstag des CLV (Christlicher Lehrerverein) der Berufsschullehrer im Kulturzentrum in Hörsching. Eine Experten-Runde diskutierte mit OÖN-Wirtschaftsressortleiter Dietmar Mascher über den Stellenwert und die Zukunft der Lehre.

23.000 junge Menschen absolvieren in Oberösterreich aktuell eine Lehre: Seit 2010 ist sowohl die Zahl der Auszubildenden (minus 17 Prozent) als auch jene der Ausbildungsbetriebe (ein Minus von 24 Prozent auf aktuell 5721) zurückgegangen.

Laut Fritz Dallamaßl, Leiter der Lehrlings- und Meisterprüfungsstelle in der Wirtschaftskammer, ist Oberösterreich neben Vorarlberg immer noch Vorreiter: "Nach wie vor macht jeder zweite Jugendliche in Oberösterreich eine Lehre." Der Anteil sei nicht zurückgegangen. Die Betriebe würden die Ausbildung nach wie vor sehr ernst nehmen. Allerdings würden sich mehr Unternehmen um weniger junge Menschen matchen: "Da gibt es natürlich Verlierer."

Vorbild und Kratzbaum

Neben der Ausbildung kommen den Betrieben auch in der Erziehungsarbeit wichtige Aufgaben zu, sagt Stefan Karobath, als Teamleiter der Lehrlingsausbildner bei der Energie AG für 70 Lehrlinge verantwortlich. "Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Selbstreflexion sind heute nicht selbstverständlich." Junge Menschen bräuchten zudem Vorbilder, wie Ausbildner und Lehrer. Die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen funktioniere sehr gut.

Doris Rannegger, Leiterin der Rewe-Group-Karriereschmiede, sieht sich weniger als Vorbild denn als Kratzbaum für junge Leute. In Oberösterreich bilde Rewe derzeit 250 Lehrlinge aus: Ihnen Grenzen aufzuzeigen, sei keine Pflicht, sondern deren Recht. "Unsere Lehrlinge haben alle das Recht auf eine Ansprechperson. Wir lassen sie nicht hängen und begleiten sie auch zu ihrer Lehrabschlussprüfung."

Geschlechterstereotype spielen bei der Berufswahl nach wie vor eine große Rolle: Die beliebtesten Berufsfelder bei den Mädchen sind Einzelhandel, Bürokauffrau sowie Friseurin. Bei den Männern sind es Metall-, Elektro- und Kraftfahrzeugtechnik. "Nach wie vor ergreifen zu wenig Mädchen technische Berufe", sagt Bildungslandesrätin Christine Haberlander (VP). Die Information müsse in den Kindergärten und Volksschulen beginnen: Dafür brauche es vor allem gute Pädagogen sowie eine Öffnung der Schulen für die Eltern sowie die Wirtschaft. "Wir müssen den jungen Menschen zudem vermitteln, dass die Arbeitsplatzsicherheit im technischen Bereich hoch ist."

9. Schuljahr als Startnachteil

Alle Diskutanten waren sich einig darüber, dass am Status der dualen Ausbildung gearbeitet werden müsse, um deren Zukunft zu sichern: "Das duale System ist ein Erfolgsmodell", so Karobath. Viele Lehrlinge würden mehr verdienen als so mancher Absolvent einer Schule.

Laut Dallamaßl ist das verpflichtende neunte Schuljahr ein Startnachteil für die Lehre. Bei Schülerberatungen müsse die duale Ausbildung als gleichwertig zur höheren Schule präsentiert werden. Rannegger sieht in der Ausbildung nicht nur eine Chance für junge Leute, sondern immer auch für die Betriebe, die eigenen Strukturen zu überprüfen: "Wir müssen den jungen Leuten zeigen, dass die Lehre super ist."