Bild: lebe // Augmented Reality die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung ist großes Thema.

Fachhochschule Hagenberg gewährte Einblick

Von Bernhard Leitner

Datenbrillen, Astronauten-Führerschein und was kaputte Handys alles verraten.

Eine Wohnstraße, ein parkendes Auto und plötzlich ein Kind, das über die Fahrbahn läuft. Der Zusammenstoß lässt sich gerade noch vermeiden. Aber auch ohne rechtzeitiges Bremsmanöver wäre in diesem Fall nichts passiert: Denn das Kind existiert nur auf der Datenbrille. Es wird lediglich in die Realität eingeblendet.

Augmented Reality, also die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, ist nicht nur eines der ganz großen Themen der IT-Konzerne, sondern auch Forschungsgegenstand an der Fachhochschule Hagenberg. Einige Projekte dazu wurden am Freitag beim Tag der offenen Tür vorgestellt. "Wir bewegen uns hier in verschiedensten Anwendungsbereichen: Von Trainings für Polizei-Spezialeinheiten bis zur Fahrsicherheit im Auto", sagt Gerhard Zwettler, Leiter einer Forschungsgruppe der Abteilung Software Engineering. Dank der Datenbrille verschwindet der Satz "Stellen Sie sich vor, dass ..." aus den Trainings. Es wird eingeblendet, was gerade geübt werden soll.

Von Hackern und Klonen

Hackerangriffe auf Energieversorger oder Ministerien haben auch das Interesse an der Datensicherheit sprunghaft ansteigen lassen. Auch das ist ein Unterrichtsgegenstand an der FH Hagenberg. "Unsere Studierenden lernen, wie Programme sicher aufgebaut werden können. Dazu gehört auch das Verständnis, wie Schadsoftware funktioniert und wie man sie aufspürt", sagt Robert Kolmhofer, Leiter der Abteilung für sichere Informationssysteme. Sein Team hat soeben eine Anwendung erstellt, die Österreichs Gemeinden bei der Umsetzung der neuen Datenschutzgrundverordnung unterstützt. Ein weiteres Projektteam ist der Frage nachgegangen, ob ein Foto eines Schlüssels reicht, um daraus via 3D-Drucker einen funktionsfähigen Zweitschlüssel anfertigen zu können. "Die Antwort ist: Ja. Also bitte nie mehr einen Schlüssel irgendwo offen liegen lassen. Es könnte ihn jemand per Handy fotografieren und dann ein Duplikat anfertigen", sagt Kolmhofer. Apropos Smartphone: Die Datenforensiker der FH Hagenberg tüfteln auch daran, Informationen aus völlig funktionsuntüchtigen Handys zu rekonstruieren. "Wenn man weiß, wie man die richtigen Chips anzapft, lassen sich nahezu alle gespeicherten Daten auslesen", erklärt Josef Haidn. Das bewahrt die Handybesitzer vor Datenverlust, kann aber auch den Ermittlern in Kriminalfällen wertvolle Aufschlüsse geben.

Manchmal geht es im Informatik-Zentrum auch recht spielerisch zu: Etwa im voll ausgestatteten Filmstudio des Studiengangs "Digital Arts". Hier werden sogar fremde Galaxien in das Mühlviertel importiert – mit Green Screen, wie ihn auch Fernsehstudios verwenden.