Students working in library
Bild: colourbox.de // Gar kein Einzelfall mehr: Mütter, die ihre großen Kinder auch beim Studium tatkräftig unterstützen.

Mit der Mutti zur Uni

Von Barbara Rohrhofer

Phänomen Helikopter-Eltern: Auch an der Linzer Kepler Uni sind oft Mütter und Väter dabei.

"Es gibt mittlerweile viele Eltern, die ihre Kinder in den ersten Tagen an die Universität begleiten, um das unbekannte Terrain gemeinsam mit dem Nachwuchs zu erkunden", sagt Univ.-Prof. Andreas Janko, Vizerektor für Lehre und Studierende an der Johannes Kepler Universität Linz.

"Einerseits sind wir natürlich daran interessiert, dass auch Eltern die Uni und ihr Angebot kennenlernen und ihre Kinder tatkräftig unterstützen", betont Janko. Andererseits sei ein Studium dafür da, die Selbstständigkeit zu fördern. "Auch wir stellen fest, dass man die Erstsemestrigen mehr an der Hand nehmen muss als früher. Sie brauchen Unterstützung", sagt Janko.

Freiheit, die verunsichert

"Wir sind in letzter Zeit immer öfter mit Anfragen von Müttern und Vätern konfrontiert", sagt Edin Kustura, Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft an der Uni in Linz. "Natürlich helfen wir den Eltern weiter, aber eigentlich unterstützen wir die Studierenden." Dass diese sich am Beginn des Studiums oftmals schlecht organisieren könnten, hänge sicherlich mit dem derzeitigen Schulsystem zusammen. "Bis zur Matura wird von den Schülern keinerlei Eigenverantwortung verlangt, alles ist vorgegeben. Mit der Freiheit an der Uni können viele dann nicht umgehen. Sie fühlen sich verloren", sagt Kustura.

Frischgebackene Studi-Eltern

"Eltern an der Uni" – dieses Phänomen gibt es nicht nur in Linz. An der Freiburger Universität in Deutschland hat sich beispielsweise ein "Erstsemester-Familientag" etabliert, zu dem auch Geschwister, Tanten, Onkel und Großeltern kommen. Er findet inzwischen im Fußballstadion statt.

An immer mehr Unis im deutschsprachigen Raum können Väter und Mütter einen Tag lang an Probevorlesungen teilnehmen, den Campus inspizieren und das Essen in der Mensa probieren. Manche Hochschulen nehmen sich sogar ein ganzes Wochenende Zeit und bieten ein dicht gepacktes Programm "für frischgebackene Studi-Eltern", wie es zum Beispiel an der Uni Münster heißt.

Erwachsen erst mit 25 Jahren

Viele Studien sprechen davon, dass die Jugend von heute später erwachsen wird. Laut Psychologen habe sich diese Grenze von 18 auf 25 Jahre verschoben. "Was die Aktivitäten angeht, sind heutige 18-Jährige so, wie früher 15-Jährige waren", sagt Forscherin Jean M. Twenge von der Universität in San Diego. Der Trend sei unabhängig vom Geschlecht, dem Wohnort oder sozioökonomischen Faktoren feststellbar. Die Forscher sehen in der Entwicklung eine kulturelle Wende: "Unsere Studie zeigt, dass Teenager heute länger warten, bis sie mehr Verantwortung übernehmen."

Ein Grund für das spätere Erwachsenwerden könnten auch jene Mütter und Väter sein, die Helikopter-Eltern genannt werden. Sie versuchen, ab dem Tag der Geburt des Kindes, das "Beste" herauszuholen und kontrollieren das Leben ihrer Schützlinge bis ins kleinste Detail.