Die Bierbrauer im Dienste der Wissenschaft
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Die Bierbrauer im Dienste der Wissenschaft

Von Herbert Schorn

WELS. An der Fachhochschule in Wels wird regel-mäßig Bier gebraut. Nein, nicht des Genusses wegen. Professor Thomas Eidenberger bringt den Studenten so ein biotechnologisches Verfahren bei.

Das hatten sich die sechs Studenten einfacher vorgestellt. Ein Gletscherbier sollte es sein, das die Gruppe rund um Lukas Imlinger und David Fuchs für ihr Studium der Bio- und Umwelttechnik brauen wollte – mit Wasser von einem echten Gletscher. Also fuhren die sechs Studenten mit mehreren 25-Liter-Kanistern bewaffnet hinauf auf den Dachstein und wanderten bei minus zwölf Grad zum Gletschersee. Doch dann die Schrecksekunde: der See zugefroren, das Wasser unerreichbar. Was tun? Die Studenten hatten Glück. Ein zufällig anwesender Baggerfahrer pickte ihnen die Eisdecke auf, half ihnen, die 150 Liter Wasser aus dem See zu fischen, und brachte die schweren Kanister sogar zur Gondel. Zurück in Wels, konnten die sechs mit der Arbeit im Brau-Labor im Keller der Fachhochschule beginnen.

Doch warum wird an der Fachhochschule überhaupt Bier gebraut? Das habe einen guten Grund, sagt Studiengangsleiter Thomas Eidenberger: "Das Bierbrauen ist eine Möglichkeit, um den Studenten die Grundzüge eines biotechnischen Verfahrens beizubringen." Wer einmal ein Fermentationsverfahren verstanden habe, könne die Schritte auf alle anderen biotechnischen Verfahren umlegen. "Die Rohstoffe sind dann frei wählbar. Man kann dann von Antibiotika bis zu anderen Arzneimitteln alles herstellen", sagt Eidenberger, der den Studiengang seit 17 Jahren leitet und auch selbst mitentwickelt hat. Rund 180 Studenten sind derzeit für dieses Bachelor- und Masterstudium eingeschrieben.

Lukas und David lieben die Arbeit im Brau-Labor. Bereits sechs Mal haben sie für mehrere Projekte an der FH Bier gebraut. "Es ist faszinierend zu sehen, wie das, was wir in der Theorie gelernt haben, in der Praxis funktioniert", sagt David. "Etwa wenn sich der Hefepilz in Alkohol umwandelt." In der 250.000 Euro teuren Anlage ist alles für den Brauvorgang eingerichtet. Zuerst wird Gerste geschrotet, mehrmals erwärmt und so in Malz verwandelt. Das Malz wird eingemaischt, also mit Wasser vermischt und erhitzt. Der Brei wird gemeinsam mit Hopfen aufgekocht und rasch abgekühlt. Schließlich wird Hefe, die die Gärung auslöst, beigegeben und danach das Getränk mehrere Wochen gelagert. Pro Jahr fließen bis zu 5000 Liter Bier durch die wissenschaftliche Brauanlage.

Sündenbock-Bier bis "Insbieration"

"Es ist toll, wenn man sein eigenes Bier brauen kann", meint Lukas. "Genau so, wie man es will." Beide, Lukas und David, fanden erst über Umwege zur FH. Lukas war Installateur, David studierte Trompete am Mozarteum in Salzburg. Jetzt sind sie begeistert, vom Studium und vom Bierbrauen. Dabei wird den Studenten viel Freiheit gelassen, es darf auch gelacht werden. So wurden verschiedenste Biere entwickelt, von der "Insbieration" bis zum Sündenbock-Bier.

Und dann ist endlich das Gletscherbier fertig. Ob man das Gletscherwasser wirklich schmecken kann? "Auf jeden Fall", sind Lukas und David felsenfest überzeugt. Na, dann: Prost!