"Die Linzer Kunst-Uni muss sichtbarer werden"
Bild: VOLKER WEIHBOLD

"Die Linzer Kunst-Uni muss sichtbarer werden"

Von Herbert Schorn

LINZ. Als Juwel bezeichnet die designierte Rektorin Brigitte Hütter ihre neue Wirkungsstätte. Aber warum eigentlich? Die OÖN haben die 46-jährige Innviertlerin zum Interview getroffen:

Es ist die vierte Universität, an der Brigitte Hütter ab 1. Oktober tätig sein wird – und dieses Mal an oberster Stelle: Die 46-jährige gebürtige Innviertlerin folgt mit Beginn des Wintersemesters Reinhard Kannonier als Rektorin der Linzer Kunst-Universität nach.

Seit zwei Jahren ist Hütter Vizerektorin an der Kepler-Universität und dort für die 3000 Mitarbeiter zuständig. Zuvor war sie sechs Jahre Vizerektorin am Salzburger Mozarteum (davon die letzten acht Monate als interimistische Rektorin) und mehrere Jahre in führenden Positionen an der Uni in Salzburg. Auch das Fachhochschulwesen kennt sie aus nächster Nähe: Sie ist mit Werner Kurschl, Professor am FH-Campus in Hagenberg, verheiratet.

Doch warum bewirbt sich eine studierte Juristin mit einem Master in Universitätsmanagement für eine Kunst-Uni? "Die Kunst-Universität ist ein hochspannendes Haus", sagt sie. "Was dort passiert, ist noch zu wenig bekannt."

OÖNachrichten: Frau Hütter, Sie haben sich an zwei österreichischen Unis, der Linzer Kunst-Uni und der Uni in Salzburg, gleichzeitig beworben. Wollten Sie einfach unbedingt Rektorin werden?

Brigitte Hütter: Beworben habe ich mich nur für die Kunst-Uni. Für Salzburg wurde ich von der Findungskommission zum Hearing geladen und vom Senat in den Dreier-Vorschlag aufgenommen. Nachdem man so eine Frage nicht jeden Tag gestellt bekommt, sagte ich Ja. Das habe ich aber gleichzeitig an der Kunst-Uni bekannt gegeben.

Warum haben Sie sich an der Kunst-Uni beworben?

Sie ist ein hoch spannendes Haus. Ich konnte ja bereits am Mozarteum Erfahrungen mit der Leitung einer künstlerischen Uni sammeln. Ich fühle mich hoch motiviert und sehe mich mit meinem Vorleben als prädestiniert, eine Universität zu leiten.

Was können Sie als Nicht-Künstlerin dem Haus bieten?

Auf jeden Fall mein Wissen um universitäre Zusammenhänge. Für mich ist klar, dass die Kernaufgaben einer künstlerischen Uni, nämlich Lehre, Entwicklung und Erschließung der Künste sowie Forschung, nicht ohne Einbindung von Lehrenden und Studierenden zu bewältigen sind.

Wie wollen Sie die Uni weiterentwickeln?

Die Kunst-Uni hat ein starkes Profil. Die drei Säulen Intermedialität, Raumstrategien und künstlerisch-wissenschaftliche Forschung sind gut gewählt. Die Uni ist ein Juwel.

Warum eigentlich?

Wegen ihrer Fächerzusammensetzung. Sie reichen von Architektur bis zu Fashion und Kulturwissenschaft. Es wird künstlerisch, wissenschaftlich, anwendungs- und wirtschaftsorientiert gearbeitet. Der Schwerpunkt auf Digitalisierung und Technik passt ausgezeichnet zum Standort Linz. Es gibt eine Auseinandersetzung mit Fragen der Gesellschaft mit den Mitteln der modernen Technik.

Wo besteht Handlungsbedarf?

Viele kennen die Kunst-Uni vom Namen her, aber es ist zu wenig bekannt, was dort passiert. Der Außenauftritt soll besser werden. Ich möchte auch die Internationalisierung vorantreiben, etwa durch den Austausch von Studierenden und Lehrenden. Mir ist es auch ein Anliegen, mehr Professoren fix an das Haus zu binden, damit wir über die Lehre hinaus Forschung und künstlerische Gestaltung vorantreiben können. Das Valie-Export-Center sehe ich als großes Potenzial für künftige Projekte.

Warum ist die Arbeit der Uni so wenig bekannt? Ist Kunst schwierig zu vermitteln?

Wir müssen die Schwelle zur Uni niedriger halten, um auch jene, die nichts mit Kunst zu tun haben, zu erreichen. Unser Standort mitten in der Stadt bietet sich dafür an. Wir müssen sichtbarer werden, mehr in der Gesellschaft wirken.

Was bietet die Uni der Stadt?

Sie kann ein wichtiger Teil für einen reflektierten Umgang mit dem Alltagsgeschehen sein. Als Beispiel: Bei der Digitalisierung ist die Entwicklung kaum absehbar. Hier aktiv mitzugestalten und nicht nur User zu sein, finde ich wichtig.