Maximilian Priglinger
Bild: IV OÖ// Maximilian Priglinger, Vorsitzender der Jungen Industrie OÖ

Mit Sonderstipendien, Frauenboni und Coaching zu mehr Studierenden

Von Susanna Sailer

Junge Industrie suchte nach Lösungen für mehr Technik-Fachkräfte für die Arbeitswelt von morgen.

Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit den niedrigsten Abschlussquoten und auch zu jenen mit der längsten Studiendauer. "Unser Industrieland braucht eine höhere Produktivität des Universitätssystems und mehr Absolventen in nachgefragten Studienrichtungen", sagte diese Woche Maximilian Priglinger, Vorsitzender der Jungen Industrie Oberösterreich, im Rahmen der Diskussionsveranstaltung an der Linzer JKU zum Thema "Studieren am Puls der Zeit für die Arbeitswelt von morgen".

Priglinger zitierte aus einer Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wonach in Österreich nur 23,3 Prozent der Studierenden, die ein Bachelorstudium begonnen hatten, dieses in der Regelstudienzeit abschlossen. Unter allen untersuchten Ländern sei das der niedrigste Wert. Zum Vergleich: In Großbritannien beendeten mehr als 70 Prozent der Bachelorstudenten ihr Studium in der vorgesehenen Zeit.

Aus Sicht der Industrie käme der Zahl der Mint-Studierenden (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) große Bedeutung zu. Deren Anzahl sei im Vergleich zu früheren Jahren rückläufig. Die Lücke zu Deutschland sei auffallend groß. Zudem liege der Frauenanteil unter den Absolventen in den Mint-Fächern mit 25 Prozent weit unter dem Niveau anderer OECD-Staaten.

Die Junge Industrie schlägt u. a. ein Sonderstipendium von bis zu 3000 Euro pro Studienjahr vor. Angesichts der aktuellen Frauenquote sei auch ein Bonus für weibliche Studierende zu diskutieren. "Eine bessere Beratung bei der Studienwahl wäre in Österreich dringend geboten", meinte Priglinger. Die Mitglieder der Jungen Industrie wollen angehenden Studierenden die Möglichkeit bieten, sich in der Praxis ein Bild zu machen, mit welchen MINT-Studiengängen sie in welche Berufe einsteigen könnten.

Industrie hilft bei Studienwahl

Ab 15. Jänner 2020 starten sie daher die Initiative "MINToring". Angehende Studierende werden von Industrieunternehmen zu einer persönlichen Beratung und einem Coaching in ihre Betriebe eingeladen. Sie haben dabei die Gelegenheit, sich mit Mitarbeitern der unterschiedlichen Bereiche auszutauschen, um die richtige Studienwahl zu treffen.

Bei den Diskussionsteilnehmern – darunter JKU-Rektor Meinhard Lukas und Günther Hendorfer, Akademischer Leiter der FH OÖ, – wurde der Vorstoß der Jungen Industrie positiv aufgenommen. "Wir greifen als Hochschülerschaft jede gute Idee für die Verbesserung der Unis gerne auf", meinte auch die ÖH-Vorsitzende an der JKU, Christina Miesbauer.