Sein Semester
Bild: Alexander Schwarzl

Sein 52. Semester

Von Herbert Schorn

WELS. Gustav Pomberger ist der längstdienende FH-Professor Österreichs. Der 69-Jährige lehrte schon in Hagenberg, als es die Fachhochschule offiziell noch gar nicht gab. Die OÖN haben ihn zum Interview getroffen:

Pomberger ist eine schillernde Figur in der Universitätslandschaft Oberösterreichs. Der gebürtige Gosauer gilt als ein Informatikpionier. Er ist Mitbegründer des Institutes für Wirtschaftsinformatik an der JKU, das er bis 2017 leitete. Nebenbei lehrte er jahrelang an der Uni Zürich.

1983 gründete er unter anderem mit Bruno Buchberger den österreichweit ersten Studiengang (für Software Engineering) an einer Fachhochschule – zu einem Zeitpunkt, als es die FH offiziell noch gar nicht gab. Seither lehrt er Algorithmen und Datenstrukturen. Er startet nun in sein 52. Semester und ist somit der längstdienende FH-Lehrende in ganz Österreich. Auch sonst denkt der 69-Jährige nicht an Ruhestand: Seit dem Vorjahr leitet er den Uni-Rat der Linzer Kunst-Uni und das Kollegium der FH. Das Gremium vertritt die 400 Lehrenden und wissenschaftliche Mitarbeiter und trifft wichtige Entscheidungen für die Lehre.

OÖNachrichten: Herr Pomberger, Sie haben an mehreren Unis und der FH gelehrt. Wo ist der Unterschied?

Gustav Pomberger: Ich sehe keinen. An den FHs muss genauso auf höchstem akademischen Niveau gelehrt werden wie den Unis. Bei Grundlagenvorlesungen habe ich an den Unis immer dasselbe gelehrt wie an der FH. Dort gab es zusätzlich mehr Übungen, was auch dem Bildungsauftrag entspricht: Die Unis sollen mehr im Grundlagenbereich forschen, die FHs fundierte Theorie mit starkem Praxisbezug bieten. Aber auf die Theorie verzichten, das geht nicht. Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.

Sie hielten 1976 Ihre ersten Lehrveranstaltungen. Wie haben sich die Studenten verändert?

An den Hochschulen wird weit weniger politisiert. Die Studenten sind braver und unkritischer geworden. Es geht heute viel mehr darum, zügig fertig zu werden.

Woran liegt das?

Es liegt wohl am gesellschaftlichen Wandel und am wirtschaftlichen Druck. Es ist ein Zug der Zeit, dass Hochschulen keine Institutionen mehr sind, von denen gesellschaftliche Revolutionen ausgehen.

Was macht eine gute Vorlesung aus?

Erstens dass der Inhalt auf der Höhe der Zeit ist. Zweitens muss sie spannend sein und die Zuhörer abholen. Eine Vorlesung ist dann gut, wenn die Studierenden mit einem Erkenntnisgewinn hinausgehen. Drittens ist der Einsatz neuer Medien zu beachten. Man kann die Studierenden nur dann abholen, wenn man ihre Sprache versteht.

Haben Sie einen Trick für eine gute Vorlesung?

Das Wichtigste ist, direkt mit den Studenten in Kontakt zu sein, ihnen in die Gesichter zu schauen und Augenkontakt zu halten. Dann sieht man sehr rasch: Bin ich zu schnell? Zu langsam? Braucht es noch Erklärungen?

Sie sind als Leiter des Kollegiums der FH für Lehre zuständig. Wohin soll sie sich entwickeln?

Das Wichtigste ist die permanente Qualitätssicherung. Wir haben 67 Studiengänge. Da muss man sich ständig fragen, ob sie noch zeitgemäß sind. Wir sind gerade dabei, uns Gedanken über eine Konsolidierung zu machen. Wo muss man Studienplätze aufstocken? Wo braucht es neue Studiengänge? Einer der Erfolgsfaktoren der FH ist sicher, dass wir flexibel auf Bedarfe reagieren können. In Bezug auf den Fachkräftemangel ist aber die Politik gefordert. Hier sind die 300 von der Regierung angekündigten FH-Studienplätze für Österreich zu wenig. Die FHs haben deutlich mehr Bewerber als Studienplätze und müssen viele abweisen. Da stellt die öffentliche Hand zu wenig zur Verfügung.

Sie waren und sind an der Kepler-Uni, der Fachhochschule, der Kunst-Uni und auch im Linzer Gymnasium Aloisianum tätig. Eine befruchtende Mischung?

Linz hat mit der starken Wirtschaft, mit diesen Unis und auch dem Ars Electronica Center einen unglaublichen Standortvorteil. Wenn alle ihre Expertise auf gemeinsame Beine stellen, sind wir unschlagbar. Aber da haben wir noch Luft nach oben.