Bild: (Volker Weihbold)

Sieben von zehn Studenten haben neben der Universität einen Job

Von Herbert Schorn

LINZ. Drei Viertel nennen als Grund das Geld – Hochschulen reagieren mit Spezialangebot.

69,4 Prozent der Studenten an der Linzer Johannes-Kepler-Universität arbeiten regelmäßig während ihrer Ausbildung. Das ergab eine Umfrage der Uni, an der sich im Vorjahr 1663 Studierende beteiligten. Damit liegt die JKU über dem Schnitt: Österreichweit arbeiten 61 Prozent der Studierenden. "Dieser hohe Anteil an berufstätigen Studierenden ist ein Spezifikum der JKU", sagt der für Lehre und Studierende zuständige Vizerektor Stefan Koch. Doch woran liegt das? Das sei schwer zu eruieren, meint Koch: "Ein Grund sei wohl, dass es in Oberösterreich eine sehr gute Jobsituation gibt, die es den Studierenden ermöglicht, nebenbei zu arbeiten."

Im Schnitt 26,5 Stunden pro Woche

Für die meisten Studenten liegt die Hauptmotivation für ihre Berufstätigkeit im Geld: 76,2 Prozent der Teilnehmer nennen als Grund, dass sie mit dem verdienten Geld ihr Studium (mit-)finanzieren. Dafür schuften sie gar nicht so wenig: Im Schnitt sind sie 26,5 Stunden pro Woche tätig. Laut einer genaueren Auswertung aus dem Jahr 2015 arbeitet fast die Hälfte mehr als 30 Stunden, ein Viertel sogar mehr als 40 Stunden.

Für die Uni bedeutet dieser hohe Anteil vor allem eines: eine Herausforderung. "Es trägt nicht gerade zu einem zügigen Studienverlauf bei", sagt Koch. "Viele sind dann in einem Konflikt, ob sie arbeiten oder lernen sollen." Aber: "Es ist uns lieber, es gibt berufstätige Studierende, als gar keine." Die Uni versucht daher, ihr Angebot zu spezifizieren, etwa mit Blockveranstaltungen oder Vorlesungen zu Tagesrandzeiten. Auch digitale Angebote sollen helfen: So gibt es etwa das multimediale Jus-Studium. Im neuen Studium der Künstlichen Intelligenz werden Vorlesungen gestreamt, die Streams kann man sich entweder zuhause oder in der JKU-Zweigstelle in Wien anschauen. Dort können Studenten dann live Fragen an den Professor stellen.

Auch an der Fachhochschule Oberösterreich gibt es einen hohen Anteil berufstätiger Studierender. Knapp 1800 der 3900 Studenten besuchen einen berufsbegleitenden Studiengang, laut Schätzungen der Fachhochschule üben sogar 80 Prozent aller Studenten einen Nebenjob aus. Berufsbegleitend Studierende bereichern die Hochschule vielfältig, sagt Günther Hendorfer, Akademischer Leiter der FH: "Sie bringen lebendige Praxis in die Hörsäle, indem sie zum gelernten Stoff Beispiele aus dem Berufsalltag einbringen." Die FH versuche, diese Studenten mit digitalem Lernen und geblockten Vorlesungen zu unterstützen. Die Berufstätigkeit helfe, Disziplin und Durchhaltevermögen zu trainieren.