Wie Waren in Zukunft den Weg zum Kunden finden
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Wie Waren in Zukunft den Weg zum Kunden finden

Von (hes)

STEYR. Von der Drohne bis zum Hyperloop: Lisa-Maria Putz forscht an der Fachhochschule Steyr zu neuen Transportsystemen.

Wie werden in 20 Jahren die Waren ihren Weg durch die Straßen, die Meere und die Luft finden – möglichst schnell, günstig und trotzdem nachhaltig? Darüber forscht Lisa-Maria Putz am Logistikum der Fachhochschule in Steyr. Die 30-Jährige leitet dort das Kompetenzfeld "Nachhaltige Verkehrssysteme" mit rund zehn Mitarbeitern und wurde kürzlich mit dem Nachwuchsforscherpreis der FH ausgezeichnet.

Eine Idee für den Transport der Zukunft wird unter der Idee "Physical Internet" zusammengefasst. Dabei sollen die Güter wie die Daten im Internet fließen und sich quasi selbständig ihren Weg von A nach B suchen, sagt Lisa-Maria Putz: "Basierend auf Daten und Algorithmen erkennen die Güter, wenn etwa auf einem Schiff Kapazitäten verfügbar sind, und wechseln dann so rasch wie möglich das Transportmedium."

Mit 1200 km/h unterwegs

Dazu müssen die Transportketten aber noch während des Weges der Waren flexibel und anpassbar sein, also "synchromodal". "Das heißt, dass die Waren in Echtzeit zwischen den Verkehrsträgern wechseln können", sagt die FH-Mitarbeiterin aus Aschach/Steyr, die im Vorjahr ihre Dissertation an der Wirtschaftsuni in Wien abschloss. "Das ist vor allem bei Störungen wichtig, etwa wenn auf der Straße ein Unfall passiert." Doch die Synchromodalität hat auch einen Haken: Sie basiert auf Daten – und die Unternehmen müssen gewillt sein, diese freizugeben, auch für die Konkurrenten. "Auch die virtuelle Zukunft ist von Menschen abhängig, vom Willen zur Zusammenarbeit und vom Vertrauen."

Andere Transportsysteme der Zukunft sind etwa die Drohnen, wie sie die Post in Deutschland schon einsetzt. Hier erarbeitet Putz mit ihrem Team etwa Verwendungsmöglichkeiten, macht Umsetzungsanalysen und Kosten-Nutzen-Rechnungen. "Drohnen werden sich wohl auch in Zukunft nur in abgelegenen Gebieten rechnen", sagt die Forscherin. Die Idee des Hyperloops steckt dagegen erst in den Kinderschuhen. Dabei sollen sich Kapseln in Röhren auf Luftkissen mit bis zu 1200 km/h Geschwindigkeit bewegen.

Ein weiterer Ansatzpunkt, wie Verkehrssysteme nachhaltiger werden können, ist der Treibstoff. Hier ist eine Möglichkeit flüssiges Erdgas, das laut Putz auf –168,2 Grad abgekühlt wird, genannt LNG. "Durch das Abkühlen wird das Gas flüssig und um das 800-fache Volumen kleiner", sagt Putz. Ein weiterer Vorteil: "Der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß sinkt um bis zu 30 Prozent, auch andere Schadstoffe sinken", erklärt die Wissenschaftlerin. 2017 wurde Österreichs erste LNG-Tankstelle im Ennshafen eröffnet, weitere sollen folgen.

Besonders wichtig ist Putz die Bewusstseinsarbeit. Mit ihrem Team entwickelt sie Apps und hält Seminare, um das Bewusstsein für eine nachhaltige Logistik zu schärfen: "Wir wollen Wissenschaft und Technik verbinden und Firmen die Vorteile aufzeigen."