Die sukzessive Rückkehr der Erwachsenenbildung

Die sukzessive Rückkehr der Erwachsenenbildung

Von Susanna Sailer

Fazit aus der Coronakrise: Kurse in einer Kombination aus Präsenz und E-Learning werden an Bedeutung gewinnen

Der durch das Coronavirus bedingte Lockdown traf die Einrichtungen für Erwachsenenbildung hart. Bildungshäuser, die auf persönlichen Kontakt ausgerichtet sind, mussten ihre Tätigkeiten von einem Tag auf den anderen herunterfahren. Andere stellten auf Video- und E-Learning um. "Das Wifi konnte auf diese Weise seit März trotzdem 1800 Kurse für 36.000 Kunden abhalten", sagt Wirtschaftskammer-Präsidentin Doris Hummer.

Doch Webinare allein können nicht alles wettmachen. "Das persönliche Treffen und das gemeinsame Lernen und Nachfragen in der Gruppe gehören auch zu einem Haus der Bildung", sagt Hummer. Wifi-Institutsleiter Harald Wolfslehner ergänzt: "Lernen ist ein sozialer Prozess."

Ähnlich sieht das Helmut Außerwöger: "Der hohe Wert der persönlichen Begegnung ist uns allen sehr bewusst geworden", sagt der Direktor des Bildungshauses Schloss Puchberg, der auch Vorsitzender des 30 Mitglieder zählenden Erwachsenenbildungsforums OÖ ist.

Schrittweise wurde der Präsenzbetrieb in den Bildungseinrichtungen wieder aufgenommen. Am 4. Mai begannen die prüfungsorientierten Kurse, am 18.Mai jene, die von Arbeitsmarktservice und Land Oberösterreich zugekauft wurden, und seit Dienstag, 2. Juni, dürfen auch alle anderen Seminare in Form eines klassischen Unterrichts stattfinden.

"Bei uns laufen derzeit 154 Präsenzkurse. Das sind 15 bis 20 Prozent weniger als im Vergleich zu einem normalen Tag im Juni des Vorjahres, weil auch einiges in den Herbst verschoben wurde", sagt Christoph Jungwirth, Geschäftsführer des Bfi Oberösterreich. Er geht davon aus, dass künftig der überwiegende Anteil der Bfi-Kurse wieder mit Präsenzunterricht stattfinden werde. Aber computerunterstütztes Lernen, kombiniert mit klassischem Unterricht, gewinnt an Bedeutung. Jungwirth: "Aktuell arbeiten 6200 Menschen aktiv in unserem E-Learning-System. Das ist fast doppelt so viel wie vor der Corona-Zeit."

Außerwöger ist ebenfalls überzeugt, dass die Erwachsenenbildung auch künftig nicht komplett auf Onlineschulung umgestellt werde. "Das entspricht nicht unserem Wesen. Aber als ergänzendes Mittel wird es E-Learning geben."

Leih-Laptops für Teilnehmer

Tendenziell bildungsferne Personen, die etwa den Pflichtschulabschluss nachholen, ausschließlich über E-Learning heranzuführen, hält auch Jungwirth für keine gute Idee. Oft gebe es daheim keine adäquate E-Learning-Umgebung.

Das Bfi habe auch Kunden, deren einziger Kommunikationskanal aus ihrem Smartphone samt Whats App bestehe. Neuwirth: "In der Lockdown-Phase haben wir einer beträchtlichen Anzahl an Berufsschülern, die bei uns die überbetriebliche Lehrausbildung machen, Laptops geliehen. Sonst hätten sie dem Home-Schooling der Berufsschulen nicht folgen können." Das sei eine Lehre aus der Corona-Zeit. Die Überlegung, weiterhin Leihgeräte bereitzustellen, werde eine Herausforderung der Zukunft.