Sven Laumer

"Hey Siri, such mir einen neuen Job"

HR-Tagung: Wie Digitalisierung die Personalarbeit verändert: Neu: Mit Bildergalerie.

Linz. Die Personalsuche, die Auswahl der geeignetsten Kandidaten, die erste Einschulung, das Ausloten von Stimmungen im Unternehmen. Das alles kann heute schon mit digitalen Helferlein organisiert werden. Die diesjährige Jahrestagung des Netzwerks HR stellte diese Woche die Digitalisierung der Personalarbeit in den Mittelpunkt.
Universitätsprofessor Sven Laumer von der Uni Erlangen untersucht seit Jahren die Veränderungen der Personalarbeit, vor allem des Recruitings. Er zeichnet ein differenziertes Bild. So will inzwischen mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Kandidaten von ihrem nächsten Arbeitgeber gefunden werden – und nicht selber suchen. Gleichzeitig sorgt sich ein großer Teil der Arbeitnehmer um die Privatsphäre und den Datenschutz. Lauber ist seit 15 Jahren an einer regelmäßigen Bewerbungsumfrage beteiligt.

Seine Schlussfolgerung: „Die Unternehmen müssen immer mehr Aufwand betreiben, um die richtigen Kandidaten zu finden und auf diese attraktiv zu wirken.“
Und so wie sich früher Bewerber mit einem Standardanschreiben ins Out befördert haben, gilt das heute für Firmen: Firmen, die über Karriereplattformen wie Xing Kandidaten mit vorgefertigten Briefen anschreiben, verärgern diese. „Es geht darum, einen Aha-Effekt zu erzeugen, dann schreiben die Umworbenen auch zurück.“ Diese Veränderung bestätigen Sigrid Leutgeb, Personalchefin bei BRP-Rotax in Gunskirchen, in der anschließenden Expertenrunde: „Das ist eine der wesentlichsten Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren. Ohne aktive Suche geht es heute nicht. Das beginnt schon bei Schülern, die wir für eine Lehre begeistern wollen.“
Andreas Berger, Personalchef von Rosenbauer, ergänzt: „Selbst Schweißer und Elektriker werden heute aktiv angesprochen und erhalten attraktive Wechselangebote.“
Die Digitalisierung der Jobsuche bedeutet aber auch, dass die Firmen selbst in der Lebenswelt der Zielgruppe wahrgenommen werden müssen. „Wer will, kann heute per Sprachbefehl an Siri oder Alexa einen Jobwechsel angehen“, sagt Laumer. Acht von zehn Arbeitnehmern würden sich gern passende Unternehmen für ihre weitere Karriereentwicklung vorschlagen lassen.


Wechselwillige legen vor allem Wert auf gute Lesbarkeit von Firmen-Websites auf mobilen Endgeräten. 2016 war in Deutschland allerdings gerade die Hälfte der Firmen-Auftritte im Internet für Smartphones optimiert. Österreich ist in diesen Bereichen üblicherweise hinten.
Chatbots, also computergenerierte Antworten auf wichtige Fragen bei der Bewerbung, ist nur in jedem zehnten Betrieb ein Thema. Laumer: „Dabei würden sich 40 Prozent der Bewerber die Möglichkeit wünschen, schnelle Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. In eigenen Menüs zusammengefasste „häufig gestellte Fragen“ lese niemand.
Trotz der vermehrten Automatisierung der Personalarbeit sehen die Recruiter in der Umfrage ihre Arbeit nicht gefährdet: Nur vier Prozent haben Angst, dass ihre Arbeit überflüssig werden könnte.